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Landesärztechef fordert: Macht Geschäfte und Schulen zu

Pandemie : Landesärztechef fordert: Macht Geschäfte und Schulen zu

Ein erneuter harter Lockdown wird immer wahrscheinlicher. Der Chef der Landesärztekammer fordert, Schulen, Kitas und Geschäfte so schnell wie möglich zu schließen. Handel und Unternehmer in der Region warnen davor.

„Wir brauchen den harten Lockdown. Je eher, desto besser“, sagt Landesärztekammer-Chef Günther Matheis volksfreund.de. Matheis spricht sich dafür aus, Schulen, Kitas und Geschäfte in Rheinland-Pfalz so schnell wie möglich zu schließen - genauso wie Sachsen, das den Lockdown ab dem kommenden Montag verhängt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Morgen im Bundestag eine Verschärfung des seit November dauernden Teil-Lockdowns noch vor Weihnachten verlangt. Unter anderem sollten die Weihnachtsferien bereits am 16. Dezember beginnen.

Matheis regte auch an, die Weihnachtsferien über den 3. Januar hinaus zu verlängern. „Wir müssen aufpassen, dass die Intensivstationen nicht überlaufen und wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Irgendwann fehlt es nicht alleine an Betten in Kliniken, sondern vor allem an Personal, das Menschen betreuen kann, die an Corona erkrankt sind oder aus anderen Gründen im Krankenhaus liegen.“

Dunkelrote Hotspots in Rheinland-Pfalz wie im Rhein-Pfalz-Kreis, Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer mit vollen Kliniken beunruhigten ihn zutiefst, sagte der Landesärztekammer-Chef. „Jetzt geht es darum, die Kliniken zu entlasten und die Lage zu beruhigen, ehe wir Anfang 2021 mit den Impfungen starten können“, sagt Matheis. Er warnt: Komme der Schnitt nicht jetzt, drohten größere wirtschaftliche Probleme als durch einen harten, kurzen Lockdown. „Ich gehe davon aus, dass noch weitere Bundesländer dem Vorbild von Sachsen folgen werden“, so der Ärztekammer-Chef von Rheinland-Pfalz.

„Ein erneuter Total-Lockdown hätte für viele Händler und Dienstleister fatale Folgen“, warnt Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier. Der Handel leide schon seit November erheblich unter der Schließung der Gastronomie. „Uns allen muss klar sein, dass eine Schließung der Ladengeschäfte nur die allerletzte Möglichkeit sein und keinesfalls noch dieses Jahr erfolgen darf, wenn wir Insolvenzen im kommenden Jahr verhindern wollen.“ Es sei klar, dass der Handel ebenso wenig Treiber der Pandemie ist, wie die Gastronomie. „Wenn die Ladengeschäfte geschlossen werden sollten, muss daher auch eine vergleichbare Entschädigung wie bei der Gastronomie erfolgen. Die durch eine Komplettschließung resultierenden wirtschaftlichen Folgen wären allerdings so hoch, dass sie durch die aktuelle November- und Dezemberhilfe nicht ansatzweise aufgefangen werden können. Hier müsste dann eine erhebliche Nachbesserung erfolgen“, fordert Glockauer.

Staatliche Hilfen für den Fall, dass ein Großteil der Geschäfte erneut schließen müssten, fordert auch der Handelsverband Rheinland-Pfalz. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sei neben der Woche vor Heiligabend die umsatzstärkste Zeit des Weihnachtsgeschäfts, sagte Handelsverbandsvorsitzender Thomas Scherer: „Viele Unternehmen erzielen im Weihnachtsgeschäft bis zu 30 Prozent ihres Jahresumsatzes. Ein Ausfall dieses wichtigen Umsatzzeitraums würde viele Unternehmen ihre Existenz kosten.“ Sollten dennoch Ladenschließungen angeordnet werden, so sollten diese frühestens nach dem 30.12.2020, für einen vorab klar definierten, überschaubaren Zeitraum erfolgen, so Scherer.