Luxemburg macht den Nahverkehr kostenlos

Verkehrsprobleme : Jetzt schon sehr billig, bald völlig kostenlos

Was steckt hinter den Nahverkehrs-Plänen Luxemburgs? Sind sie ein Schritt zur Mobilitätswende oder doch nur ein PR-Gag? Jahr für Jahr steigt die Zahl der Autos. Damit wachsen auch die Probleme.

Wer mit dem Zug vom luxemburgischen Grenzort Wasserbillig in die Hauptstadt des Nachbarlandes fährt, der bezahlt zwei Euro. Zum Vergleich: Für die etwa gleich lange Strecke von Bitburg nach Trier sind für ein Busticket 8,60 Euro fällig. Bereits jetzt ist der Nahverkehr in Luxemburg extrem günstig. Ein Monatsticket kostet 50, ein Jahresabonnement maximal 440 Euro. In der Region Trier müssen etwa für die Strecke Bitburg-Trier monatlich 194 Euro bezahlt werden. Jugendliche unter 20 Jahren und Studenten fahren im Nachbarland bereits jetzt kostenlos.

Der Grund für die niedrigen Preise im Großherzogtum: Der Nahverkehr wird dort zu fast 90 Prozent vom Staat subventioniert. So lässt sich auch erklären, dass das Vorhaben der neuen luxemburgischen Regierung, Busse und Bahnen ab 2020 kostenlos zu machen, in Luxemburg selbst gar nicht für so großen Wirbel sorgt wie außerhalb des Landes. Weltweit wird derzeit über die Pläne berichtet. Dabei hat Premierminister Xavier Bettel am Dienstag bei seiner Regierungserklärung selbst gesagt, was dahintersteckt: „Das steht uns einfach gut zu Gesicht und trägt enorm zum Image und zur Attraktivität Luxemburgs bei.“

Im Grunde genommen also ein PR-Gag. Das sieht auch der Luxemburger Stadtforscher Markus Hesse so. Er spricht von einer „postpolitischen Pille, die vorgibt, Gutes zu tun“ und leicht an den Rest der Welt verkauft werden soll. Während aber die tatsächlichen Verkehrsprobleme ungelöst blieben. Der Zustand des Nahverkehrs in Luxemburg, so Hesse, sei das Ergebnis von drei Jahrzehnten Ignoranz und Nicht-Tun. Hinzu komme eine Sucht nach dem Auto.

In der Tat ist Luxemburg ein Auto-Land. Im vergangenen Jahr waren (bei einer Bevölkerung von rund 600 000) insgesamt 391 000 PKW zugelassen, 23 Prozent davon waren höchstens zwei Jahre und weitere 28 Prozent zwischen drei und fünf Jahren alt. Daher erscheint es folgerichtig, dass die mitregierenden Grünen in Luxemburg die Autofahrer etwas stärker zur Kasse bitten wollen. Ab kommendem Jahr soll die Mineralölsteuer erhöht werden, Sprit könnte damit um ein bis drei Cent pro Liter teurer werden. Damit soll der Tanktourismus eingedämmt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die vergleichsweise harmlose Verteuerung des Kraftstoffes den erwünschten Effekt hat und weniger getankt und das Auto öfter stehen gelassen wird.

Ob das den Autoverkehr in  Luxemburg bremst? Tanken soll ab 2019 moderat teurer werden. Foto: Peter Kneffel

In der Region Trier jedenfalls beobachtet man das Luxemburger Experiment mit Interesse. Sobald das Vorhaben konkret wird, wollen die Verantwortlichen des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT) sich mit den luxemburgischen Kollegen zusammensetzen, um über die Auswirkungen für die grenzüberschreitenden Tarife zu sprechen. Um den Nahverkehr in der Region kostenlos zu machen, sagt VRT-Chefin Barbara Schwarz, bedürfe es einer Gegenfinanzierung der wegfallenden Einnahmen. Dafür wäre dann das Land zuständig. Dort regieren, wie in Luxemburg, die Grünen mit. „Perspektivisch“, sagt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Jutta Blatzheim-Roegler, „soll Mobilität für jeden bezahlbar und auch kostenfrei werden.“ Dafür müsse es aber erst einmal ein ausreichendes Angebot an Bussen, Straßenbahnen und Zügen geben. „Für Menschen mit geringem Einkommen setzen wir uns daher zunächst für ein Sozialticket ein, denn Mobilität gehört zur Daseinsvorsorge“, sagt die Grünen-Politikerin.

Wie schwierig es letztlich ist, Nahverkehr kostenlos zu machen, das hat die Bundesregierung Anfang des Jahres erlebt. Im Zuge der Dieselkrise wurde kurzzeitig vorgeschlagen, in einigen Städten wie etwa Bonn Busse kostenlos fahren zu lassen. Doch es blieb beim unausgegorenen Vorschlag, weil die Bundesregierung die Antwort auf die Kostenfrage letztlich unbeantwortet ließ. In Luxemburg stellt sich die Frage ohnehin nicht wegen des bereits jetzt hoch subventionierten Nahverkehrs. Außerdem, so Stadtforscher Hesse, sei es aufgrund der Struktur des Landes vergleichsweise einfach, Busse und Bahnen kostenlos zu machen. Zwar sei das Großherzogtum ein Land, aber von seiner Größe eher ein Stadtstaat.