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Ganz Luxemburg im Freudentaumel

Ganz Luxemburg im Freudentaumel

Höhepunkt der Luxemburger Märchenhochzeit: Mit einem innigen Kuss auf dem Balkon des Palais besiegeln Erbgroßherzog Guillaume und seine Stéphanie ihre Liebe. Rund 30 000 Luxemburger und viele ausländische Gäste feiern begeistert und ausgelassen bis spät in die Nacht.

Luxemburg. So nah kommt das einfache Volk den Königen und Prinzen, Herzögen und Grafen aus ganz Europa selten. Nur etwa zehn Meter trennen beide voneinander auf ihrem kurzen Weg über den roten Teppich in die Luxemburger Kathedrale.
Und sie sind fast alle gekommen, aus 25 Monarchien aus der ganzen Welt, um mit Erbgroßherzog Guillaume aus Luxemburg auch den letzten Thronfolger in Europa mit der belgischen Gräfin Stéphanie de Lannoy zu vermählen: die Königinnen Silvia (Schweden), Beatrix (Niederlande), Margrethe (Dänemark), die Könige aus Norwegen, Griechenland, Rumänien, Belgien sowie deren Kinder, die jungen Wilden der Kronprinzen- und Thronfolger-Riege. Nur die Briten haben mit Prinz Edward zur Enttäuschung aller nur die zweite Garde zur Hochzeit geschickt.
Je nobler die Karosse


Schon mit der Anfahrt der ersten von 1400 Gästen gibt\'s ersten Applaus. Je prominenter die Gäste, je nobler die Karosse, desto größer der Jubel. Da steigt Victoria von Schweden aus, lächelt in die Kameras, winkt ins Volk, posiert vor den Fotografen. Ebenso Maximá aus den Niederlanden und Mette-Marit von Norwegen. Profis eben. Sympathische dazu.
Die Luxemburger Armee marschiert mit ihrer Kapelle auf, spielt die Hymne des Großherzogs, als dieser vorfährt und unter dem Jubel seiner Untertanen zur Kathedrale schreitet. Der Bräutigam in Gardeuniform wird von seiner Mutter, Großherzogin Maria Teresa, begleitet. Die Anspannung sieht man ihm an -, aber auch die Freude darüber, dass ihn das ganze Land auf dem Weg zum Traualtar unterstützt.
Dann kommt die Braut: "Oh! Ah! Ist die schön!", kommentieren einige eingefleischte Royal Watchers (Königsgucker) aus Italien, Belgien und Schweden, die eigens zur Prinzenhochzeit nach Luxemburg gereist sind.
Im Prinzessinnen-Kostüm



Zeitgleich mit dem Einmarsch der Braut am Arm ihres ältesten Bruders Jehan de Lannoy ist auch der Platz Knuedler zur Live-Übertragung auf der Großbildleinwand gefüllt. Einige Damen halten ein Glas Sekt in der Hand, ein Mädchen sitzt im Prinzessinnen-Kostüm auf den Schultern ihres Vaters, dort steht ein Mann mit einem Baguette. Er kam gerade vom Einkauf und mischt sich wie zufällig unter die Zuschauer.
"Die Braut ist ja so sympathisch. Sie gehört jetzt schon zu uns", sagt ein Luxemburger ergriffen. Die neue Erbgroßherzogin hat die Herzen der Luxemburger längst erobert. Und als dann per Leinwand ihr Jawort in der Landessprache "Jo, ech wëll!" übertragen wird, jubeln Tausende, schwenken Fähnchen mit dem Konterfei des Brautpaares, stoßen auf das junge Glück an.
"So eine liebe Großherzogin werden wir nie wieder bekommen", sagt Helene Glesius tief berührt. Sie ist schon morgens um halb sechs aus Clef im Norden Luxemburgs aufgebrochen, um bei der Hochzeit dabei sein zu können. "Dies ist eine nationale Angelegenheit. Eine Pflicht für jeden Luxemburger. So etwas erlebe ich nicht wieder", ist sich die 63-Jährige sicher und schaut wieder auf die Leinwand, um auch janichts zu verpassen.
Das wollen auch die Tausenden Fans der royalen Hochzeit nicht, die sich allmählich vor dem großherzoglichen Palais versammeln. Von weitem hört man 101 Kanonenschüsse - genauso viele wie vor 31 Jahren zur Hochzeit von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa. Auf dem Platz vor dem Palais wird\'s eng, immer mehr Schaulustige kommen, darunter auffällig viele junge Leute und Familien mit kleinen Kindern. Das Brautpaar lässt sich Zeit, ein Baby wird noch schnell gefüttert, eine Frau hat sich zur kurzen Entspannung die Schuhe ausgezogen.
Endlich! Gegen 13.30 Uhr öffnet sich die Balkontür: Guillaume und seine Stéphanie treten heraus. Sie winken, sehen erleichtert und zugleich freudig überrascht aus. Das junge Volk kreischt, die Älteren klatschen, Kinder winken und schwenken rot-weiß-blaue Fähnchen. Und dann: der Kuss. Ein kurzer, aber inniger Kuss. Einer, der den Fotografen und den jubelnden Zuschauern aber noch nicht reicht. Es folgen weitere Küsschen. Der Rest der großherzoglichen Familie tritt auf den Balkon. Alle winken, wirken gelöst und ausgelassen. Dann ein Zeichen großer Zuneigung: Die Großherzogin küsst ihre neue Schwiegertochter. Wieder großer Jubel.
Die Menschen scheinen sich nicht sattzusehen an der Idylle. "Ich bin so ergriffen", sagt Rita Biondi aus Schifflingen, wischt sich eine Träne nach der anderen aus dem Auge und winkt der Luxemburger Herrscherfamilie zu. "Das ist alles sooo schön!"
Und weil's so schön ist, fordert das Volk einen weiteren Liebesbeweis. Einen Kuss noch, deutet Erbherzog Guillaume mit seinem hochgestreckten Daumen an. O.k. Ein letzter, langer, leidenschaftlicher Kuss, ehe das Paar fürs erste wieder hinter den Palais-Mauern verschwindet.
Berauscht von der Luxemburger Märchenhochzeit bereitet sich das Volk nun auf seine Feier vor - mit Konzerten und Feuerwerk bis spät in die Nacht.