1200 Besucher bei TEDx -Gesprächen in der Philharmonie Luxemburg

Entdecken, erklären, begeistern : Gehirn-Jogging: 1200 Besucher bei TEDx -Gesprächen in Luxemburg (Video)

12 Sprecher, 18 Minuten, 12 inspirierende Ideen, die das Hirn zum Tanzen bringen - Für dieses ungewöhnliche Konzept sind am Wochenende 1200 Besucher in die ausverkaufte Philharmonie in Luxemburg gekommen. Dabei wurde gelacht, gestaunt und sogar vor Rührung geweint.

„Wenn du der Schlauste im Zimmer bist, dann wechsle den Raum. Denn dort gibt es keine Möglichkeit, dich zu verbessern.“ Über solche wahren Worte, wie die des ehemaligen Basketball-Spielers Sebastien Bellin durften die Zuschauer bei den TEDx-Gesprächen in Luxemburg nachdenken. Dort haben 12 inspirierende Vorträge die Gehirne von 1200 Menschen mit innovativen, berührenden und kontroversen Ideen zum Joggen gebracht. Der deutsche Autor und Forscher Lars Sudmann vertritt beispielsweise die kontroverse Idee: „Think outside the box? Nein. Besser ist: Think inside the box.“ Und das erklärt er plausibel und verständlich.

Nach dem ersten TEDx-Event 2018 verbrachte Organisator Dirk Daenen drei Tage damit, enttäuschten Facebook-Usern zu antworten. Warum? Der Ableger der weltweit angebotenen TED-Talks - bekannt von der Plattform Youtube - war rasendschnell ausverkauft. Nur 300 Leute passten in die Abtei Neumünster.

TEDx -Gesprächen in der Philharmonie Luxemburg

Also musste beim zweiten Ideen-Event ein größerer Veranstaltungsort her. Die Philharmonie freute sich über die Anfrage, denn dort findet sich normalerweise eher das ältere Publikum wieder. Doch die populären TEDx-Gespräche ziehen ein Publikum zwischen 18 und 45 Jahren an. Die Tickets gingen laut Daenen weg wie warme Semmeln, und schon war der große Saal der Philharmonie mit 1200 Besuchern voll.

Das Spannende: Keiner wusste genau, was eigentlich auf dem Programm stand, denn das war anfangs weder in den sozialen Medien, noch auf der Internetseite zu finden. „Am liebsten hätte ich das Programm garnicht bekanntgegeben“, sagt Daenen schmunzelnd. Die Leute sollen nämlich nicht für eine Sprecher kommen. „Sondern für die Idee. Es geht um den Ideenaustausch, um das Gesamtkonzept.“ Hat funktioniert, denn alle Karten waren schnell weg.

Aber was ist denn TEDx nun eigentlich? Das Wort steht im Englischen für Technology, Entertainment and Design, also Technologie, Unterhaltung und Design. Die ersten Gespräche gab es 1984 in Kalifornien. Schon bald wurden die TED-Talks zum viralen Video-Phänomen und eine weltweite Gemeinschaft von Interessierten bildete sich. Dirk Daenen, Organisator von TEDx Luxemburg: „Ich glaube, dass TED die beste Ausbildungsplattform überhaupt ist.“

Die Idee: Die Gespräche sind gemeinnützig. Es geht nicht um Gewinn, sondern darum, interessante Menschen auf der ganzen Welt ausfindig zu machen, die ihre Ideen teilen. Deshalb gibt es in Luxemburg zwar den Eintrittspreis, um die Kosten halbwegs zu decken, doch die Verpflegung der Besucher ist kostenlos. Auch die Sprecher werden nicht bezahlt. Alle 35 Helfer sind ehrenamtlich im Einsatz. Sponsoren helfen, die Kosten der Veranstaltung zu decken.

Soweit die Theorie. Doch wie haben es die 12 Sprecher bei den Gesprächen in Luxemburg geschafft, in jeweils maximal 18 Minuten zahlreiche Menschen zum Lachen, Staunen und sogar vor Rührung zum Weinen zu bringen?

Sebastien Bellin zum Beispiel war erfolgreicher brasilianisch-belgischer Basketballspieler. Er wurde bei dem Attentat am Brüsseler Flughafen 2016 so schwer verletzt, dass er 50 Prozent seines Blutes verlor. Nach drei Monaten im Krankenhaus, mehr als einem Dutzend Operationen und wenig Hoffnung, dass er jemals wieder gehen können würde, hat er sich nun vorgenommen, beim nächsten Ironman World Championchip anzutreten. Seine Geschichte ist so aufrüttelnd, dass Zuschauer Tränen vergießen. Seine Tipps, wie jeder seine Ziele erreichen kann und dazu, was wirklich wichtig im Leben ist, sind ebenso inspirierend wie einfach. „Konzentriert Euch auf Qualität, nicht auf Quantität. Je mehr Qualität ihr in Euren Rucksack packt, desto leichter werdet ihr.“

Das Motto der Gespräche: Explore, Explain, Excite - Entdecken, Erklären, Begeistern. Und das Rezept ist, wie in einer guten Zeitung, die bunte Mischung. Daenen: „Ich versuche, verschiedene Kategorien anzubieten, wie Musik, Sport, Innovation, Führungsqualitäten.“

Auch das ist Daenen gelungen. Respekt flößt den Zuschauern die ehemalige luxemburgische Kulturministerin Erna Henncot-Schoeges ein. In ihrer Amtszeit hat die sympathische Luxemburgerin Außergewöhnliches geleistet. So war sie für den Bau der Philharmonie, den Bau der Rockhal und die Etablierung der Universität verantwortlich. Ihr Motto: „Ihr könnt viel verändern. Lasst Euch nicht von Kritikern abhalten.“

David Timis von Google spricht über die Gefahr und den Segen von AI, künstlicher Intelligenz. Sein Aufruf: Das komplette Bildungssystem muss komplett umgekrempelt werden, damit junge Menschen lernen, sich Veränderungen anzupassen. Seine Argumente sind überzeugend und logisch.

Seth Yudof ist als Magier um die Welt gereist, bevor er eine Unterhaltungsfirma gegründet hat, in der er preisgekrönte Künstler managed. Sein Motto: „Ich habe zu Herausforderungen immer ja gesagt. Wenn du nicht aus deiner Komfortzone ausbrichst, kannst du dich nicht weiterentwickeln.“ Seine trockene Erzählweise bringt das Publikum zum Lachen.

Die 17 Jahre junge erfolgreiche Trompetenspielerin Dorothea Tatalidis und die junge DJane Farah Naji (DJ Ninja) machen beide klar: „Wenn du eine Leidenschaft hast, finde einen Weg, um das zu erreichen, was du willst.“

Die Zuschauer konnten in sechs Stunden neue Ideen hören, die von den redegewandten Sprechern mit Worten, Musik und Zaubertricks verständlich gemacht wurden. Wo schlagen sich schon während eines Vortrags Jugendliche mit der Krav-Maga-Technik oder präsentiert eine DJane live am DJ-Pult Housemusik-Beats?

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