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Zwischen virtueller und realer Welt

Zwischen virtueller und realer Welt

Dass eine innovative Form des Theatermachens ausgerechnet von Trier aus die Bühnen erobert, ist eine echte Überraschung. Der FH-Design-Professor Johannes Conen und die Schauspielerin Martina Roth sind dabei, mit ihrem "Bewegtbild-Theater" Maßstäbe zu setzen. Nächste Woche stellen sie ihre neue Produktion "Antigone.Stimmen" am Grand Théâtre Luxemburg vor.

Trier/Luxemburg. Es gibt sicher malerischere Orte für ein Atelier als das nüchterne Güterverkehrszentrum in Trier-Ehrang. Aber wer sich erst einmal in das Studio von Johannes Conen durchgeschlagen hat, taucht binnen Sekunden ein in eine Welt, die auf merkwürdige Weise Kunst und HighTech verbindet. Ein "klassisches" Bühnenbild in Form einer Stein-Landschaft, große Projektionsflächen, eine Steuerungseinheit mit so vielen Computer-Bildschirmen, dass sie noch einen ganzen Nebenraum füllen.

Welchen Fang die Trierer mit Conens Berufung zum "Professor für Design in den digitalen Medien" an der FH vor sieben Jahren gemacht haben, ahnt kaum jemand in der Stadt. Schauspieler an Theatern wie dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, Regisseur und vor allem innovativer Bühnenbildner und Lichtdesigner an großen Häusern von der Wiener Staatsoper bis zur Deutschen Oper Berlin, Ausstatter bei den legendären Stockhausen-Lichtzyklus-Uraufführungen in Leipzig: eine große, spannende Theater-Biographie, die der 65-jährige Holländer nicht an die große Glocke hängt.

"Ein bisschen wie ein Trip" ist das Spiel mit sich selbst



Mit Conen kam Martina Roth nach Trier. Schauspielerin mit Engagements in ganz Deutschland, Sängerin, Tänzerin, Akrobatin - ein Multitalent wie ihr Lebensgefährte. Und für die Art des Theaters, die beide entwickelt haben, braucht es auch ein ganzes Bündel von Talenten. Was Roth und Conen "Bewegtbild-Theater" nennen, ist jemandem, der es nicht sieht, gar nicht so leicht zu erklären. In einem sehr komplizierten und langwierigen Prozess nehmen sie - jeweils mit Roth als Darstellerin - verschiedene Facetten der Handlung auf und blenden die dabei entstehenden Projektionen übereinander. Wie bei einer Studio-Musikaufnahme, bei der jeder Musiker seinen Part nacheinander allein einspielt, entsteht das Produkt erst Schicht für Schicht. Bei der Aufführung spielt Martina Roth dann live mit ihren "alter egos". Und die wiederum sind so aufgenommen, dass sie auch untereinander agieren.

"Ein bisschen wie ein Trip" sei das Spiel mit sich selbst, erzählt die 48-Jährige. Das Prozedere ermöglicht faszinierende Effekte, vor allem weil sich dank Conens ausgetüftelter Technik und Roths Schauspielkunst ein täuschend echtes und doch extrem künstliches Bild ergibt. Und das Vexierspiel schafft neue Möglichkeiten, wenn es um die Darstellung komplexer oder gespaltener Persönlichkeiten geht. Für das Publikum hat das Ganze auch etwas von Zauberei. "Wir arbeiten mit der Langsamkeit der Wahrnehmung des Zuschauers", sagt Johannes Conen und demonstriert an den dreidimensionalen Projektionen auf seinem Bildschirm die Finessen seiner virtuellen Bilderwelt. In Luxemburg hat man das Potenzial des Bewegtbild-Theaters erkannt und bereits zwei Produktionen herausgebracht. Die neueste heißt "Antigone.Stimmen" und feiert am 12. Mai im Grand Théâtre Premiere. Sie wird live begleitet von Improvisationen des Cellisten André Mergenthaler und untermalt von Aufnahmen mit außergewöhnlicher Chormusik der schwedischen Komponistin Karin Rehnqvist. Seit zwei Jahren arbeitet Martina Roth an der Fassung, die Sophokles-Texte mit der Lyrik von Nelly Sachs verbindet.

Im Juni 2008 hat das Künstler-Paar mit den Aufnahmen begonnen. Ein gigantischer Aufwand bei minimalen finanziellen Einnahme-Erwartungen. Das lässt sich nur stemmen, wenn man große Lust darauf hat, neues künstlerisches Terrain auszuloten.

Und einen Vertrauensvorschuss vom Luxemburger Intendanten Frank Feitler. Vom Grand Théâtre aus soll das Bewegtbildtheater mit seiner Kombination von virtuellen und realen Welten weitere Bühnen in Deutschland und der Schweiz erobern. Erste Gastspiele sind schon geplant.

Uraufführung am 12. Mai um 20 Uhr. Karten in den TV-Servicecentern Trier, Bitburg und Wittlich. Infos: www.theatres.lu oder www.roth-martina.de