Zwei Chefs für das Trierer Theater: Oberbürgermeister Wolfram Leibe spricht Machtwort

Zwei Chefs für das Trierer Theater: Oberbürgermeister Wolfram Leibe spricht Machtwort

Der Trierer Intendant Karl Sibelius soll das Theater in Zukunft nicht mehr allein leiten. Der neue kaufmännische Direktor muss gleichberechtigt mit Sibelius an der Spitze stehen - diesen Vorschlag legt Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) heute dem Steuerungsausschuss vor.

Ein Dezernent kann und darf dem Oberbürgermeister widersprechen. Blinder Gehorsam ist in der Leitungsebene eines Rathauses wohl ebenso deplatziert und unangebracht wie in jedem anderen funktionierenden Team. Doch es ist mit Sicherheit ein seltenes Erlebnis, wenn der Dezernent seine Einwände gegen die Darstellung des Verwaltungschefs in aller Öffentlichkeit präsentiert - während einer Pressekonferenz, in der er neben dem Oberbürgermeister sitzt.Egger grätscht dazwischen

Genau das hat Triers Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) am vergangenen Montag getan. Als OB Wolfram Leibe der Presse verkündet, dass er dem Theaterintendanten Karl Sibelius die kaufmännische Leitung des Hauses entzieht , grätscht Egger dazwischen und betont: "Herr Sibelius ist aber weiterhin verantwortlicher Leiter des Theaters." Im Klartext: Sibelius bleibt der Chef an der Spitze, der neue kaufmännische Leiter steht unter ihm.

Einen Tag nach der Pressekonferenz legt Egger nach und betont ein weiteres Mal, Sibelius sei auch weiterhin gesamtverantwortlicher Chef. Auch wenn der Oberbürgermeister das anders gesagt habe. Schließlich gebe es einen gültigen Stadtratsbeschluss, der besagt, dass eine "einköpfige Spitze" das Theater leiten soll. Auch Dominik Huß, Pressesprecher des Theaters, meldet sich mit dieser Botschaft in der Redaktion.

Der TV bittet den Oberbürgermeister um Klarstellung: Wieviele Chefs soll das Theater denn nun haben? Einen? Zwei? Und wer ist eigentlich Chef im Rathaus? Der OB oder der Kulturdezernent?

Wolfram Leibe stellt sich diesen Fragen und zeigt dabei deutliche Zeichen der Verärgerung. "Ich schicke voraus, dass es mir hier nicht um die Demontage einer Person geht." Wie sich schnell herausstellt, meint er mit dieser Person nicht Karl Sibelius, sondern Thomas Egger. Leibe betont, dass er bei der Darstellung bleibt, die er während der Pressekonferenz präsentiert hat.

"Es ist meine Überzeugung und auch mein Wunsch, dass der neue kaufmännische Direktor das Theater auf einer Ebene mit dem Intendanten leiten soll." Zwei gleichberechtigte Chefs statt einem - die Entmachtung des Intendanten reicht damit wesentlich weiter als von Egger behauptet.

Das geht natürlich nicht einfach per Anweisung. Um die formale Voraussetzung für eine solche Änderung an der Spitze des Theaters zu schaffen, wird der OB dem Trierer Steuerungsausschuss heute Abend einen Vorschlag zur Abstimmung und Empfehlung an den Stadtrat vorlegen. Das Votum des Rates ist entscheidend.

Leibe lässt keinen Zweifel daran, dass er genug hat vom Theater ums Theater. "Ich will, dass unser Theater wieder wegen seiner Originalität, seiner Beliebtheit und seiner Leistungen ins Gespräch kommt. Dieser ständige negative Kontext muss aufhören." Am Montag hatte der OB öffentlich gemacht, dass das Theater sein Budget für die Jahre 2015 und 2016 um jeweils 1,3 Millionen Euro überzogen hat.

Kulturdezernent Egger sagte ein für gestern vereinbartes Gespräch mit dem TV ab und stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Auch Intendant Sibelius hat sich bisher nicht zu seiner Entmachtung geäußert.Meinung

Kulturdezernent Thomas Egger. Foto: (s_wirt )

Klare Niederlage für Thomas Egger
Triers Kulturdezernent Thomas Egger hat den Machtkampf gegen Oberbürgermeister Wolfram Leibe verloren. Ein weiterer Eklat am Theater, eine weitere unrühmliche Situation für den Juristen Egger, der offenbar als Hüter der Trierer Kultur kein Bein auf die Erde bekommt. An der Eskalation um den Intendanten Karl Sibelius trägt Egger die Hauptschuld. Er hat sein Dezernat nicht im Griff, weder personell noch finanziell. Mit einem geradezu kindischen Trotz fuhr Egger dem Oberbürgermeister in die Parade und versuchte, den Eindruck zu erwecken, Sibelius bleibe alleine Chef und erhalte lediglich einen leitenden Finanzexperten als Verstärkung seines Teams. Doch so ist es nicht. Wolfram Leibe hat klar gesagt, dass er das Vertrauen in Sibelius' kaufmännische Qualitäten längst verloren hat. Ein heftiger Schlag mit der Faust auf den Tisch - aber diese Konsequenz und Übersicht hätte der verantwortliche Dezernent schon längst zeigen müssen. Das hat Thomas Egger nicht getan. Er ließ Karl Sibelius offenbar machen, was er wollte. Konsequenz und Übersicht sind nicht Eggers Stärken. Doch diese Eigenschaften sind unverzichtbar für einen Dezernenten. Die großen Fraktionen im Stadtrat Trier haben das Eingreifen des Oberbürgermeisters begrüßt und ihm in Erklärungen den Rücken gestärkt. Jetzt muss sich zeigen, ob sie im Rat auch entsprechend abstimmen. j.pistorius@volksfreund.de