Die Tram nimmt ihren Verkehr in Luxemburgs Hauptstadt auf. Die Politiker streiten über ihre Verdienste am Projekt.

Luxemburg : Es ist so weit: Die Tram geht an den Start

Das ist ein großer Tag für das Großherzogtum: An diesem Sonntag geht die neue Tram offiziell in Betrieb. Während die Hauptstädter dem Start gespannt und freudig entgegensehen, streiten Politiker darüber, wer wie viel Anteil an der Verwirklichung des Projekts hat.

  „Bei allem Respekt, das ist Realitätsverlust.“ Harte Worte von einem Transportminister, der nur wenige Tage vor einem der größten Erfolge seiner Legislaturperiode steht. Am Sonntag geht die Tram in Luxemburg-Stadt ganz offiziell an den Start. Die politischen Gemüter laufen aber jetzt schon heiß.

Minister François Bausch (déi gréng/Grüne) hatte die Nachricht am Donnerstag auf Twitter geschrieben, nachdem er ein Interview mit Claude Wiseler, dem Spitzenkandidaten der oppositionellen konservativen CSV im Luxemburger Wort gelesen hatte.

Wiseler hatte im Interview erklärt, dass es ihn „schon störe“, wenn davon gesprochen werde, dass die Tram ein Projekt der Grünen sei. Er habe den Text ausgearbeitet und dem Parlament vorgelegt, als er 2013 noch Transport- und Infrastrukturminister gewesen sei.

­Bausch schoss in einem Interview auf RTL nach und erklärte, die gesamte CSV Stad sei gegen das Projekt gewesen. „2014 hatte Claude Wiseler sogar Schwierigkeiten, seine eigene Fraktion dazu zu bringen, für das Projekt zu stimmen“, meinte er. Er selbst habe dagegen es „in unterschiedlichen Funktionen“ während Jahrzehnten begleitet. „Wenn man denkt, dass man auf der letzten Geraden solche Aussagen machen muss, finde ich das nicht sonderlich staatsmännisch“, legt der Transportminister nach.

In beiden Aussagen liegt wohl ein Fünkchen Wahrheit. Das Projekt Tram läuft eigentlich seit den 1990er-Jahren und wurde von zahlreichen Politikern und Parteien betreut. Nicht nur auf nationaler, sondern auch auf kommunaler Ebene. Im Gemeinderat der luxemburgischen Hauptstadt wurde über Jahre hinweg diskutiert, bevor die Tram Realität wurde.

Dementsprechend reagierte auch der Oppositionsleader auf den Twitter-Angriff des Transportministers: „Alle haben ein Verdienst an der Tram“, meinte Wiseler.

Unterdessen freut man sich in der Hauptstadt auf den Start der Tram.

Einige Infos zur Tram – sozusagen von Watt über Volt bis Elektrosmog:

Die Luxtram verbraucht Gleichstrom mit 750 Volt Spannung (Eisenbahnen der CFL: 25.000 Volt Wechselstrom). 750 V fallen nicht in die Kategorie Hochspannung.

Zudem erzeugt dieser Gleichstrom kein nennenswertes Maß an Elektrosmog. Auf dem zentralen Streckenstück zwischen der Haltestelle Rout Bréck/Pafendall und dem Hauptbahnhof verkehrt die Lux­tram über 3,6 Kilometer ohne Oberleitung.

Gespeist wird sie hier von Batterien, die an den Haltestellen innerhalb von nur 30 Sekunden aufgeladen werden, dies mit einem Ladestrom von bis zu 1.300 Ampere.

Beim Bremsen wird die Bewegungsenergie wieder zu einem guten Teil in elektrische Energie umgewandelt, die in Hochleistungskondensatoren (Supercaps) gespeichert wird und bei der Anfahrt wieder zur Verfügung steht.

Zwischen Rout Bréck und Héienhaff sowie Hauptbahnhof und Cloche d’or wird die Tram von einer normalen kupfernen Oberleitung versorgt.

Jeder Triebzug läuft auf vier zweiachsigen Drehgestellen („Bogies“), von denen drei angetrieben sind. Ihre zwölf Motoren sind insgesamt 840 kW stark.

Für die Luxtram wurde ein eigenes Design entworfen, für das Eric Rhinn aus Lyon verantwortlich zeichnet, Chef der Agentur Avant-Première. Er verfügt über etliche Referenzen aus dem öffentlichen Bereich. Ihm zur Seite standen die Lichtdesignerin Isabelle Corten und der Künstler Michel Leonardi, beide aus Lüttich.

Gutes Design ist kein Luxus: Die Erfahrung hat gezeigt, dass es diesem Transportmodus gegenüber dem Bus eine höhere Wertigkeit verleiht und damit dem öffentlichen Transport neue Kundenkreise erschließt.

Wie lenkt man eine Tram? Gar nicht! Geht nämlich nicht! Eine Straßenbahn fährt, wie jedes Schienenfahrzeug, ganz einfach in die Richtung, in der die Weichen liegen. Eine Tram passt denn auch automatisch in jede Kurve. Sobald ihre Nase an einem Objekt vorbeikommt, tut es der Rest der Fuhre ebenso.

Die Tram darf ohne Ausnahmegenehmigung länger als 18,75 Meter sein. Und führerscheinpflichtig ist sie auch nicht. Luxtram verlangt aber, dass jeder ihrer Fahrer im Besitz eines Führerscheines der Klasse B (Fahrzeuge mit maximal 3,5 Tonnen Masse und acht Passagieren) ist. Dies, damit sie über die nötige Kenntnis der Spielregeln im Straßenverkehr verfügen.

Tramfahrer unterliegen aber sehr wohl einer ganzen Reihe von Bestimmungen. Befreit sind sie aber zum Beispiel von der Pflicht, einem Hindernis auszuweichen, denn – siehe oben – selbst wenn sie wollten, könnten sie es nicht.

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