Die Armut in Luxemburg steigt, vor allem junge Leute von 18-24 sind betroffen

Soziales : Die neue Armut Luxemburgs

Wie viel Armut gibt es in Luxemburg? Mehr als viele denken – und sehen. Nach einem Bericht des europäischen Statistikamtes Eurostat sind vor allem junge Leute wie in kaum einem anderen EU-Land so stark von Armut bedroht wie im Großherzogtum.

Das Großherzogtum gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Und doch gibt es auch im Ländchen Armut. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sind in keinem Land Europas so stark von Armut gefährdet wie die jungen Luxemburger. Nur im europäischen Armenhaus Rumänien ist die Gefahr noch größer, sozial abzurutschen. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat ermittelt.

Laut der Behörde liegt das Risiko im Großherzogtum immerhin bei 20 Prozent, im Schnitt aller EU-Staaten nur bei elf Prozent. In Deutschland beträgt das Risiko 12,6 Prozent. Am geringsten ist das Armutsrisiko für junge Leute in Tschechien (1,5 Prozent). Laut Eurostat gehört jeder junge Mensch, der weniger als 1800 Euro zur Verfügung hat, zur Risikogruppe.

Was für Luxemburg jedoch besonders auffällt, ist, dass sich das Armutsrisiko der jungen Luxemburger seit 2012 innerhalb von fünf Jahren verdoppelt hat. Vor allem zwischen 2016 und 2017 hat es einen markanten Anstieg gegeben.

Doch nicht nur die jungen Leute sind zunehmend von Armut bedroht. Insgesamt, so die Zahlen des nationalen Statistikamtes Statec, liegt das Armutsrisiko bei 18,7 Prozent (Deutschland 15,7 Prozent). Laut seinem  Direktor Serge Allegrezza wären jedes Jahr allein Sozialleistungen in Höhe von „700 Millionen Euro durch den Staat zu mobilisieren, um die Armut in Luxemburg auszulöschen“, sagte er jüngst bei der Vorstellung des Berichts zu Arbeit und Kohäsion. Und er gesteht: „Bislang haben wir die Armut in Luxemburg schlicht unterschätzt.“

Laut den Zahlen des Statec über die Entwicklung der Armut in Luxemburg über die vergangenen zwölf Jahre zeigt sich, dass vor allem die Reichen vom Wirtschaftswachstum des Landes profitiert haben. Im Gegenzug hat die Zahl derjenigen zugenommen, die von Armut bedroht sind. So wird die Schere zwischen Arm und Reich im Großherzogtum immer größer: Zehn Prozent der Ärmsten im Land verdienen zusammen nur drei Prozent aller gezahlten Löhne, die zehn Prozent der reichsten Luxemburger kassieren den Zahlen zufolge 24 Prozent der Löhne.

Als Hauptgrund für das gestiegene Armutsrisiko gibt das Statistikamt die stetig steigenden Wohnkosten an: Wohnkosten machen immerhin 42 Prozent der Haushaltsausgaben der Luxemburger aus, Tendenz steigend.

Die Zahlen der Statistikämter haben nun auch die Politik auf den Plan gerufen: Auch Arbeitsminister Dan Kersch sieht in den hohen Wohnkosten ein Problem. Die Ungerechtigkeit beginne bereits bei der Vergabe von Immobilienkrediten, sagte er bei einer Debatte im Luxemburger Parlament.

Um die Lage der Jugendlichen zu verbessern, schlug die Oppositionspartei CSV vor, die Berufsausbildung aufzuwerten und Schulabbrecher besser abzufangen. Auch kurzfristige und prekäre Arbeitsverträge, Praktika beim Berufseinstieg vor einer Anstellung, verstärkte Einstellung von Jugendlichen mit kurzfristigen Verträgen sowie ein fehlendes beziehungsweise nicht abgeschlossenes Praktikagesetz in Luxemburg stehen im Mittelpunkt der Ursachenforschung.

Derweil bemängelt die Unel, die Schüler- und Studierendenunion (Union des Étudiant-e-s), die Langsamkeit der Politik. „Der Prekarisierung der Arbeit für junge Menschen wird hier weiterhin freier Lauf gelassen“, wettert Unel-Sprecherin Lisa Kersch.