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Zwischen Rückschau und Provokation

Zwischen Rückschau und Provokation

Zufall? Drei der vier Kompositionen im vierten Konzert der Kammermusikalischen Vereinigung Trier waren Alterswerke. Aber das Trio Messina-Perraud-Kouider verließ sich nicht auf Abgesang-Wehmut, sondern gab den Kompositionen ihren ganz eigenen Tonfall mit. Zudem fand ein Workshop der Gast-Interpreten mit jungen Musikern statt.

Trier. Ein verhaltener, ein melancholischer Einstieg. Das Trio Messina-Perraud-Kouider spielt die großen Linien in Gabriel Faurés Klaviertrio weiträumig und mit ausladender Geste aus. Es ist eine Musik, die von der Melodie lebt und der alles andere unterordnet. Und in der Besetzung mit Klarinette (statt Violine) nähert sich das Werk den großen Abgesängen der Musikgeschichte - den Klarinettenquintetten von Mozart, Brahms und Reger.
Ist es Zufall? Drei der vier Kompositionen im vierten Konzert der Kammermusikalischen Vereinigung Trier sind Alterswerke. Und in jedem setzten die Komponisten andere Schwerpunkte - und die Interpreten ebenfalls. Nicht Altersblässe klang bei Fauré mit, sondern eine gelassene Sonorität. Und in den zahlreichen Unisono-Abschnitten zaubern Patrick Messina und Raphael Perraud eine unnachahmliche, gleichermaßen spröde und lyrische Klangfarbenmischung.
Spätwerke sind Resümees. Aber oft fügen sie sich nicht dem Klischee von der Altersweisheit. Anders als das Fauré-Trio ist Debussys Cellosonate eine Komposition für die Zukunft. Da ließen Pianistin Paloma Kouider und vor allem Cellist Perraud in seiner teuflisch schwierigen Partie die Klangfarben leuchten, schärfte die Kontraste - eine expressionistisch schroffe Vielfalt von Klang und Ausdruck. Und bei Poulencs Klarinettensonate kultivierten Kouider und der überragende Klarinettist Perraud jenen charakteristisch provokanten Tonfall Poulencs, in dem sich Brillanz und Ironie begegnen.
Louise Farrencs beethoven-nahes Trio op. 44 gehört gewiss nicht zu den großen Werken der Gattung. Aber Messina, Perraud und Kouider verstanden es, die Komposition von ihren Schablonen zu lösen - nicht nur durch reine Brillanz, sondern durch ihr organisches, atmendes, ausschwingendes Musizieren. Da wurde ein epigonales Konstrukt zu einem Stück blutvoller Musik.
Erneut verband die Kammermusikalische Vereinigung ein Konzert mit einem Workshop. Eine Stunde lang erarbeiteten Annalena Guckeisen (Klavier), Jakob Leonardy (Klarinette) und Nora Sobbe (Violoncello) mit dem Gast-Trio den Kopfsatz aus einem Trio des Spätromantikers John Ireland und präsentierten anschließend das Resultat den knapp 200 Besuchern im Palais-Festsaal. Erfolgreich: "Ich hätte nicht gedacht, was in einer Stunde erreicht werden kann", sagte Mentor Ulrich Krupp. mö