Billig ist woanders

LUXEMBURG. Luxair hat sich noch nicht erholt: Drei Jahre nach dem Absturz einer Fokker sucht die luxemburgische Fluglinie noch immer nach einer neuen Identität. Fest steht nur: Die Gesellschaft wird deutlich schlanker.

Moderner soll sie werden und dynamischer. Und vor allem kostengünstiger. Bei Luxair bleibt kein Stein auf dem anderen. Hinter verschlossenen Türen bastelt man derzeit an einer neuen Fluglinie. Motto: Zurück zu den Wurzeln. Nicht mehr die große, internationale Fluggesellschaft will Luxair sein, sondern eine regionale, eine, die sich auf ihre Stärken besinnt, wie ein Insider sagt. Weniger Flugzeuge, weniger Strecken. Aus den Pleiten anderer gelernt

Man hat offenbar aus den Pleiten der belgischen Sabena und der schweizerischen Swissair gelernt. Auch sie wollten mit den großen Luftfahrgesellschaften konkurrieren und stürzten ab, vor fünf Jahren gingen beide Pleite. Hätte Luxair nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen, stünde womöglich der nächste Konkurs in der Luftfahrtbranche ins Haus. Allein zwischen 2003 und 2005 machte die Gesellschaft ein Minus von 30 Millionen Euro. Sicherlich ein Grund dafür sind die Höhenflüge des Ex-Luxair-Chefs Christian Heinzmann. Er wollte das Streckennetz ausbauen und die Kapazität der Flugzeuge erhöhen. Drei Boeings vom Typ 737-700 mit 141 Sitzplätzen und einer Reichweite von etwa 4700 Kilometern wurden von ihm gekauft. Eine Fehlinvestition, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Doch nach dem Weggang Heinzmanns im Gefolge der Querelen um den Fokker-Absturz vom 6. November 2002 stellte das neue Management - fast die komplette Führungsriege wurde ausgetauscht - unter Adrien Ney die Ausrichtung der Airline in Frage. Kernpunkt des so genannten Relaunchs: Luxair kann sich keine Überkapazitäten leisten. Daher wird die Flotte zusammenschrumpfen - auf insgesamt neun Flugzeuge. Von den derzeit noch zehn Embraer-Jets werden künftig nur sechs mit jeweils 49 Sitzen auf Linienflügen eingesetzt, die restlichen werden verkauft. Im Juni startete Luxair die Renaissance der Propeller, nachdem ein Jahr zuvor mit dem Verkauf der Fokker-Maschinen komplett auf Jets umgestellt worden war. Drei Turboprop-Maschinen des Typs Q 400 mit jeweils 72 Plätzen wurden vom Flugzeugbauer Bombardier gekauft, drei weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Die Propeller-Maschinen gelten als effektiver und preiswerter. Vier der fünf Boeings werden nur noch für Touristenflüge mit Luxair-Tours eingesetzt. Alle Strecken stehen derzeit auf dem Prüfstand. Nur noch die, die wirtschaftlich Sinn machen und für Geschäftsreisende interessant sind, sollen Bestand haben - etwa London, Frankfurt, Paris oder Saarbrücken-München. Selbst die Flüge nach Berlin rechnen sich rein betriebswirtschaftlich nicht. Doch wird man sich aus Prestigegründen kaum leisten, die Verbindung in die deutsche Hauptstadt zu streichen. Anders etwa bei den Strecken nach Barcelona oder nach Wien. Budapest wurde bereits im Sommer aus dem Flugplan genommen. Während früher auch daran gedacht wurde, von anderen Flughäfen - etwa Metz oder Straßburg - zu starten, ist das kein Thema mehr. Der Findel bleibe alleinige Basis von Luxair. Es wird auch nicht ausgeschlossen, dass die Ferienflüge von Zweibrücken aus eingestellt werden. Die neue Identität der Luxair wird sich auch in einem neuen Markenkonzept zeigen. Nicht nur das Logo und die Designs werden sich ändern. Nach außen hin wird deutlich getrennt werden zwischen dem Linienflieger Luxair und dem Urlaubsanbieter Luxair-Tours. Während intern allerdings die beiden Unternehmensteile enger verzahnt wurden. Eigentlich sollten bereits im Oktober die Mitarbeiter über das neue Konzept informiert werden. Doch offenbar gestaltet sich die Kommunikation nicht so einfach wie erhofft. Eine neue Mentalität soll Einzug halten, die Mitarbeiter sollen sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren. Luxair rüstet sich mit der Neuausrichtung auch für mögliche Konkurrenz auf dem Findel. Durch den Bau eines neuen Terminals für 324 Millionen Euro wird der Flughafen auch für andere Fluggesellschaften interessant. Dessen sei man sich durchaus bewusst, heißt es. Daher will man sich abheben und sich ganz klar auf Geschäftsreisende konzentrieren. Die neue Luxair, die sich im nächsten Frühjahr zum ersten Mal präsentieren wird, will sich mit mehr Qualität und gehobenem Service und Preis von den Billigfliegern absetzen. Zwar soll es weiter günstige Tickets bei Frühbuchungen geben, doch generell gelte: "Wir werden kein Billigflieger. Wer mit uns fliegt, muss auch mehr bezahlen, weil er mehr dafür bekommt", sagt ein Luxair-Verantwortlicher. Gleichwohl fürchtet man die Billig-Konkurrenz. Würde eine große Gesellschaft wie Easy-Jet vom Findel aus fliegen, könnte es eng werden für Luxair. "Dann legen wir den Schlüssel unter die Matte", heißt es.

Mehr von Volksfreund