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Bericht: Fähnchen mit dem Brautpaar sind der Renner

Bericht: Fähnchen mit dem Brautpaar sind der Renner

Propper, gesichert und bester Laune: So präsentieren sich Luxemburg und seine Bevölkerung zur heutigen Hochzeit von Erbgroßherzog Guillaume und Stéphanie de Lannoy. Die größte europäische Adelshochzeit in diesem Jahr kann also steigen.

Luxemburg. Schon wieder räumt Maria Pfeiffer aus der Konditorei Kaempff-Kohler knisternde, glitzernde Päckchen mit Schokopralinen und dem Konterfei von Erbgroßherzog Guillaume und Gräfin Stéphanie de Lannoy in die Vitrine. "Die laufen sehr gut, wir müssen immer wieder auffüllen", sagt sie und schiebt die nächsten Andenken an die Prinzenhochzeit in das Glasregal. Luxemburg bereitet sich auf das Ereignis des Jahres vor. Und da werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Rund 670 000 Euro schießen Stadt und Land zur bedeutungsvollsten Adelshochzeit 2012 in Europa bei. Aber auch die Luxemburger selbst putzen sich und ihr Ländchen heraus.

Die Stimmung steigt


Da wird bis zum Schluss in den Gärten der Kasematten der Rasen gemäht. Fast jedes Schaufenster in der Oberstadt zieren die Luxemburger Flagge und ein Bild des erbgroßherzoglichen Paares. Im Souvenirladen CEM von Ginette Arend am großherzoglichen Palais geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Jeder will noch schnell ein Fähnchen mit dem "Rouden Léiw" oder dem Brautpaar ergattern, ehe der Thronfolger und seine Braut nach der standesamtlichen Hochzeit im Rathaus durch die Stadt flanieren.
"Die Stimmung wird von Minute zu Minute besser", sagt die Geschäftsfrau und kassiert schnell noch 4,50 Euro für die Din-A-4-große Fahne eines Kunden. Kritik an der Monarchie hin, Konflikt um die Kosten her: "Die Leute lieben ihre großherzogliche Familie. Es wird sicher viele geben, die vorher groß kritisieren und später doch gucken gehen", mutmaßt sie. Vor ihrem Laden bauen die Fernseh-Teams ihre schwenkbaren Kameras auf. 140 Fotografen, 75 Kameraleute und 250 Techniker und Monteure übertragen die Ereignisse aus Luxemburg bis nach Neuseeland und Japan. Denn auf dem Balkon des Palais soll sich das Prinzenpaar am heutigen Samstagmittag gegen 13 Uhr und nach der kirchlichen Trauung in der Kathedrale den lang ersehnten Kuss geben.
Von den Vorbereitungen unberührt zeigen sich die beiden Wachposten vor dem Palais, die - wie sonst auch - täglich auf- und abmarschieren. Auffällig sind die Grüppchen Polizisten, die zusammenstehen, bereit für den Aufmarsch von 350 Königen und Prinzen, Grafen, Herzögen und anderen Blaublütern zum abendlichen Bankett. Im Hotel Le Royal stehen neben Männern in dunklen Anzügen auch drei Polizisten mit Maschinengewehren. Denn etwa die Hälfte der größtenteils adeligen Gäste ist bereits am Donnerstag in Luxemburg angekommen. Ein Teil von ihnen hat im "Royal" ihr Domizil.
Zu den Gratulanten des Paares gehören aber nicht nur die 1400 Gäste, die zur Trauung in die Kathedrale geladen sind. Mehr als 5000 Luxemburger "gratuléieren häerzlech" - auf einer großen rollenden Glückwunschkarte. Manche tragen sich noch in letzter Minute ein. So wie Nico Reisch aus Bereldange. "Normalerweise hätte ich zu Hause alles im Fernsehen angeschaut", sagt er. Seine Frau habe ihn aber dazu gedrängt, in die Innenstadt zu fahren und sich einzutragen. "Jetzt bleiben wir auch hier und schauen uns den Rest an", sagt er bestimmt und bezieht Stellung auf der zentralen Place Knuedler, wo die rot-samtenen Absperrstangen für den Empfang des Paares schon in Reih und Glied stehen.
Weitere Infos und Fotos auf volksfreund.de/adelshochzeit
Wer die erbgroßherzogliche Hochzeit am heutigen Samstag vor Ort verfolgen möchte, sieht die Zeremonie auf Großleinwänden auf dem Knuedler. Vor dem Palais wird das Paar gegen 13 Uhr erwartet. Ab 19 Uhr ist ein Spaziergang durch die Innenstadt vorgesehen. Das ZDF zeigt die Hochzeit live ab 10.15 Uhr.
Extra

 Vorbereitungen bis zur letzten Sekunde: Im Schaufenster eines Souvenirladens werden noch am Freitagmittag Fähnchen, Fotos und Blumen zurechtgerückt. TV-Foto: Sabine Schwadorf
Vorbereitungen bis zur letzten Sekunde: Im Schaufenster eines Souvenirladens werden noch am Freitagmittag Fähnchen, Fotos und Blumen zurechtgerückt. TV-Foto: Sabine Schwadorf

Luxemburg löst Deutschland als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat ab. Zum kommenden Jahr hin wird das Großherzogtum mit Australien, Argentinien, Ruanda und Südkorea in der Wahlperiode 2013/2014 die Geschicke im wichtigsten internationalen Gremium leiten. Luxemburg setzte sich im ersten Wahlgang mit 128 zu 108 Stimmen gegen Finnland durch. Erst vor wenigen Tagen hatte Großherzog Henri als Staatsoberhaupt des Großherzogtums seine erste Rede vor der Uno gehalten. Luxemburg gehört zu den Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen. Neben der Bundesrepublik sind auch Südafrika, Indien, Kolumbien und Portugal turnusgemäß aus dem Sicherheitsrat ausgeschieden. sas