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Zwischen Klassizität und Experiment

Zwischen Klassizität und Experiment

Kammermusik steht im Publikumsinteresse zunehmend auf der Schattenseite. Für viele junge Menschen ist sie fast nicht mehr existent. Die Kammermusikalische Vereinigung Trier kämpft, um Anschluss an die junge Generation zu finden. Und hat dabei einige Ideen.

Trier. Eine biologische Normalität entwickelt sich für die Veranstalter klassischer Konzerte zunehmend zum existenzbedrohenden Problem: der Generationenwechsel. Auch bei der traditionsreichen Kammermusikalischen Vereinigung Trier hat sich ein Umbruch schon lange abgezeichnet und verschärft sich Jahr für Jahr.
Die Zahlen sprechen für sich: Wurden im Programmheft 2014/15 noch 54 sogenannte Patrone ehrenvoll erwähnt, so sind es in der laufenden Spielzeit nur noch 47. Die Patronate indes sind das finanzielle Rückgrat der Vereinigung, die völlig ohne Staatsgelder auskommt und damit unter den klassischen Konzertveranstaltern der Region einzigartig ist.
Die Ursache für den Rückgang lässt sich leicht ausmachen: Es sei, so Geschäftsführer Franz-Josef Kleinbauer, nur ein Einziger dabeigewesen, der aus Unzufriedenheit kündigte. Alle übrigen scheiden aus Altersgründen aus. Auf Dauer geht dieser Rückgang der Vereinigung an die Existenz - mit gravierenden Folgen für das Trierer Musikleben. Niemand sonst in der Stadt, auch nicht die Landesstiftung "Villa Musica", bedient so zuverlässig einen wichtigen Sektor der musikalischen Grundversorgung.
Der Vorstand der Vereinigung, deren Präsident traditionell der Trierer Oberbürgermeister ist, hat dem keineswegs tatenlos zugesehen. Vorsitzender Michael Embach, Geschäftsführer Kleinbauer und der nach wie vor aktive Ehrenvorsitzende Hanspeter Hilgers haben die Programme vielfältiger gestaltet, haben reizvolle Instrumentenkombinationen ausprobiert, balancieren zwischen Klassizität und Experiment. Im 1. Konzert der Saison (14. Oktober, 20 Uhr) erscheinen Gitarrist Friedemann Wuttke und Bandoneon-Spieler Marcelo Nisinman mit einem Streichquartett und Musik von Mozart und Astor Piazzolla im Kurfürstlichen Palais. Die Konzerte mit dem (Klavier-) Trio Enescu (2. Konzert, 11. November) und dem Leipziger Reinhold-Streichquartett (3. Konzert, 20. Januar 2016) appellieren dagegen an die Traditions-Hörerschaft, und das Streichtrio im Schlusskonzert (16. März 2016) atmet gleichfalls klassischen Geist. Andererseits kommt das Trio Messina-Perraud-Kuider (Klarinette, Cello, Klavier, 14. Februar) ohne das Opus 114 von Brahms aus - sonst Paradestück dieser Besetzung. Ob sich dieser Balanceakt in höheren Besucher- und vor allem Patronatszahlen niederschlägt, bleibt allerdings ungewiss.
Immerhin hat der Vorstand schon vor Jahren gegengesteuert. Er hat Interpretations-Workshops mit Schülern und gastierenden Künstlern eingerichtet. Mit deutlichem Erfolg bei allen direkt oder auch indirekt Beteiligten. Das freilich war nur ein relativ kleiner, geschlossener Kreis.
Nun tun sich zwei oder vielleicht sogar drei Wege auf, um junge Leute für eine Gattung zu interessieren, von deren Wert die meisten keine Ahnung haben. Die Universität bietet für Studierende kostenlosen Zugang zu Konzerten an Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ("Di-Mi-Do") an und ersetzt dem jeweiligen Veranstalter den finanziellen Ausfall. Da will sich die Kammermusikalische Vereinigung, deren Konzerte mittwochs stattfinden, ab Januar einklinken.
Und noch ein zweiter Ausweg zeichnet sich ab: eine Konzertreihe "Kammermusik light" in Cafés und sonstigen öffentlichen Räumen. Das freilich ist noch Zukunftsmusik. Und drittens hat die Vereinigung erkannt, dass an moderner Kommunikationstechnik kein Weg vorbeiführt. Jetzt wird sie auch bei Facebook präsent sein.
Kontakt: Franz-Josef Kleinbauer, Telefon 06588/7311,
E-Mail: info@kammerkonzerte-trier, de, Internet:
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Extra

1. Konzert, 14. Oktober: Marcelo Nisinman, Bandoneon, Friedemann Wuttke, Gitarre, Infinitum Quartett. Werke von Nisinman, Haydn, Mozart und Piazzolla 2. Konzert, 11. November: Trio Enescu. Werke von Enescu, Fauré und Schumann 3. Konzert, 20. Januar: Reinhold Quartett. Werke von Bruckner, Schostakowitsch und d'Albert 4. Konzert, 24. Februar: Trio Messina-Perraud-Kuider. Werke von Fauré, Poulenc, Debussy und Louise Farrenc 5. Konzert, 16. März: Streichtrio Berlin. Werke von Reger, Krenek und Adolf Busch Alle Konzerte finden im Kurfürstlichen Palais Trier statt. Beginn: 20 Uhr mö