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Zwischen Party und Panettone

Zwischen Party und Panettone

Einen vergnüglichen Abend hat Jan Weiler, Autor des Bestsellers "Maria, ihm schmeckts nicht", etwa 200 Besuchern in der Tufa Trier bereitet. In der Reihe "Die Humorprofis" las er "Berichte aus dem Christstollen" - lustige Geschichten rund um Weihnachten.

Trier. In der Weihnachtszeit lauern böse Überraschungen auf einen unbefangenen Vater und Ehemann. Er soll als Bastelnull spontan Ersatz für die vom Sohn im Streit zerfetzte St. Martins-Laterne schaffen. Auch drohen ein Auftritt als Nikolaus in der Grundschule, Besuche mit der Familie auf dem Weihnachtsmarkt oder Einladungen zu Advents- und Spielepartys.
Was dabei alles passieren kann, hat Jan Weiler in Geschichten verpackt, mit denen er in der Tufa sichtlich gut gelaunt für über zwei Stunden Kurzweil sorgt. Sie bestechen durch ironische Überzeichnung und Ausschmückung, einen dramaturgischen Aufbau mit überraschenden Wendungen und Pointen, vor allem aber mit Lebensnähe. Jan Weiler ist Alltags chronist. Seit fünf Jahren schreibt der ehemalige Werbetexter und Chef des Magazins der Süddeutschen Zeitung wöchentlich Ereignisse aus seinem näheren Umfeld auf. Seine Weihnachtsgeschichten sind Teil der Reihe "Mein Leben als Mensch", die wöchentlich online und in der Welt am Sonntag erscheinen. In den immer wiederkehrenden und bald vertrauten Protagonisten aus Familie und Nachbarschaft kann jeder sich selbst, seine eigenen Erfahrungen oder so manchen Zeitgenossen wiederfinden. Davon zeugen Gelächter und Zustimmung des Tufa-Publikums, wenn zum Beispiel von der 14-jährigen Tochter als "Pubertier" die Rede ist, oder von der Furcht, vom übereifrigen Schulelternbeirat wieder zu sieben Stunden Punsch-Ausschank verdonnert zu werden.
Bestens bedient Weiler auch das Bedürfnis, sich über eigene oder fremde Eigenheiten zu amüsieren. Damit zünden vor allem Geschichten um seinen italienischen Schwiegervater Antonio, dem Helden aus "Maria, ihm schmeckts nicht" und "Antonio im Wunderland". Da gibt es alle Jahre wieder Panettone, den italienischen Kuchen mit einer Konsistenz wie Baumschaum, da landet der ständig um seine Männlichkeit besorgte Toni per Weihnachtsgutschein bei einer Kosmetikerin, verliert seine Skepsis aber, als sie sich auf ein Gesangsduett mit ihm einlässt. Und zum Schluss will der Schwiegervater auch noch italienisches Brauchtum nach Deutschland bringen, verkleidet sich als Hexe Befania - und scheitert grandios. Weilers Kinder kommentieren das mit "Warum sieht der Opa so bescheuert aus?", und die Sternsinger flüchten auf Nimmerwiedersehen. Spätestens hier fließen die Lachtränen. ae