Lexikon: D‘Spiirkelin rëselt hir Kleder

Lexikon : D‘Spiirkelin rëselt hir Kleder

Wie bereits in vorherigen Lexikon-Teilen angesprochen, wird der Februar im Luxemburgischen auch Spiirkel oder Spierkel genannt. Der Begriff ist schon sehr früh in der Geschichte überliefert.

Er kommt bereits in lateinischsprachigen Quellen des 7. und 8. Jahrhunderts vor, zuerst auf angelsächsischem und dann auf fränkischem Boden. Dabei geht es um ein im Februar stattfindendes Fest, das als Reinigungs- und Sühneopfer beschrieben wird. Allerdings ist man sich über die genaue Bedeutung des Worte nicht einig: Einige bezeichnen sie als springende, berstende Winterdecke, andere sehen ihn im Zusammenhang mit einer germanischen Göttin, wieder andere in Zusammenhang mit einem Schweineopfer oder auch der aufspringenden Knopsen. Dem ähnelt dann auch die bäuerliche Redensart: Wee vill Boune wëllt gewannen, muss sech am Spiirkel begannen.

Wer viele Bohnen gewinnen/ernten will, muss im Februar damit beginnen.

Es gibt den Februar aber auch in personifizierter Form. Dann wird er – je nach Region – Spiirkelin, Spiirkelesch, Spiirkelenn oder auch Spuerkelesch genannt. Beispiel:

D‘Spiirkelin rëselt hir Kleder.

Die Spiirkelin rüttelt ihre Kleider. Etwa, wenn es im Februar stark schneit.

D‘Spiirkelin mat hire siwe Wënn as haut nammel Meeschter.

Die Spiirkelin mit ihren sieben Winden ist wieder einmal Meister.

Wenn es im Februar stürmt.

Si gesäit aus wéi d‘Spiirkelin/eng Spiirkelesch.

Sie sieht aus wie die Spiirkelin.

Also vernachlässigt aussehen oder mit zerrissenen Kleidern dastehen.

 Es findet sich auch der Begriff des Spiirkeljoun, Spekeljoun oder auch Spackeljun. Dabei handelt es sich um Insekten wie große Libellen, Maulwurfsgrille oder auch Wasserskorpione. Sie werden auch Spéngelschësser genannt, was wiederum in übertragener Bedeutung ein kleinlicher Mensch (en Ierbëssenzieler a Spiirkeljoun), aufgeschossener Mensch oder auch energieloser Mensch heißen kann.

Sabine Schwadorf

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