Europas Adel trauert morgen in Luxemburg um Großherzog Jean

Monarchie : Europas Adel trauert morgen in Luxemburg um Großherzog Jean (Fotos)

Altgroßherzog Jean wird feierlich zu Grabe getragen. Königinnen, Könige, Prinzessinnen und Prinzen erweisen ihm die letzte Ehre.

Das Großherzogtum steht still, wenn sich das luxemburgische Volk und die Adelshäuser Europas am Samstagvormittag von Altgroßherzog Jean verabschieden. Der überaus beliebte Staatsmann war am 23. April im Alter von 98 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben.

Nicht nur Jeans fünf Kinder, 21 Enkel und zahlreiche Urenkel trauern, sondern auch sehr viele Luxemburger, die den Großherzog für seine freundliche, offene Art lieben gelernt hatten. In weniger als einer Stunde waren sämtliche öffentlichen Plätze für die Trauerfeier in der Kathedrale Notre-Dame vergeben, wo Jean in der Fürstengruft der Krypta beigesetzt wird, in der bereits seine Eltern und seine im Jahr 2005 verstorbene Frau, Großherzogin Joséphine Charlotte, ihre letzte Ruhe fanden.

Ab 11 Uhr findet die Trauermesse statt. Damit auch die große Öffentlichkeit daran teilnehmen kann, wird diese auf der Place d’Armes per Großleinwand übertragen.

Wie die Pressestelle des Großherzoglichen Palastes mitteilt, sind viele europäische Königshäuser bei dem Gottesdienst vertreten, den Erzbischof Jean-Claude Hollerich hält. Aus dem nahen Belgien reisen König Philippe und Königin Mathilde ebenso an wie das alte Königspaar – Jeans Schwager Albert mit Paola. Großherzogin Joséphine Charlotte war nämlich die Schwester Alberts. Die Häuser sind also eng miteinander verwandt. Das dürfte erklären, warum auch die Prinzessinnen Astrid, Léa und Elisabeth sowie die Prinzen Lorenz und Laurent Abschied nehmen.

Das niederländische Königshaus kündigt die Teilnahme von Prinzessin Beatrix an. Aus Großbritannien wird Prinzessin Anne erwartet, die Tochter der Queen. Laut Gala gehört sie wie der verstorbene Jean dem wichtigsten britischen Ritterorden an, den „Knights of the Garter“.  Auch der Duke of Gloucester kommt. Die entfernt verwandte dänische Königin Margrethe wird nach Auskunft des Hofes ebenso in Luxemburg sein wie der schwedische König Carl Gustav und Königin Silvia, Norwegens König Harald und Königin Sonia, die spanischen Majestäten Juan Carlos und Sofia, Prinz Albert II von Monaco, Erbprinz und Erbprinzessin von und zu Liechtenstein sowie vier Vertreter des jordanischen Königshauses: Prinz Hassan mit Prinzessin Sarvath, Prinz Rashid und Prinzessin Badi’a. Kein Wunder, dass Trauergäste bei all dieser Prominenz eine Sicherheits- und Passkontrolle passieren müssen, ehe sie in die Kathedrale dürfen.

Unter den Trauergästen werden zweifellos auch viele Pfadfinder sein: Auch im hohen Alter ließ sich der naturbegeisterte Großherzog als Luxemburger „Chef-Scout“ Pfadfindertreffen nicht entgehen.

1944 hatte Jean nach dem Exil in Kanada und Großbritannien in den Reihen der Alliierten in Caen und Brüssel gegen die Deutschen gekämpft und war vom luxemburgischen Volk bei seiner Rückkehr als Held und Befreier ins Herz geschlossen worden. Von 1964 bis zum Jahr 2000 war er Großherzog, dann übernahm sein Sohn Henri. „Diskret“ und „skandalfrei“ sind Begriffe, die immer wieder fallen, wenn von dem ehemaligen Herrscher die Rede ist. Das Wohl seines Landes habe für ihn immer an allererster Stelle gestanden. Zwölf Tage lang hat sein Land nun innegehalten und um ihn getrauert.

Am Samstag endet die offizielle Staatstrauer, die trotz der großen Ergriffenheit vieler Luxemburger auch zu Kritik führte. Sind in diesen zwölf Tagen doch zahlreiche lange geplante öffentliche Veranstaltungen abgesagt worden.