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Lesung mit Autorin Martina Straten in Reinsfeld

Autorenlesung : Blutrünstige Unterhaltung aus Reinsfeld

Martina Straten stellte ihren neuen Thriller „Blutmariechen“ bei einer Lesung im idyllischen Pfarrgarten vor. Die Formation Chorschatten sang dazu.

Ein Mann, der Tänzerinnen tötet. So einfach, so gruselig. Das ist der sehr rote Faden, der sich durch den jüngsten Thriller „Blutmariechen“ der Reinsfelder Autorin Martina Straten zieht.

Goldene Strahlen schickt die Abendsonne in den Reinsfelder Pfarrgarten, als sie auf einem kleinen Podest vor rund 50 Zuhörern Platz nimmt. „Es geht um einen Mann, der Tänzerinnen umbringt, ein Psychopath mit schwieriger Kindheit“, erklärt sie ihrem Publikum. Das Problem: Simon Berger musste lange Jahre seiner Kindheit in einer Kommune beim indischen Guru Bhagwan verbringen. Tänze im Drogenrausch, an denen auch seine Mutter teilnahm, wurden für ihn zum Hass­erlebnis. Ob Garde­mädchen, Bauch­tänzerin, Prima Ballerina oder Disco­gängerin, alle erinnern ihn an diese schweren Jahre. Der biedere Steuerberater stellt ihnen nach und wird zum Mörder. Mehr will die Autorin nicht verraten. Es soll ja spannend bleiben. „Ich hab’s gern spannend“, sagt sie. Aber immer kommt in ihren Büchern auch eine Liebesgeschichte vor.

 Autorin Martina Straten liebt es, in die Abgründe menschlichen Verhaltens hinab­zusteigen. Sie vermied es jedoch bei ihrer Lesung, die gruseligsten Stellen vorzutragen.
Autorin Martina Straten liebt es, in die Abgründe menschlichen Verhaltens hinab­zusteigen. Sie vermied es jedoch bei ihrer Lesung, die gruseligsten Stellen vorzutragen. Foto: Herbert Thormeyer

Ein Anliegen in diesem Buch: Geht vorsichtig und fürsorglich mit Kinder­seelen um, vernachlässigt sie nicht, damit sie nicht krank werden.

 Sorgfältige Recherche ist Martina Straten wichtig, denn alles soll ja auch so funktionieren können, wie sie es beschreibt. Dass die fiktiven Taten leider auch reale Vorbilder haben, darauf stößt sie immer wieder. Und die jeweilige Geschichte bewegt sie selbst: „Beim Schreiben muss ich manchmal weinen.“ Aber nur dann ist die Geschichte wirklich gut, findet sie.

 Martina Straten vermied es bei der Lesung, die gruseligsten Textstellen vorzutragen.
Martina Straten vermied es bei der Lesung, die gruseligsten Textstellen vorzutragen. Foto: Herbert Thormeyer

Zur vollen Stunde schlägt die Turm­uhr der Pfarrkirche. Die Autorin ist gerade an einer Stelle angelangt, als ein Mord beschrieben wird. Wenn jetzt die Formation Chorschatten „Hell’s Bells“ von AC/DC angestimmt hätte, niemanden hätte es gewundert. Für die Leiterin Andrea Stüber und ihre 14 Sängerinnen und Sänger war es das erste kleine Konzert in diesem Jahr nach langen Corona-­Monaten. Erst seit Juni dürfen sie wieder zusammen proben. Zwischen dem Lesen gab es unter anderem „Time after Time“ von Cyndi Lauper, „Don’t you“ von den Simple Minds und „Fix You“ von Coldplay zu hören.

Die knapp 500 Euro aus dem Eintritt und dem Getränkeverkauf fließen auf das Konto des Fördervereins der Grundschule Reinsfeld. Die Vorsitzende, Kerstin Mendryscha, plant für die 82 Schülerinnen und Schüler Angebote, die die Fantasie und Kreativität der Kinder anregen: „Wir inszenieren vielleicht mit professionellen Schauspielern eine Oper für Kinder, einschließlich Bühnenbild.“ Vielleicht werden es aber auch Umwelt­projekte. Auf jeden Fall soll es Spaß machen und nachhaltig wirken. „In der Coronazeit“, sagt die Vorsitzende, „haben die Kinder ja auf so viel verzichten müssen.“

Das Buch ist über die ISBN 978-3-9822250-1-2 im Buchhandel erhältlich. „Blutmariechen“ hat 331 Seiten und kostet 14,99 Euro.

Am kommenden Sonntag, 12. September, singt Chorschatten um 17 Uhr
im Trierer Queer­garten. Infos unter www.chorschatten.de