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Die Strategien der Finanzplatzinitiative Luxembourg for Finance

Finanzen : Der Optimismus überwiegt

Premier Bettel und Experten der Initiative Luxembourg for Finance wecken Hoffnung.

Wenn die Finanzplatz­initiative Luxembourg for Finance zu ihren – inzwischen virtuellen – Runden „Focus on ...“ (Fokus auf) mit rund 700 Teilnehmern rund um den Globus einlädt, dann stehen zwar die Strategien für den Finanzplatz des kleinen Großherzogtums im Vordergrund. Aber ganz frei machen von den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit können sich die Experten nicht machen. Und so fragen sich auch die Finanzmarktanalysten und Ökonomen, ob das kommende Jahr mehr Aufruhr und Unsicherheit bringt oder ob es einen Neuanfang nach der Corona-Krise geben wird.

Nicolas Mackel, Chef von Luxembourg for Finance und damit Haupt­repräsentant einer Branche mit 51 000 Beschäftigten, 500 Vermögensverwaltern, 291 Versicherern und 128 internationalen Banken sowie einem verwalteten Vermögen von 4,5 Bllionen Euro ist froh, „dass 2020 endlich vorbei ist“, sagt er ohne Wehmut. Noch viele Generationen würden sich künftig mit diesem „zerrissenen Jahr“ beschäftigen, auch zu Forschungszwecken.

Auch Premier Xavier Bettel wünscht sich nichts sehnlicher „als wieder Normalität, doch das Jahresende wird sich härter gestalten, als wir es gewollt haben.“ Politische Entscheidungen zu treffen, sei kein Alleingang: „Wir müssen auf Experten hören und trotzdem den kollateralen Schaden für Wirtschaft und Gesellschaft so gering wie möglich halten“, sagt er. Doch er sieht Luxemburg für 2021 gut gerüstet, zumal in seiner Regierungszeit der Luxemburger Staatshaushalt saniert worden sei. „Damit haben wir gute Voraussetzungen, die Wirtschaft mit Krediten zu unterstützen“, sagt Bettel. Steuererhöhungen als Kompensation für höhere Schulden erteilt er eine Absage: „Höhere Steuern sind Gift. Die Wirtschaft und Menschen sind bereits genug gestraft. Mir ist es lieber, in die Wirtschaft zu investieren als sie später wieder aufzubauen.“

Wasser auf die Mühlen der Finanzmarktexperten von Luxembourg for Finance. So lobt Keith O’Donnell, Parter bei Atoz Tax Advisors Luxembourg, eine spezialisierte Steuerberatungsfirma, die Unterstützung der Wirtschaft durch die Politik, vor allem, da die Entwicklungen in den Branchen extrem unterschiedlich seien: „Im Tourismus kämpfen viele ums Überleben, in der Tec-Branche wird viel Geld investiert“, sagt er. Allerdings sei auch der Einfluss der Politik auf die Wirtschaft gewachsen.

Das stellt auch Yves Nosbusch, Chefökonom der Bank BGL BNP Paribas fest. „Allerdings haben die höheren Staatsausgaben mit dazu beigetragen, dass der Niedergang der Wirtschaft 2020 weniger groß war als befürchtet“, sagt er. Für Luxemburg bedeute das zwar eine höhere Arbeitslosigkeit, aber auch ein Wachstum im kommenden Jahr von rund vier Prozent, prognostiziert er optimistisch. EU-weit soll das Wachstum sogar bei 5,6 Prozent liegen. Allerdings stehen und fallen die Prognosen mit der Durchimpfung der Menschen gegen Corona. „Je eher damit begonnen wird und je schneller viele Menschen geimpft werden, desto schneller erholt sich die Wirtschaft und desto mehr Geld wird wieder investiert“, sagt Nosbusch. Etwa in nachhaltige und grüne Anlagen. Schon heute ist Luxemburg darin führend mit 251 nachhaltigen und mehr als 355 grünen Bonds an der „Grünen Börse“ des Großherzogtums. Nosbusch ist überzeugt: „Wer das künftig als Investor nicht beachtet, geht unnötige Risiken ein und verliert viel Geld.“