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Zwei ziemlich beste Freunde

Zwei ziemlich beste Freunde

Künstlerisches Hundeleben erwartet die Besucher der aktuellen Ausstellung der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst in der Tufa. Amüsant ist die Schau auf jeden Fall. Einige Glanzpunkte hat sie auch.

Trier. Für manch einen ist er der "beste Freund des Menschen". Etwa zehn Millionen Haushalte halten sich hierzulande einen Hund als Sozialpartner, Wächter oder Spielgefährten. Seit bald 30 000 Jahren existiert nach Ansicht der Wissenschaft bereits die Mensch-Hund-Konnektion. Kein Wunder, dass jetzt auch die Trie-rer Gesellschaft für Bildende Kunst "auf den Hund gekommen" ist.
Fast 40 Künstlerinnen und Künstler haben sich auf Einladung der Kunstvereinigung zusammengefunden, um sich bildkünstlerisch mit den domestizierten Verwandten des Wolfes zu beschäftigen. Darunter sind Mitglieder der Gesellschaft wie externe Gäste.
Erfreulich vielfältig ist die Schau, gleichermaßen was die künstlerischen Medien angeht wie auch den Blick aufs Tier. Gezeigt werden Gemälde, Fotos, Grafiken, Installationen und Objektkunst. Die gesellschaftliche Rolle des Hundes wird ebenso thematisiert wie die negativen Folgen der Hundehaltung. Auch wenn so manche Auseinandersetzung mit dem Thema arg platt geraten ist, gibt es auch ausgesprochen Sehenswertes. Kaum zu zügeln ist die Angriffslust der von Clas Steinmann mit virtuosem Strich gezeichneten Kampfhunde. Bissig - wie es ins Bild passt - hat Stefan Philipps malerisch die berüchtigten Tretminen, soll heißen, den allerorts herumliegenden Hundekot, auf dem Tufa-Boden verstreut. Und wie aufs hündische "große Geschäft" empfiehlt es sich auch nicht, auf Philipps Bildträger, das feine Porzellan, zu treten.
Zu sehen sind Hunde aller Art und für jeden Geschmack: Schoßhunde, Haute Couture Hunde, sich küssende Hunde, edle Hunde und solche, die so treuherzig schauen, dass man sie am liebsten gleich mitnehmen möchte. "Wer kuschelt hier mit wem" ist die Frage angesichts Martina Diederichs listiger "Kuscheldecke". Harald Naegelis liegender Hund ist hingegen pure, in feine Linien ausgeflossene Zärtlichkeit. Witzig und originell hat Esther Wiswe mit ihrer Radierung dem Betrachter einen Floh ins Ohr und dem Hund ins Fell gesetzt.
Bernd Sauerborn zerlegt üppig barock und frei nach Goethes Faust den Pudel bis auf seinen Kern. Die herausragende Arbeit der ganzen Schau präsentiert Laas Koehler mit seiner "Duftkonserven"-Installation. Das gleichermaßen originelle wie formal absolut schlüssige Werk bezieht sich auf die Proben von Schweiß- und Körpergeruch, die der Geheimdienst der ehemaligen DDR von politisch Inhaftierten anfertigte, um darauf Hunde - ähnlich wie Leichen- oder Drogenhunde - abzurichten. Die Proben wurden als Duftkonserven archiviert, und es wurde bürokratisch darüber Buch geführt. 200 solcher Konserven hat Koehler in gläsernen Standgefäßen eingelagert. Bei der Beschriftung und Zuordnung benutzt er die üblichen DDR-Codes. Die Namen auf den Etiketten hat er der veröffentlichten Liste der Berliner "Maueropfer" entnommen. Zum Jubiläumsjahr des Mauerfalls eine eindringliche Mahnung und ebenso verstörende Demonstration bürokratischer Kälte. er
Bis 6. Juli, Dienstag, Mittwoch, Freitag: 14 - 17 Uhr, Donnerstag: 17 - 20 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag: 11 - 17 Uhr, Telefon: 0651/718-2410,
www.tufa-trier.de
Zur Ausstellung: "hundesalon: Kunst!", 3. Juli, 19 Uhr