Der Widerstand der Kirchenfabriken

Der Widerstand der Kirchenfabriken

Gegen den vom Erzbistum Luxemburg mit der rot-blau-grünen Regierung verabredeten Fahrplan zur Trennung von Staat und Kirche im Großherzogtum regt sich Widerstand. Die Kirche selbst fordert mehr Ruhe in der Debatte.

Luxemburg. Die für die weltlichen Güter der Kirche zuständigen Verwaltungen in Luxemburg haben die Verhandlungsergebnisse des Erzbistums zur Trennung von Kirche und Staat kritisiert. Es müsse zunächst geklärt werden, ob das Erzbistum überhaupt die Befugnis habe, mit dem Innenministerium einen Fonds zu vereinbaren, in den die Güter der 285 sogenannten Kirchenfabriken überführt werden sollen, fordern die Kritiker laut einem Bericht des Luxemburger Tageblatts. Die Kirchenfabriken kümmern sich um den Materialbestand der Pfarreien und verwalten die Gelder und Besitztümer. Laut einem Dekret von 1809 sind sie unabhängig und haben ein eigenes Statut.
Das Großherzogtum Luxemburg will in den kommenden 20 Jahren eine schrittweise Trennung von Staat und Kirche vornehmen und damit das Staat-Kirchen-Verhältnis in dem traditionell katholischen Land neu regeln (der TV berichtete mehrfach). Bisher ist bekannt, dass Kirchenfabriken und Gemeinden bis zum 1. Januar 2017 klären sollen, welche Kirchen in den mit dem Innenministerium vereinbarten Fonds überführt werden und welche in den Besitz der Gemeinden übergehen sollen.
Die gemeinsame Verwaltung der Kirchenfabriken, das Syndicat des fabriques d\'eglise du Luxembourg (Syfel), empfiehlt den Kirchenräten, nicht aktiv zu werden und keine Verhandlungen mit den Kommunen aufzunehmen. Das Syfel erwäge die Option, Kirchen, Kapellen und kunsthistorisch wertvolles Mobiliar unter Denkmalschutz zu stellen. Damit könnten diese unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen vor dem Abriss geschützt werden.
Generalvikar beschwichtigt



Der neue Generalvikar des Erzbistums Luxemburg, Leo Wagener, hatte zuvor eine engagierte Kirche bei den anstehenden Reformen zur Trennung von Kirche und Staat gefordert. Er sei sich bewusst, dass er das Amt in schwierigen Zeiten übernommen habe, sagte Wagener vor einer Woche dem Luxemburger Wort. Die Konventionen seien ein politisches Abkommen, das in ein Gesetz münde, mit dem die Kirche auch in der Pastorale bestehen müsse, so Wagener. Der Generalvikar ist seit rund einem Monat an der Spitze des Erzbistums.
Vor allem die Überführung der Kirchenfabriken in den verabredeten Fonds sei eine enorme Herausforderung, sagte Wagener.
Zum geplanten Werteunterricht (siehe Extra) forderte der Generalvikar mehr Ruhe in der Debatte. Diejenigen, "die jetzt Sturm laufen", sollten nicht Haltungen annehmen, die nichts mehr mit den Werten zu tun haben. Die Kirche werde zukünftig eine Pfarrkatechese anbieten. An der genauen Ausarbeitung werde derzeit gearbeitet. Die Katechese sei jedoch kein Ersatz für den Religionsunterricht.
Da die staatlichen Zuwendungen für die katholische Kirche in Zukunft wesentlich niedriger ausfallen, werde die Kirche einen Fonds einrichten, der durch Spenden unterhalten werden soll. Auch die Zahl der Pfarreien werde in Zukunft sinken. KNA
Extra

Die katholische Kirche in Luxemburg hat einen Vorschlag der Regierung für den geplanten Werteunterricht begrüßt. Es sei gut, dass in dem Papier auf das Erbe jüdischer und christlicher Religionen sowie des philosophischen Humanismus verwiesen werde, heißt es in einer in dieser Woche veröffentlichten Stellungnahme der Kirche. Die luxemburgische Regierung hatte am Montag ein Rahmenpapier zum neuen Schulfach "Leben und Gesellschaft", dem sogenannten Werteunterricht, vorgestellt. Dieser soll zukünftig den Religionsunterricht ersetzen. KNA