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Kurioses Jobangebot: Freie Wähler suchen Kandidaten

Politik : Kurioses Jobangebot: Freie Wähler suchen Kandidaten

Kurzfristig Lust auf einen Sitz im Mainzer Landtag? Kein Problem: Der Bewerber muss nur seinen Wahlkreis gewinnen.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben sich die rheinland-pfälzischen Freien Wähler auf die Suche nach Landtagskandidaten gemacht. Unter der Überschrift „Wir suchen dich“ und neben dem Konterfei von Freien-Landeschef Stephan Wefelscheid werden übers Internet weibliche, männliche oder diverse Bewerber gesucht, die „offen für eine echte Herausforderung“, „absolut belastbar“ und auch „intelligent und gerecht“ sind.

Wer sich davon angesprochen fühlt, kann sich unter einer Mailadresse bei den Freien melden, um gemeinsam mit anderen „den Aufbruch in eine sichere und erfolgreiche Zukunft einzuleiten“. Was in dem Aufruf nicht erwähnt wird: Der Job ist nicht schlecht dotiert. Derzeit bekommt ein rheinland-pfälzischer Abgeordneter rund 7000 Euro Diät plus eine Kostenpauschale von 1280 Euro. Daneben gibt’s noch Tagesgeld und eine Fahrkostenpauschale. Mit anderen Worten: Es gibt schlechter bezahlte Jobs.

Dafür muss ein Parlamentarier aber natürlich auch ziemlich viel ackern und sich rund um die Uhr für seine Wähler einsetzen. Das ist auch nicht gerade jedermanns Sache. Ach so: Und man, frau, divers muss natürlich zunächst einmal gewählt werden. Als Direktkandidat nicht gerade eine einfache Angelegenheit. Erst recht nicht, wenn man etwa  im Wahlkreis Trier gegen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) antreten muss. Das wollte für die Freien Wähler eigentlich der Sänger Thomas Kiessling erledigen. Doch der 58-Jährige machte kürzlich überraschend einen Rückzieher.

Im Wahlkreis Trier-Schweich suchen die Freien einen Nachfolger für den vor zwei Wochen überraschend gestorbenen Direktkandidaten Ralf Karst (54).

Bislang hat sich auf den Aufruf nach Angaben von Freien-Sprecher Detlef Müller-Greis noch kein potenzieller Kandidat gemeldet. Bewerber würden vom Landesvorstand geprüft und dann der Mitgliederversammlung vorgestellt, erläuterte er das weitere Prozedere.

Mit einer ähnlichen Aktion machte übrigens vor vier Jahren der SPD-Kreisverband Bitburg-Prüm bundesweit Schlagzeilen. Die Genossen suchten seinerzeit per Stellenanzeige einen Bundestagskandidaten. 118 Bewerber meldeten sich, elf wurden zum Vorstellungsgespräch geladen, zwei schafften es schließlich ins Finale. Am Ende machte ein 32-jährige Maschinenbauingenieur aus Aachen das Rennen. Der Quereinsteiger sagte damals, dass er sich nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr entschieden habe, seine „Fühler in Richtung Politik auszustecken“.  Das reichte bei der Wahl gegen CDU-Lokalmatador Patrick Schnieder immerhin zu einem Achtungserfolg von knapp 26 Prozent der Erststimmen. Seitdem hat man politisch von dem guten Mann allerdings nichts mehr gehört.

Ein Schicksal, das auch den noch zu findenden Freien-Landtagskandidaten drohen könnte.