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Drogensituation im Großherzogtum hat sich gebessert

Luxemburg : Raus aus der Drogen-Schmuddelecke

Noch vor 20 Jahren hatte Luxemburg eine der höchsten Todeszahlen von Drogentoten in Europa. Doch die Zahl der Schwerstabhängigen hat sich seitdem nahezu halbiert. Eine Ursachenforschung.

Wer um die Jahrtausendwende am Luxemburger Bahnhof als Reisender oder Pendler ankam, konnte die Fixerszene kaum übersehen: Junkies, die sich in Gängen und Ecken ihren Schuss setzten, Reisende um Geld anschnorrten und zwischen parkenden Taxis Händel trieben. Das Bild heute: eine Kehrtwende.

Nicht, dass es heute keine schwerstabhängigen Drogensüchtige im Großherzogtum mehr gibt. Im Gegenteil: Noch immer gelten in der Gruppe der 15- bis 64-Jährigen fünf von 1000 Einwohnern als schwerst abhängig. Das sind nach dem jüngsten Drogenbericht des Gesundheitsministeriums geschätzt 2.160 sogenannte Hochrisikoabhängige. Vor 20 Jahren allerdings lag diese Quote mit neun Abhängigen je 1000 Einwohner noch fast doppelt so hoch – eine der höchsten Raten damals in Europa.

Auch die Zahl der Opfer einer tödlichen Überdosis hat sich im Großherzogtum massiv auf zuletzt sechs Menschen im Jahr 2020 reduziert, im vergangenen Jahr waren es noch fünf Opfer. Vor 20 Jahren waren dagegen noch 26 Nutzer harter Drogen verstorben.

Doch was ist passiert? Luxemburgs Drogenpolitik hat sich im Laufe der Jahre verändert, statt auf reine Repression setzt man auf Schadensbegrenzung, Betreuung und kontrollierte Freigabe von Sub­stitutionsprodukten oder Heroin.

Nachdem 2005 die erste „Fixerstuff“ in der Hauptstadt eröffnet wurde, in der Drogen und Spritzen unter Aufsicht abgegeben wurden, entstand 2012 das Drogenzentrum „Abrigado“, das neben der Fixerstube auch einen medizinischen Dienstraum und eine Nachtunterkunft für vier Dutzend Menschen bietet. Inzwischen gibt es auch eine Anlaufstelle mit Fixerstube in Esch/Alzette.

Zudem gibt es seit fünf Jahren ein Pilotprojekt „Jugend- an Drogenhëllef“ im hauptstädtischen Bahnhofsviertel: Es gibt gezielt zwei Mal täglich Heroin in Pillenform ab. Bislang an 66 Menschen. Ein ähnliches Tadiam-Projekt soll ebenfalls nun in Esch/Alzette entstehen, kommt immerhin ein Drittel der aktuell 25 Teilnehmer aus dem Süden des Landes. „Die Bilanz ist motivierend“, teilt die „Jugend- an Drogenhëllef“ in ihrem jüngsten Bericht mit: „Einigen gelang es dank des Diacetylmorphin-Programms (Heroin), ihren Konsum illegaler Drogen zu stabilisieren, eine neue Unterkunft zu finden und sich wieder in das tägliche Leben zu integrieren.“

Das Ziel all dieser Bemühungen: Menschenleben retten. Denn statt illegale Drogen in der Gosse zu konsumieren und sich infolge mehrfach genutzter Spritzen mit HIV oder Hepatitis anzustecken, sollen Betroffene von der Straße Hilfe erhalten. Allein die letzten Zahlen aus dem sogenannten „Nadelaustauschprogramm“ von 2018 zeigen: Die Drogenabhängigen nutzen das Angebot, damals wurden doppelt so viele saubere Spritzen ausgegeben als noch fünf Jahre zuvor. Das heißt aber auch: Der Bedarf ist da und die Junkies lassen sich behandeln. So ist etwa innerhalb von drei Jahren bis 2018 die Zahl der HIV-Neuinfektionen von 21 auf vier zurückgegangen. Aber auch ein veränderter Konsum in Form Heroin-Inhalation statt Injektion stellen die Verantwortlichen fest. Was auch auffällt: Die Schwerstabhängigen werden immer älter, so dass auch aufgrund der Gesundheitsprobleme ein anderer Betreuungsbedarf besteht: Lag das Alter der Schwerstabhängigen vor 20 Jahren im Schnitt bei etwa 29 Jahren, ist dieses auf etwa 40 Jahre angewachsen.

Insgesamt liegt Luxemburg inzwischen sowohl bei den Freizeitdrogen wie auch beim Hochrisikokonsum unter dem EU-Durchschnitt und dem seiner Nachbarländer. Cannabis ist nach wie vor die am häufigsten konsumierte illegale Droge, etwa ein Viertel der Luxemburger Bevölkerung hat bereits einmal im Leben an einem Joint gezogen, etwa zehn Prozent kiffen regelmäßig, etwa vier Prozent tun es täglich.

Wie stark sich die Corona-Pandemie auf den Drogenkonsum in Luxemburg ausgewirkt hat, ist erst in Ansätzen abzusehen: Einer Ministudie von 2020 zufolge haben 27 Prozent der Cannabis-Nutzer ihren Konsum erhöht, während knapp sieben Prozent der Konsumenten von Kokain und knapp sechs Prozent von Ecstasy weniger konsumiert haben, was mit der eingeschränkten Mobilität und der Schließung des Nachtlebens begründet wird. Kehrseite der Medaille: Ebenfalls gab es aufgrund des Lockdowns in der Drogen- und Suchtberatung (inklusive Alkohol und Medikamente) bei 146.000 Besuchen 5000 Beratungen im Jahr 2020 weniger als 2019.