Deutsch-Lux. Wirtschaftsabend diskutiert grenzüberschreitende Kooperation.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit : Der Kampf um Fachkräfte in der Großregion

Beim Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsabend ging es darum, wie Unternehmen grenzüberschreitend agieren können.

„5500 Fachkräfte fehlen alleine im gewerblichen Bereich“, sagt Matthias Schmitt, Geschäftsführer Standortpolitik und Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. 2011 fehlten nur 3150 Fachkräfte in der Region. „Der Fachkräftemangel ist das drängendste Thema. Je kleiner das Unternehmen, desto schwerer fällt die Stellenbesetzung“, sagt Schmitt. Knapp 40 Prozent der Unternehmen hätten große Probleme, Mitarbeiter zu finden, und 24 Prozent der Firmen sehen darin mittlerweile ein großes Problem für den Geschäftserfolg. Zum Vergleich: 2011 sahen das nur zehn Prozent der Firmen so. Gesucht werden dabei weniger Akademiker als Auszubildende, Ausgebildete, Techniker, Fachwirte und Meister. Das ergab eine Umfrage der IHK, der Handwerkskammer und der Universität Trier unter 855 teilnehmenden regionalen Mitgliedsunternehmen. Der Fachkräftemangel wird noch verstärkt durch mehr als 30 000 Pendler, die in Luxemburg arbeiten. Dazu komme, so Schmitt, eine Arbeitslosenquote von nur drei Prozent sowie der demografische Wandel. Schmitt stellte die Umfrage beim Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsabend vor. Bei den Netzwerkveranstaltungen sollen laut IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer Unternehmen mit Organisationen in Verbindung gebracht werden, die sie bei grenzüberschreitenden Projekten unterstützen.

Gäste des Abends waren auch der ehemalige Oberbürgermeister von Trier, Klaus Jensen, der mittlerweile als Honorarkonsul Luxemburgs agiert, sowie der deutsche Botschafter in Luxemburg, Heinrich Kreft. Jensen weist wie auch Schmitt darauf hin, dass man nicht nur den Fachkräfteabzug durch Luxemburg sehen darf, sondern auch die großen Vorteile durch regionale Unternehmen, die einen beträchtlichen Teil ihrer Kunden in Luxemburg haben. Botschafter Kreft glaubt, dass im Gegenzug auch für viele junge Luxemburger eine Ausbildung in Deutschland interessant sein könnte. Dafür könnte es aber sinnvoll sein, das deutsche Lehrgehalt etwa durch den luxemburgischen Staat aufzustocken, damit es die Höhe der luxemburgischen Sozialleistung erreicht.

Beim Logistikdienstleister Kuehne + Nagel in Luxemburg kennt man sich mit grenzüberschreitender Ausbildung aus. Seit 22 Jahren haben sie mehr als 200 junge Menschen ausgebildet. Die meisten sind im Unternehmen geblieben. Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK Trier, und Jonas Kahn (Senior HR Business Partner) haben dazu Einblicke gegeben. Beeindruckend ist die internationale Vielfalt. Mehr als 25 Nationalitäten sind bei Kuehne + Nagel vertreten. Mehr als 15 Sprachen werden gesprochen. 25 grenzüberschreitende Auszubildende arbeiten aktuell in der Firma. Seit zwei Jahren merkt man dort aber auch, dass es schwerer wird, Nachwuchs zu finden. Nun werden Flyer in Kebab-Bistros und an anderen Orten verteilt, an denen man potenziellen Nachwuchs vermutet. Das Konzept, so Kahn, geht auf.

Ein weiterer Redner des Abends war Tobias Maldener, Geschäftsführer von Ludwig und Maldener. Er gab Einblicke in die Unterschiede in die steuerlichen Förderungsmaßnahmen in Deutschland und Luxemburg. „Sie unterscheiden sich deutlich“, so Maldener. In Deutschland werde den Unternehmern ein Liquiditätsvorteil durch Steuerstundung gewährt. Im Fokus stünden kleine und mittlere Betriebe. In Luxemburg hingegen können nur der Handel und das Handwerk profitieren, nicht Freiberufler. Hier gebe es einen Liquiditätsvorteil durch eine Gutschrift. In Luxemburg gebe es also etwas geschenkt.

Der Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftsabend soll eine Dauereinrichtung zwei Mal im Jahr werden, sagt Ralf Britten, Präsident der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative. Der nächste Wirtschaftsabend am 26. September im Trifolion Echternach behandelt Auswirkungen der Europawahl.

Mehr von Volksfreund