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Zwischen Barock und Romantik

Großes Stimmpotenzial: Drei Chöre gestalten die Matthäus-Passion in St. Maximin. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Großes Stimmpotenzial: Drei Chöre gestalten die Matthäus-Passion in St. Maximin. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Trier. Neben der Messe in h-Moll darf man die Matthäus-Passion als das bedeutendste Chorwerk von Johann Sebastian Bach ansehen. Knapp 600 Besucher hörten es in St. Maximin. Gerhard W. Kluth

Trier. Das BWV 244 hatte sich der Trierer Konzertchor (TKC) für 2012 als großes Unternehmen ausgesucht. Unterstützung fand er dabei vom Chor des Musikinstituts Koblenz und vom Trierer Kinderchor (Einstudierung Thomas Trabusch) sowie vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie aus Koblenz. Die Leitung lag diesmal nicht in den Händen des TKC-Gründers Manfred May, sondern beim Dirigenten des Koblenzer Chors, Jochen Schaaf.
Dreh- und Angelpunkt sind die Partien des Evangelisten und Christus. Tenor Helmut Wildhaber, der die Rolle des Erzählers und der kommentierenden Arien übernommen hatte, war eine absolut glänzende Besetzung. Er band die Zuhörer in das Geschehen ein ohne eine künstliche, überflüssige Dramatik aufzubauen. Gleiches galt für Bariton Tobias Scharfenberger, der als Christus einen Glücksgriff darstellte.
Leider galt dies für Maraile Lichdi (Sopran), die Altistin Margarete Joswig und Dominik Nekel (Bass) nicht. Ihre vibratoschwangeren und pathetischen Stimmen passen auf jede romantische Opernbühne, nicht aber zu einer Bachpassion. Die Chormitglieder Melanie Klöckner, Anke Robling, Roman Bruder, Olav Riedel und German Robling hatten die kleineren Solopartien übernommen. Sie lieferten eine beachtliche Leistung, wobei Riedel hier besonders hervor stach.
Bei den Chören und dem Orchester bot sich ein zwiespältiger Eindruck. Die Chöre waren deutlich um eine engagierte Leistung bemüht, was man dem Orchester nur bedingt bescheinigen kann. Hauptgrund hierfür war das Dirigat von Schaaf, der deutliche Mühe hatte, die Ensembles zusammenzuhalten. Die elementar wichtige stereophone Wirkung der Doppelchörigkeit bei Chor und Orchester verlor sich durch Entfernung und Aufstellung der Akteure.
Unverständlich blieb auch Schaafs Interpretationsansicht, die einen roten Faden vermissen ließ. Sollte es nun barock oder romantisch sein? Vieles passte nicht zusammen. Am Ende gab es freundlichen langen Applaus.