Lehrerverband fordert schlechtere Noten bei zu vielen Schreibfehlern

Kostenpflichtiger Inhalt: Beginn des neuen Schuljahres : Lehrerverband fordert schlechtere Noten bei zu vielen Schreibfehlern

Experten beklagen eine immer schwächere Rechtschreibung deutscher Schüler, was Arbeitgeber abschrecke. Schon in Grundschulen mache das Land grobe Fehler.

Fast 4500 Erstklässler starten heute in der Region Trier ins Schulleben, lernen Rechnen und Schreiben. Doch viele Lehrer läuten bereits die Alarmglocke. Cornelia Schwartz, Landeschefin des Philologenverbands, warnt, dass immer weniger Schüler in Rheinland-Pfalz richtige Rechtschreibung und Zeichensetzung beherrschen. „Das zieht sich bis in die Gymnasien durch. Die meisten Arbeitgeber achten darauf, ob Bewerber richtig schreiben können. Fehler untergraben die Glaubwürdigkeit und mindern die Chancen im Berufsleben“, sagt Schwartz.

Der Bundesverband der Philologen fordert strengere Notenabzüge, wenn Arbeiten vor Rechtschreibfehlern nur so wimmeln.

Wo von der achten bis zur zehnten Klasse bei schwerwiegenden Verstößen eine ganze Note abgezogen werden dürfe, sei dies ab der 11. Klasse und auch bei Abiturarbeiten nicht der Fall und damit zu lasch, kritisiert die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing in einem Interview mit unserer Zeitung. „Wenn gesellschaftlich und bildungspolitisch signalisiert wird, dass richtige Rechtschreibung egal ist, ist das völlig falsch“, sagt Lin-Klitzing, die vor allem die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig verteidigt die Verfahren, die sich „in der Praxis bewährt haben“. Die Opposition im Mainzer Landtag greift die SPD-Politikerin wiederum hart an, wenn es um das richtige Schreiben von Schülern geht. AfD-Fraktionsvize Joachim Paul fordert für alle Schulformen, zu viele Rechtschreibfehler mit Notenabzug zu bestrafen, wo Schüler Leistungsnachweise erbringen. Das Schreiben nach Gehör, das viele Grundschulen als Methode nutzten und wo Fehler der Kinder anfangs nicht verbessert würden, sei „pseudo-pädagogischer Hokuspokus“. Paul verlangt auch, Einschulungen zurückzustellen, wenn es Kindern an Sprachkenntnissen mangele.

Anke Beilstein, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, sieht in schlechteren Benotungen keine Lösung des Problems. Sie sagt: „In unseren Grundschulen muss die Vermittlung des Grundgerüsts der deutschen Sprache an erster Stelle stehen. Es muss Schluss sein mit experimentellen Methoden, die den Erwerb der Rechtschreibung gefährden.“ 2016 kam bei der IQB-Bildungsstudie heraus, dass 23,4 Prozent der rheinland-pfälzischen Viertklässler den Mindeststandard bei Rechtschreibung nicht erreichen. Das Ministerium in Mainz verweist darauf, dass keine Grundschule ausschließlich das Schreiben nach Gehör unterrichte. Kinder ohne Deutschkenntnisse nicht zur Grundschule zuzulassen, lehnt Hubig als „Fernhaltepolitik“ ab.

Landesweit strömen heute rund 36 000 i-Dötzchen erstmals in die Schule. Um sie gegen die Gefahren des Straßenverkehrs zu wappnen, rät die Polizei den Eltern, den Weg zur Schule mit ihren Kindern zu üben. Autofahrer sollten langsam fahren, wenn sie Kinder am Straßenrand sehen, um Unfälle zu vermeiden.

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