Der Wolf ist wieder da

Der Wolf ist wieder da

Gibt es nach 125 Jahren bald wieder frei lebende Wölfe in Luxemburg sowie in den Wäldern von Eifel und Hunsrück? Die Frage ist nicht ob, sondern allenfalls wann, sagen Experten. Die Begeisterung ist nicht überall so groß wie im rheinland-pfälzischen Forstministerium.

Luxemburg/Metz/Trier. Seit Freitag vergangener Woche ist es amtlich - und von Luxemburgs Medien sogleich verbreitet worden: An diesem Tag machte eine mit Bewegungsmelder ausgestattete Kamera der französischen Naturschutzbehörde ein Beweisfoto. Auf dem Bild zweifelsfrei zu erkennen - ein Wolf.
Dass ein solches Tier im Dépar tement de la Meuse südwestlich von Metz unterwegs sein könnte, hatte die dortige Präfektur schon im Herbst vermutet. Damals wurden bei einigen Schafen Verletzungen festgestellt, die nur von einem Wolf stammen konnten, vermuteten Experten. Seitdem haben die Behörden 13 Angriffe auf Schafherden gezählt und 30 getötete Tiere. Mit dem jetzt aufgenommenen Foto steht für die Verantwortlichen fest: Der Wolf ist da. Die Herden im Dépar tement werden nun mit Elektrozäunen gesichert, die Halter der gerissenen Tiere entschädigt.
Ob der Wolf ein Einzeltier ist oder zu einem Rudel gehört, steht noch nicht fest. Experten gehen davon aus, dass der Wolf aus Italien nach Frankreich gekommen sein dürfte. Lange Distanzen sind für die Tiere kein Problem, an einem Tag legen sie bis zu 75 Kilometer zurück. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Wolf auch in Luxemburg oder der dicht bewaldeten Region Trier gesichtet wird. Es wäre eine Rückkehr der Tiere nach weit über 100 Jahren. Der letzte Wolf in Luxemburg wurde vor 122 Jahren geschossen, der letzte Wolf in der Eifel im Jahr 1888 in Auel bei Gerolstein. In der damaligen Zeit herrschte in der Region eine wahre Wolfshysterie; wer ein Tier tötete, wurde von der Regierung entlohnt und belobigt. Heute stehen die Tiere in Deutschland unter Artenschutz. Wer einen Wolf tötet, kann dafür sogar ins Gefängnis wandern.
Wahrscheinlicher aber ist eine Geldstrafe. Die musste im vergangenen Jahr auch ein 73-jähriger Jäger zahlen, der im Westerwald einen Wolf erschossen hatte. Der Mann verwechselte das Tier nach eigenen Angaben mit einen wildernden Hund.
Nach Zählungen des Naturschutzbundes Nabu gibt es derzeit 25 Wolfsrudel in Deutschland - von der Nordsee bis zur tschechischen Grenze. Über kurz oder lang würden sich die Tiere aber in allen Flächenbundesländern ansiedeln.
Die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken sieht die Rückkehr des Wolfs als "Bereicherung unserer Artenvielfalt". Um darauf vorbereitet zu sein, müssten Kenntnisse vermittelt und Verständnis für den eher menschenscheuen Wolf geweckt werden, sagt die Grünen-Politikerin. Im Ministerium wird derzeit an einem sogenannten Wolfsmanagementplan getüftelt, in dem auch geregelt wird, wie zu verfahren ist, wenn Probleme auftreten. Welche Probleme das sein können, sieht man in Mecklenburg-Vorpommern. Nach mehreren Attacken auf Weidetiere werden dort Rufe laut, die Jagd auf Wölfe freizugeben.
So weit will Landesjägerpräsident Kurt Alexander Michael nicht gehen. "Diese Forderung", ist Michael sicher, "wird schon von anderer Seite kommen."Meinung

Nach den Wölfen die Bären
Ich sehe sie schon alle jubeln, die Naturfreunde und Gutmenschen, die Sehnsüchtigen, die sich ein Zurück zu den Wurzeln der Menschheit wünschen. Der erste Wolf wurde nahe Luxemburg gesichtet, dann kann\'s ja nicht mehr lange dauern, und Freund Isegrim wird auch unsere Region mit seiner Anwesenheit beglücken. Danach kommen dann die Brunos, also die Braunbären, und am Ende werden die jüngst ausgewilderten Wisente aus Nordrhein-Westfalen schon noch den Weg in unseren neuen Nationalpark in Hochwald und Hunsrück finden. Das Dumme daran: All die possierlichen Tierchen werden dort nicht bleiben, sondern die gesamte Region in Beschlag nehmen wollen. So als seien wir hier im nahezu menschenleeren Alaska oder der Tundra und nicht im dicht besiedelten Deutschland. Warum nur sind manche Zeitgenossen geradezu besessen von der Idee, die Räder der Entwicklung zurückdrehen zu wollen? d.schwickerath@volksfreund.de