Lexikon: Da’s déi rengste Fuesent

Lexikon : Da’s déi rengste Fuesent

Während in den deutschen Karnevalsregionen der Frohsinn bereits auf vollen Touren läuft, lassen es unsere Nachbarn noch etwas ruhiger angehen, zumal sie – im Gegensatz zu uns – auch noch einmal, nämlich während der Hälfte der Fastenzeit zu Halleffaaschten, außer Rand und Band sein dürfen.

Was dann geschieht und warum die Fastnacht nochmals wiederbelebt wird, berichten wir in einer der folgenden Ausgaben. Nun geht es erst einmal um die allgemeine Erklärung von Fuesent. Im Osten Foasent, in Echternach Foasicht, im Norden Fasich genannt, geht es eindeutig um Fastnacht und die Fastnachtszeit – und niemals (!!) um die ausschließlich süddeutsche Bezeichnung Fasching. Der Name sagt es schon: Es geht um die ursprüngliche Nacht vor dem Beginn des Fastens, in der alle verrückt spielen dürfen.

Nicht von ungefähr gibt es solche Redewendungen wie:

Wien d’Fuesent nët geckeg as, deen as et soss d’ganzt Joer.

Wer an Fastnacht nicht verrückt ist, der ist es sonst das ganze Jahr über.

Dat as ewéi Fuesent a Faaschten.

Wörtlich: Das ist wie Fastnacht und Fasten.

Übertragen: Das ist ungleich.

Heißt es im Luxemburgischen Mer maache Fuesent, sollten alle Leckermäuler aufpassen. Denn dann wird gebacken und frittiert, was das Zeug hält, nämlich allerlei Hefegebäck, Waffeln und Fettgebackenes.

Da hört man dann so lautmalerische Namen wie Bréidercher, Eisekuch, Fläppercher, Nonnefäschtercher, Paangech, Tërkelcher oder Verwurelter. Was dahintersteckt, werden wir demnächst verraten.

Verraten sei nur, was hinter diesen Sätzen steckt. Denn Vorsicht, sie haben vor allem eine übertragene Bedeutung:

Da’s déi rengste Fuesent.

Wörtlich: Das ist die reinste Fastnacht.

Übertragen: für eine geschmacklose, auffällige Kleidung

Esou eng Fuesent maachen ech nët mat.

Wörtlich: So einen Karneval mache ich nicht mit.

Übertragen: Das ist keine ernstzunehmende Sache.

Sabine Schwadorf

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