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Zwei starke Frauen, zu viele Männer

Am Ende hat keine bekommen, was sie eigentlich wollte: Das Trauerspiel "Maria Stuart" von Friedrich Schiller beschreibt den dramatischen Konflikt zweier Königinnen, die gegeneinander intrigieren, obwohl sie sich nur eines wünschen: ihre Ruhe. Sarah-Lena Gombert

Trier. Was ist es, das die höfischen Intrigen und Fehden, die sich im England des 16. Jahrhunderts zugetragen haben, so interessant macht? Was treibt auch im Jahr 2011 noch Hunderte zur Premiere von Friedrich Schillers "Maria Stuart" ins Theater Trier? Es sind Macht und Lust, Monarchie hin oder her, die genauso aktuell sind wie damals.Es ist das Jahr 1568. Elisabeth I., Königin von England, sitzt auf dem Thron. Maria Stuart, Königin von Schottland, sitzt im Gefängnis. Letztere wartet gespannt auf ein Gerichtsurteil. Die Monarchin hat in jungen Jahren ihren Ehemann umbringen lassen und ist aus ihrem eigenen Land vertrieben worden. Statt Asyl wurde ihr in England nur ein Platz im Kerker gewährt. Die Männer sind machtgierig

Maria (Sabine Brandauer) ist schön. Und sie stellt die größte Kontrahentin für Elisabeth (Barbara Ullmann) dar, weil auch sie Anspruch auf die englische Krone hat. Darum haben Männer immer wieder versucht, die Gefangene zu befreien. Maria wird für Elisabeth zur tickenden Zeitbombe. Muss Elisabeth ihre eigene Verwandte umbringen lassen? Ihre Berater drängen sie dazu. Überhaupt konstruieren die Männer im Umfeld der Königin für sie ein Gefängnis aus Zwängen - ähnlich dem realen Gefängnis Marias - als Bühnenbild gelungen umgesetzt von Gerd Friedrich. Überhaupt harmoniert das schlichte Bühnenbild wunderbar mit den aufwendigen Kostümen: Fast jeder trägt ein historisches Gemälde seines Charakters(Carola Vollath). "So sind die Männer. Lüstlinge sind sie alle." Das, was Elisabeth ihrem Günstling Leicester vorwirft, fasst zusammen, was das Problem ist mit den Männern, die Schiller auf die Bühne zitiert. Entweder wollen sie, wie Mortimer, Maria nachstellen. Oder sie wollen Macht und versuchen, Einfluss auf Elisabeth zu nehmen, wie der Baron von Burgleigh. Oder sie wollen beides. Zweifelsohne sind es wie in Schillers Drama auch in der Trie rer Inszenierung die Frauen, die das Geschehen bestimmen. Ullmann überzeugt als kalkulierende Monarchin, die um alles in der Welt versuchen will, ihre Position zu halten. Schillers berühmtem Monolog, in dem sich Elisabeth über ihr Schicksal beklagt, verleiht Ullmann eine Leidenschaft, die mitreißt. Maria ist kein passives Opfer

Das Spiel von Brandauer ist ein Lehrstück dafür, dass Frauen in der Opferrolle nicht passiv sein müssen. Mit ihrer Mimik wickelt die Eingesperrte alle um den Finger - beinahe auch Elisabeth in der einzigen Szene, die die beiden Frauen zusammen spielen. Passiv hingegen wirken die männlichen Darsteller in Gerhard Webers Inszenierung. Daran ändert auch Daniel Kröhnert als ungestümer Mortimer nichts, der durch seine Hektik dem Stück stellenweise eine unfreiwillige Komik verleiht. Und wenn schon die Rollen von Marias Bewacher und einem von Elisabeths Beratern zusammengelegt werden (Michael Ophelders), hätte man auch andere, in dieser Form überflüssige Rollen streichen können, beispielsweise den Grafen von Kent (Tim Olrik Stöneberg). Zwar werden durch die statischen Männer die Frauen in den Vordergrund gestellt. Doch das Trauerspiel kommt zum Teil nur schwer in Gang und verliert dadurch als Ganzes ungemein an Dynamik. Es ist ein Schauspiel, das durch die Leistung zweier Frauen zu einem sehenswerten Stück wird. Ein Politkrimi, wie es das Programmheft verspricht, ist es aber nicht. Dazu fehlt die Spannung.Weitere Vorstellungen am 15., 18., 21., 23., 30. Oktober, 9., 13., 20. November, 9. Dezember.