1. Region

Lachen auch ohne Original

Lachen auch ohne Original

Sie haben ihn vermisst, die Zuschauer des „Theater-Stadls“. Zum ersten Mal gastierte die beliebte Schauspieltruppe ohne ihren Gründer Peter Steiner in Trier. Doch die 600 Gäste in der Europahalle erfreuten sich dennoch am Schwank „Wo die Liebe hinfällt“, den der Trierische Volksfreund präsentierte.

(mehi) Er fehlt. Statt Peter Steiner begrüßt seine Tochter Gerda die 600 Zuschauer des „Theater-Stadls“ in der Trierer Europahalle. Für viele ist es nicht das Gleiche. „Seine Ansage hatte das gewisse Etwas“, findet Ilse Druckenmüller aus Schweich. Wenigstens das Motto bleibt Programm: „Lachen macht das Leben schön.“ Und sie lachen ausgiebig, die rund 600 Zuschauer in der Europahalle in Trier.

Denn da ist Gerda, die die Stanglhof-Bäuerin Anna mimt; bissig, aber mit beiden Beinen auf dem Boden. Anders ihre Nichte Kathi (Heike Augsberger), die ganz hoch hinaus will. Für sie muss es schon blaues Blut sein. Das rote von Knecht Karl (betont linkisch und kindisch: Jörn Hinrichs), der in sie verliebt ist, will sie nicht. Sie ist scharf auf den Baron von Breitenau (Gilbert von Sohlern), „weil er vornehm ist und sehr reich“. Vor allem letzteres hat es ihr angetan.

Als ihr Angebeteter auftaucht, steht Ärger ins Haus. Denn Karl wird grantig und auch der Bäuerin gefällt „der lackierte Affe“ nicht. Doch „Fräulein Kathrin“ schwebt nur kurz im siebten Himmel, dann fliegt der Baron als heiratsschwindelnder Gelegenheitsarbeiter auf. Und Kathi hat – im wahrsten Sinne des Wortes – Lehrgeld gezahlt: einige hundert Euro. Und sie hat Karl verprellt, der nach Amerika auswandern will. Dazu braucht er Geld, und das will er sich mit einer vorgetäuschten Heirat von seiner Tante Eusebia erschwindeln. Die rückt an und will die vermeintliche Braut sehen. Nach einigen Wirren liegen sie sich endlich in den Armen: Kathi und Karl.

Eigentlich sollte „Wo die Liebe hinfällt“ nur ein Ersatzstück sein, falls ein Schauspieler ausfällt. Dass es so schnell zum Einsatz kommt, war nicht geplant. Doch als Peter Steiner am 22. Dezember 2008 starb, wollte die Gruppe direkt wieder auf die Bühne – und legte am 2. Januar mit dem aktuellen Stück los. Kurzerhand wurde aus Eusebius (Originaltitel: „Eusebius räumt auf“) die rigorose Tante Eusebia – passend besetzt mit Erna Waßmer, die an diesem Abend den größten Applaus und die lautesten Lacher erntet. Sie habe mit Steiner ihren Gegenpart verloren, sagt Tourneeleiter Horst Schweicker. Dessen bärbeißige Rolle, unerlässlich für die bajuwarischen Possen des Ensembles, bleibt unbesetzt. Denn: „Steiner ist nicht ersetzbar.“

Das sieht das Publikum genauso: „Steiner war schon uriger – ein Original“, betont Ilse Druckenmüller, auch wenn das Stück spritzig gewesen sei. Die 56-Jährige hat Steiner schon fünf Mal live gesehen. Auch Matthias Klein (51) aus Großkampenberg vermisst Steiner: „Man meint, er müsste noch mitspielen.“ Und Ursula Theisen (69) aus Hermeskeil ist sich sicher: „Der hat gefehlt.“