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Zwischen Mystik und Brillanz: Organist begeistert mit Reger

Zwischen Mystik und Brillanz: Organist begeistert mit Reger

Die Variationen f-Moll op. 73, die Reger auf dem Höhepunkt seines Orgelschaffens schrieb, sind in Konzerten Rarität. Aus gutem Grund: Reger stellt für Interpreten wie Hörer hohe Hürden auf. Bernhard Buttmann spielte das Werk an der Trierer Domorgel und beeindruckte knapp 200 Zuhörer zur Eröffnung der Orgeltage.

Trier. Was ist das für eine bezwingende Musik! Max Reger hat die fis-Moll-Variationen op. 73 auf dem Höhepunkt seines Orgelmusikschaffens geschrieben - und in unmittelbarer Nachbarschaft zur inhaltsreich-provokanten Violinsonate op. 72 und dem weit ausladenden Streichquartett op. 74. Und wie diese Werke, so haben auch die Variationen ihren ganz individuellen Stil.
Auf Reger folgt Bach


Bernhard Buttmann spielte das fast halbstündige Werk zum Auftakt der Orgeltage im Trierer Dom mit der Überlegenheit des erfahrenen Reger-Interpreten. Die Introduktion, sie hat etwas Tastendes und Vorläufiges. Es ist Musik ohne Eindeutigkeit und darin ganz modern. Und auch in den folgenden 13 Variationen beschwört Buttmann den Kosmos von Regers Personalstil. Da ist sie: diese Spannweite zwischen tiefer, fast mystischer Versenkung und einer Dramatik, die planvoll das Chaotische streift, diese Verbindung von religiöser Inbrunst und diesseitiger Brillanz. Der heiklen Fuge, deren Thema gleichermaßen bizarr und schlüssig wirkt, gibt er trotz kleiner Unschärfen Deutlichkeit und Energie mit. Aber der Organist begegnet Reger auch mit einer gewissen Gradlinigkeit und Strenge. Regers Musik möchte die Hörer und Interpreten hineinziehen in ihre Welt. Vielleicht gehört da zur Interpretation unbedingt ein Stück Distanz.
Reger stand im Mittelpunkt. Aber die beiden übrigen Kompositionen waren nicht nur Beiwerk. Bachs Präludium und Fuge c-Moll (BWV 546) lebte von einer warmen, fülligen, ja romantischen Klanggebung und einem weiten Interpretations-Atem, der auch in der ungleich schwächeren Fuge noch spürbar war. In Mendelssohns f-Moll-Sonate (Nr. 1) gab er der Domorgel einen frühromantisch warmen und schlanken Klang mit, ließ sich ganz ein auf den vokalnahen, den "singenden" Charakter von Mendelssohns Stil. Und im Kopfsatz des Werks brachte er das instrumental erfundene Hauptthema und den Choral ("Was mein Gott will") so zusammen, dass beide zu gegenseitigen Ergänzungen wurden und der Satz seine Einheitlichkeit bewahrte.
Ein eindringliches, ein gehaltvolles Konzert, das knapp 200 Besucher hellauf begeisterte. mö