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Lebensgefährliche Infektion in Pflegeheim in Hillesheim

Aus dem Archiv : Lebensgefährliche Infektion in Pflegeheim

Seit Montag ist im Seniorenheim "Katharinenstift" in Hillesheim eine lebensbedrohliche Keimerkrankung ausgebrochen. Wie der Trierische Volksfreund exklusiv erfuhr, werden elf Bewohner intensiv-medizinisch in Krankenhäusern behandelt. Eine Bewohnerin ist bereits verstorben. In der Nacht zum Mittwoch gab es keine neuen Fälle.

(vog/wie) Ausnahmezustand im Seniorenheim "Katharinenstift" in Hillesheim (Landkreis Vulkaneifel): Mehrere Krankenwagen fahren das Haus immer wieder an, ein Notarzt fliegt mit dem Helikopter ein, die Sanitäter sind mit Schutzkleidung vermummt. In der Pflegeeinrichtung mit 134 Betten ist eine noch unbekannte, aber sehr gefährliche Erkrankung ausgebrochen. "Alles spricht für einen Keim, aber die Frage nach der Ursache kann noch nicht beantwortet werden. Momentan ist es wie ein Schrotschuss in die Dunkelheit", meint Dr. Volker Schneiders, Leiter des Dauner Kreisgesundheitsamtes, heute Mittag.

Die elf erkrankten Bewohner (zehn im Alter zwischen 81 und 94 Jahren sowie eine 51-Jährige) leiden unter Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Atemnot. "Nach einem klassischen Noro-Virus sieht es nicht aus. Es ist ja auch niemand vom Personal betroffen", sagt Schneiders. Auch eine Salmonellen-Infektion etwa durch verunreinigte Lebensmittel wird ausgeschlossen, weil nur Bewohner eines bestimmten Traktes und auch keine Pfleger betroffen sind. Fachleute halten eine Infektion mit dem Adeno-Virus für möglich. Eine gefährliche Abart des Virus wurde kürzlich in den USA entdeckt. Betroffene litten an Atemnot und Magenproblemen.

Weil die Atemnot den älteren, geschwächten und gesundheitlich angeschlagenen Betroffenen extrem zusetzt, sieht der Amtsarzt sie alle in einer "kritischen, auch lebensbedrohlichen Situation". Da die infizierten Bewohner auf intensiv-medizinische Versorgung angewiesen sind und die Kapazität ein Krankenhaus alleine nicht aufweist, wurden sie in die Krankenhäuser nach Gerolstein, Daun, Prüm und Wittlich gebracht. Schneiders lobt: "Die Häuser waren sehr kooperativ. Bei den zweien im Landkreis Vulkaneifel wurden sogar deshalb die OP-Pläne geändert."

Die infizierten Bewohner liegen intensiv-medizinisch versorgt auf Isolationszimmern. Auch der betroffene Wohnbereich wurde unter Quarantäne gestellt. Gäste werden momentan im Katharinenstift gebeten, auf den Besuch zu verzichten. Dr. Schneiders: "Obwohl es keinen konkreten Anlass gibt, untersuchen wir gemeinsam mit dem Veterinäramt die Küche und das Wasser." Auf alle Wasserhähne wurden Sterilfilter geschraubt und vorsorglich wurde die Temperatur der Wasseraufbereitung erhöht, um mögliche Keime abzutöten. Schneiders: "Die Desinfektions- und Hygienemaßnahme wurden bis zur Decke hoch gefahren." Will heißen: Das Personal muss Schutzkleidung (Kappe, Kittel, Handschuhe, Mundschutz) tragen. Heimleiter Michael Förster: "Wir haben alles umgestellt. Es gibt aktuell nur Einzelbetreuung. Gruppenangebote wurden aufgehoben."

Der Heimleitung attestiert der Amtsarzt umsichtiges Handeln. Schon nach dem zweiten Fall sei das Gesundheitsamt eingeschaltet worden. Dr. Schneiders hat alle übergeordneten Behörden bis hin zum Ministerium und Epidemiologen eingeschaltet. Drei Speziallabors arbeiten mit Hochdruck an den zig eingereichten Proben.

Auch Experten des Landesuntersuchungsamtes (Lua) in Koblenz sind eingeschaltet worden. Man versuche anhand der zeitlichen Abfolge und der Symptome eine mögliche Ursache einzukreisen, sagte Lua-Sprecherin Kerstin Stiefel. Auch die Nahrungsmittel, die in den vergangenen Tagen im Heim gegessen wurden, prüfe man. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium wurde über die Lage in dem Pflegeheim informiert. Man werde ständig auf dem Laufenden gehalten, sagte Ministeriumssprecherin Stephanie Burlage.

Ein tropischer Erreger, den Besucher nach einem Urlaub hätten eingeschleppt haben können, schließt der Dauner Amtsarzt aus. Ob weitere Bewohner sich angesteckt haben, sei nicht auszuschließen. Dr. Schneiders: "Überraschend war es in der Nacht ruhig. Das lässt auf eine Inkubationszeit schließen." Allerdings warnt er vor Panikmache. Er sagt: "Eine Saugglocke können wir nicht übers Haus hängen."