Businessklasse für Killerwal und Ein-Tages-Küken

Businessklasse für Killerwal und Ein-Tages-Küken

LUXEMBURG. Mit 14 Fracht-Jumbos ist die Cargolux Europas größte Nur-Frachtfluglinie. Das riesige Frachtzentrum der Luxair fertigt rund drei Dutzend Frachtluftlinien und hunderte LKW ab. Die effektive Zusammenarbeit der beiden Spezialisten hat die jährliche Frachtmenge von rund 2500 Tonnen im Jahr 1970 auf über 750 000 Tonnen im vergangenen Jahr gesteigert.

Vom Flughafen Findel in die weite Welt werden Rohstoffe, verderbliche und zerbrechliche Waren, langlebige Güter, lebende Tiere und Artikel des täglichen Bedarfs transportiert. Im Luxair CargoCenter werden alle diese Güter verpackt und zu 70 Prozent von der Cargolux zu ihren weltweiten Bestimmungsorten geflogen.

Die Cargolux absolviert pro Woche nach einem minutengenauen Flugplan mit ihren 14 Jumbo-Jets rund 300 Flüge in der ganzen Welt. Marc Schonkert von der Cargolux nennt beeindruckende Zahlen für den Findel: "Unsere Jumbo-Flotte macht wöchentlich von hier rund 60 Flüge zu 70 Flughäfen in 55 Ländern auf fünf Kontinenten."

Auf den acht Stellplätzen vor dem Luxair CargoCenter mit einer Länge von rund neun Fußballfeldern stehen riesige Frachtflugzeuge, die mit ihrem hochgeklappten Heckteil wie überdimensionale Haifische aussehen. Spezielle Flachtransporter fahren bis zu drei Meter hohe Frachtpaletten an die Flieger heran, und per "Highloader" verschwindet Palette auf Palette in den großen Frachträumen. Die Boeing 747-400 der Cargolux fasst 39 dieser großen Paletten, die Ladung von etwa zehn Lastzügen. Fernand Besch vom Luxair CargoCenter erinnert sich: "Einmal haben wir 58 VW Käfer im Jumbo-Jet verladen."

In maximal zwei Stunden ist ein Frachtflugzeug be- oder entladen. In Stoßzeiten werden vier Frachtmaschinen und 80 LKW gleichzeitig entladen. "An Wochenenden haben wir öfter bis zu 30 Transportflugzeuge am Tag, das ist das Maximum bei acht Stellplätzen", sagt Besch.

Jährlich eine Million Tonnen Fracht
Im fast 300 000 Quadratmeter großen Luxair CargoCenter sausen die Elektrotransporter mit zimmerhohen Paletten umher. In einer Ecke duftet es verlockend nach frischer Ananas. Pflanzen, Blumen, Frischfisch und Frischfleisch sowie Medikamente landen direkt in den Kühlräumen, damit die Kühlkette zwischen Be- und Entladen und Weitertransport nicht unterbrochen wird.

Die "Vip-Gäste" von Luxair CargoCenter und Cargolux sind die lebenden Großtiere, für die eine 320 Quadratmeter große Tierstation bereitsteht - ständig von einem Veterinär betreut. Fernand Schonkert zählt einige außergewöhnliche Tiertransporte auf: "Ein weißes Nashorn von Hannover nach Namibia, fünf junge Elefanten von Köln nach Bangkok oder Alpakas aus Lima nach Frankreich."

Am schwierigsten seien Tiertransporte im nassen Element, fügt Schonkert hinzu. Aber die Cargospezialisten haben schon einen Schwertwal (Killerwal) von Spanien nach San Diego transportiert und managen auch die Austauschflüge von Delphinen zwischen den Vergnügungsparks. Zuweilen stehen auch wertvolle Renn-, Spring- und Zuchtpferde auf der Findeler Tierstation, und solch ein Pferd kann leicht über fünf Millionen Dollar kosten. Auch exklusive Autos der Marken Ferrari, Lamborghini, Bentley und Maybach werden per Luftfracht befördert, meistens in die arabischen Emirate. "Aber auch unsere jüngsten Gäste, die Ein-Tages-Küken, werden liebevoll betreut", sagt Marc Besch, "und das können auf einen Schlag schon einmal 250 000 Küken sein."

Während die Veterinärabteilung die hygienischen Vorschriften überwacht, kontrolliert der Zoll die europäischen Ein- und Ausfuhrbestimmungen. Marc Besch stellt zufrieden fest: "Die Dreiergemeinschaft Luxair, Cargolux und Zoll funktioniert einwandfrei." Fernand Schonkert weist auf wichtige Bestimmungen hin: "Die Cargolux transportiert keine exotischen Tiere aus freier Wildbahn, kein Elfenbein und keine vom Aussterben bedrohte Tierarten." Außerdem ist die Cargolux Mitglied der Animal Transportation Association, der weltweiten Vereinigung für artgerechten Tiertransport.

Wenn die Bauarbeiten für den Erweiterungsbau des Luxair CargoCenters beendet sind, dann wird der Findel die magische Zahl von jährlich einer Million Tonnen Fracht erreichen.

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