„Noch nie einer davongefahren“ Neues Polizeiboot auf der Mosel: Wofür es eingesetzt wird

Grevenmacher · In Luxemburg gibt es ein neues Polizeiboot. Auf dem Wasser wird auch grenzübergreifend zusammengearbeitet. Welche Einsätze häufig vorkommen und was das neue Boot alles kann.

 In Luxemburg gibt es ein neues Polizeiboot, das auf der Mosel unterwegs ist.

In Luxemburg gibt es ein neues Polizeiboot, das auf der Mosel unterwegs ist.

Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Vergangene Woche wurde ein neues Polizeiboot auf der Mosel getauft. Das Tageblatt hat sich nun mit Mike Greisch, dem leitenden Kommissar aus Grevenmacher, über die Aufgabenbereiche der Bootsbesatzung, aber auch über das vorhandene Equipment unterhalten.

Was das neue Polizeiboot auf der Mosel zu bieten hat

Getauft wurde das neue Boot der Polizei auf den Namen „Golf 70“. Der Buchstabe G wird im NATO-Alphabet „Golf“ genannt und steht für den Standort Grevenmacher, während die Sieben für die Einheit und die 0 für das Boot selbst steht. „Golf 70“ hat eine Besatzung von zwei bis drei Polizisten. Maximal bietet es Platz für sieben Personen. Dank einer geschlossenen Kabine ist die Besatzung den Wetterbedingungen nicht mehr schutzlos ausgeliefert. Das sah bei dem alten Boot, das nach 19 Jahren im Dienst ausgemustert wurde, noch ganz anders aus.

Für Einsätze während der Wintermonate gibt es an Bord sogar eine Heizung. Das neue Polizeiboot ist komplett aus Aluminium und mit einem Yamaha-Verbrennungsmotor mit 200 PS ausgestattet. Die Höchstgeschwindigkeit auf dem Wasser beträgt rund 70 Stundenkilometer. „Das reicht vollkommen aus. Uns ist nämlich noch nie einer davon gefahren. Spätestens bei der nächsten Schleuse haben wir den Flüchtigen wieder eingeholt“, sagt Mike Greisch, der leitende Kommissar aus Grevenmacher, sichtlich zufrieden.

Zudem ist „Golf 70“ mit einem Sonar-GPS ausgestattet. Die Polizisten können damit das Ufer, aber auch den Untergrund der Mosel nach Vermissten oder großen Stücken (wie zum Beispiel einem verunglückten Auto) absuchen. Auch größere Fischschwärme können die Polizisten mit Sonar-GPS aufspüren.

Wie das Polizeiboot besetzt wird

Sechs Polizisten und ein Zivilist übernehmen die unterschiedlichen Aufgaben, die beim „Golf 70“ anfallen. Doch auch an Land müssen die Polizisten zusätzliche Aufgaben meistern, denn sie gehören auch noch zur „Police de la route“. „Momentan verbringen wir immer einen ganzen Schichttag auf dem Wasser. Das soll sich jedoch ändern, wenn der neue Steg gegenüber vom neuen Polizeikommissariat fertiggestellt wird. Dann können wird spontaner und schneller handeln“, sagt Greisch.

Die Arbeiten am Steg sollen Anfang 2025 abgeschlossen sein. Die Rettungsmannschaften des CGDIS werden diesen Quai samt Bootskran ebenfalls nutzen. Die Männer und Frauen der „Police de la route“ müssen alle über eine Motorradausbildung verfügen. „Jedes Mitglied der Bootsmannschaft muss zudem noch den Bootsführerschein erfolgreich abgeschlossen haben, bevor es seinen Dienst beginnt“, verrät der leitende Kommissar aus Grevenmacher dem Tageblatt.

Wofür das Polizeiboot genutzt wird

Die Hauptaufgabe der Bootsmannschaft liegt darin, die private Schifffahrt zu kontrollieren und Verstöße gegebenenfalls zu ahnden. Doch auch bei Sportveranstaltungen wie dem Ironman-Triathlon in Remich soll „Golf 70“ als Begleitboot eingesetzt werden. „Wir fahren von Grevenmacher immer in Richtung Remich, da dort die meisten privaten Schiffe unterwegs sind“, schildert Greisch, der die Arbeit auf dem Wasser sehr schätzt: „Die Menschen genießen ihre Freizeit auf ihren Booten und sind weniger gestresst als im Straßenverkehr. Dementsprechend fallen die Kontrollen respektvoller und unaufgeregter aus“.

Das ändert sich auch nicht, wenn mal ein Bußgeld wegen eines Verstoßes anfällt. „Wir kontrollieren auf dem Wasser auch Jetski-Fahrer und Angler. Sollten wir einen Jetski-Fahrer erwischen, der außerhalb des gesetzlich zugelassenen Zeitfensters unterwegs ist, dann fällt eine Strafe von 100 Euro an“, so Greisch. Die meisten Einsätze fährt das Polizeiboot bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen. An normalen Wochentagen ist einfach nicht genug los auf der Mosel.

Die Polizei aus Luxemburg arbeitet immer wieder mit ihren Kollegen aus den Nachbarländern zusammen. Auf der Mosel wird da keine Ausnahme gemacht. „Unsere deutschen Kollegen kümmern sich fast ausschließlich um die Frachtschiffe. Bei einigen dieser Kontrollen dürfen wir sie auch begleiten. Bei diesen Manövern können wir viel lernen“, sagt Greisch. Bei diesen Einsätzen gefällt dem langjährigen Polizisten vor allem das Übersetzen von einem Boot ins andere. Das natürlich während der Fahrt. „Die ersten paar Male kostet das schon richtig Überwindung. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch daran“, sagt Greisch und lacht.