Alte Werte neu belebt

Aufbruchstimmung und Trotz: So könnte man die Stimmungslage der Luxemburger Wirtschaft zu Beginn des neuen Jahres zusammenfassen. Denn ein gutes Jahr nach dem Regierungswechsel und der Steueraffäre Lux-Leaks will die Unternehmerschar wieder verstärkt selbst etwas für den Standort Luxemburg tun.

Luxemburg. War es die Übersättigung vieler Betriebe angesichts laufend steigender Gewinne? War es die Selbstzufriedenheit Luxemburger Politiker, mit der sie den Wohlstand ihrer Landsleute allzu gern hingenommen haben? Oder war es gar die Steueraffäre Lux-Leaks, die vor knapp einem Jahr die Wirtschaftsakteure wachgerüttelt hat, als das Ländchen plötzlich am Pranger stand, europäisches Recht verletzt zu haben? Wohl eine Mischung aus allem. Die Akteure scheinen mit Beginn des Jahres jedenfalls aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht zu sein und sich den Kampf gegen die wachsende Arbeitslosgkeit sowie für eine Attraktivitätssteigerung des Landes auf die Fahnen geschrieben zu haben.
5000 Stellen für Arbeitslose


"Ein Standort wie Luxemburg kann sich bei 18 000 Arbeitslosen und einer Quote von 7,8 Prozent keine Jugendarbeitslosigkeit von 15 Prozent leisten", sagt Robert Dennwald, Präsident der Fedil, einer Arbeitgebervereinigung von rund 550 Unternehmen, zum Neujahrsempfang seines Verbands mit gut 830 Gästen und dem in Hasborn (Eifel) geborenen Wirtschaftsprofessor und Berater Hermann Simon (Simon + Kucher, Bonn).
Deshalb haben sich die Arbeitgeber Luxemburgs in einem Pakt mit der Regierung unter Premier Xavier Betttel darauf verständigt, in den kommenden drei Jahren 5000 Luxemburger Arbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bringen. Dies ist ein ambitioniertes Vorhaben der Arbeitgeber angesichts von bereits jährlich 10 000 neu geschaffenen Stellen, die jedoch zumeist an Grenzgänger gehen. Im Gegenzug hat die Regierung aus Liberalen, Sozialisten und Grünen zugesagt, die Luxemburger Arbeitsagentur Adem zu reformieren und die Unternehmenssteuern nicht weiter zu erhöhen. "Dies gewährt den Betrieben Planungssicherheit für Investitionen", freut sich Dennewald. "Auch wenn die Kommunikation mit der Regierung zuletzt katastrophal war, so zeigt sich doch jetzt ein stärkeres Miteinander statt Gegeneinander."
Und auch die Regierung sieht dies ähnlich. "Wir alle haben im vergangenen Jahr gelernt. Inzwischen sind wir auf einem guten Weg", ist Finanzminister Pierre Gramegna überzeugt. Folglich sei die Situation auch nicht so schlecht, wie häufig heraufbeschworen werde: eine Verdopplung der staalichen Investitionen in diesem Jahr, eine Wachstumsprognose von 2,2 Prozent, das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes 2018 ohne dabei weitere Steuern jenseits der Mehrwertsteuer zu erhöhen - dies führt der Finanzminister auf der Haben-Seite an.
Auf der Soll-Seite steht sowohl bei Betrieben wie bei der Regierung die Wiederbelebung der Sozialpartnerschaft. Doch auch hier scheint nach Jahren des Stillstands wieder Bewegung ins Ländchen zu kommen. Nach zwei sogenannten Bipartite-Beschlüssen stellt Gramegna nun eine Tripartite aller Akteure noch im Januar in Aussicht. Ein Wendepunkt? "Wir brauchen stabile Budgets im Dialog mit unseren Partnern", gibt der Finanzminister als Losung aus.
Allerdings liegen aus Sicht der Wirtschaft viele Detailfragen noch gar nicht auf dem Tisch: Ob flexiblere Arbeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, einfachere Verwaltungsverfahren oder eine Reform des Rentensystems - "die Regierung ist auf dem richtigen Weg. Aber die Zeitbombe tickt. Und es wäre gut, jetzt Entscheidungen zu treffen", sagt Fedil-Direktor Nicolas Soisson. Die Luxemburger Wirtschaft könnte ein spannendes Jahr mit allerlei Reformen erwarten.
Extra

Die Fedil, einst ein Zusammenschluss vor allem der großen Industriebetriebe im Großherzogtum, vertritt mit gut 500 Mitgliedsbetrieben verstärkt auch Dienstleister und IT-Unternehmen. Die Fedil Business Federation Luxembourg steht damit für rund 70 000 Beschäftigte im Land, rund 20 Prozent der Arbeitnehmer insgesamt. Neben der Verbandsarbeit hat sich die Fedil auch der Forschung und Betriebsansiedlung verschrieben. sas