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Zwischen Himmel und Erde

Zwischen Himmel und Erde

TRIER. "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" – was ist aus dem Ebenbild Gottes geworden? Im Bischöflichen Dom-und Diözesanmuseum Trier geben fünf zeitgenössische Künstler ihre Antwort.

Ein nackter Körper schwebt schwerelos im dunklen Bildraum. Am mächtigen Kreuz gegenüber leidet Gottes Sohn Todesqual. Auf dem Foto im Raum nebenan lacht eine Frau über einer Opiumpfanne. Ihrem Lächeln fehlt ein Zahn. Etwas weiter hält ein Mann ein schlafendes Kind im Arm. "BOX" (und eine Nummer) steht auf der auf der großen Hand, die das kleine Bündel in der unschuldig weißen Windel hält. Lebhafter Dialog mit Glaubensbildern

Um Menschen geht es in der zweiten "Ausgabe" der Reihe "Kunst trifft Kirche" im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Trier. Ganz nah am Menschsein sind fünf zeitgenössische Künstler im lichten Bau an der Windstaße. Ihre eindrucksvollen Gemälde, Fotos und Skulpturen führen einen lebhaften Dialog mit den christlichen Glaubensbildern aus dem Bestand. "Der Mensch ist seit jeher mein Thema", bestätigt Joachim van der Vlugt, von dem das eingangs erwähnte Bild stammt. Den niederländischen Maler in Luxemburg, der in Maastricht studiert hat, fasziniert der Mensch in seiner Zwiespältigkeit: "Das Helle wie das Dunkle, all das macht Menschsein aus". Van der Vlugts Menschen befinden sich in der Schwebe zwischen Himmel und Erde zwischen Wirklichkeit und Traum. Aus der Nacht des Unbewussten tauchen sie in fast altmeisterlicher Manier aus dem schwarzen Bildraum auf. "Zeigen, was man auf den ersten Blick nicht sieht" will Yvon Lambert. Der renommierte Luxemburger Fotograf liefert mit seinen Reportagen aus aller Welt eindringliche Zeugnisse menschlicher Wirklichkeit. In Trier zeigt er Fotos aus Vietnam und Rumänien. Der vielfach ausgezeichnete Fotokünstler und Buchautor lichtet seine Menschen nicht einfach ab. In seinen brillanten schwarz-weißen Bildkompositionen begegnet er Menschen. Lambert legt den Finger in die Wunde. Aber er ist kein Marktschreier des Elends. Not und Unglück sind kaum merklicher Alltag, signalisieren viele seiner Fotos. Und noch etwas weiß Lamberts einfühlsamer Blick: Alle Menschen sind gleich in ihrem Bedürfnis nach ein wenig Wärme, Freude und Sicherheit. Auf die Reise ins Innere des menschlichen Wesens hat sich Joe Allen gemacht. Um Glauben zwischen Gewissheit und Zweifel, um die Einsamkeit des Wahrheitssuchers geht es in den abstrakten Gemälden des Schotten in Trier.Spannende Spurensuche

Joe Allens vielschichtige Bilderwelten sind Seelenlandschaften voller Botschaften und Zeichen, die zu entdecken einer spannenden Spurensuche gleicht. Nach dem Motto "Die Wirklichkeit ist nicht die Wahrheit" verbindet Tamara Kapp in ihren "zusammengefügten" Menschenbildern risikofreudig Dokumentation, Inszenierung und Malerei. "Mich interessiert, wie Menschen Wirklichkeit gestalten, was hinter ihrer Erscheinung steckt", sagt die junge Luxemburgerin, die derzeit in Stuttgart lebt, wo sie an der Akademie studiert hat. Mit ihren Fotoarbeiten will Kapp zum Nachdenken auffordern über Sinn und Befindlichkeit menschlicher Verhältnisse - auch über die Rolle der Frau in der Kirche. "Der Mensch ist gleichermaßen Schöpfer und Zerstörer", erklärt Franz Schönberger. Für den Trierer Bildhauer ist der Torso das Sinnbild menschlicher Befindlichkeit. Neben seinen Torsi ist in der Trierer "Menschen Schau" sein feinsinniger Skulpturenzyklus "Kleine Fuge" zu sehen. Auch er ist Sinnbild für die Widersprüchlichkeit der menschlichen Existenz. In den Dialog der Bildwerke stimmen Zitate und Textstellen zum Thema ein. Bis 26. November, Montag bis Samstag 9 bis 17 Uhr, (ab 1. November, Montags geschlossen), Telefon: 0651/7105-348