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Großherzoglicher Hof in der Krise: Sonderbeauftragter legt Bericht vor

Luxemburg : Emotionaler Brief: Großherzog Henri verteidigt seine Frau

Seine ganze Familie leide unter den Anschuldigungen, schreibt Großherzog Henri in einem offenen Brief. Seine Frau Maria Teresa steht wegen der Personalpolitik des Hofes in der Kritik.

Die Krise, in der die luxemburgische Monarchie aktuell steckt, spitzt sich zu. Das zeigt auch ein am Montag veröffentlichter Brief, in dem Großherzog Henri seine Frau vehement verteidigt. Geschrieben hat der Großherzog diesen Brief – wie er selbst betont – am Krankenbett seines Schwagers in einer Genfer Intensivstation. Was er zu sagen hat, ist demnach dringlich.

Wohl auch deshalb, weil luxemburgische Medien aktuell wieder intensiv über die Kritik am großherzoglichen Hof berichten, in deren Zentrum die Personalpolitik des Palastes steht. Im Sommer 2019 hatte Premier Xavier Bettel den Finanzexperten Jeannot Waringo beauftragt, die Personal- und Finanzverwaltung des Hofes zu prüfen. Vorausgegangen waren Artikel von reporter.lu, denen zufolge seit 2015 mehr als 30 Angestellte der „Cour grand-ducale“ entlassen wurden oder nach kurzer Zeit selbst kündigten.

Wie RTL am Wochenende vermeldete, hat Waringo seinen Bericht inzwischen Premierminister Xavier Bettel überreicht. Ein Dokument, das Gerüchten zufolge Brisantes über Großherzogin Maria Teresa ans Licht bringen könnte.

Henri ergreift nun in dem offenen Brief Partei für seine Frau. Versendet wurde dieser an die Presse erstaunlicherweise in vier verschiedenen Sprachen: Französisch, Luxemburgisch, Englisch und Spanisch. Nicht aber in Deutsch. Jener Sprache, in der die meisten der kritischen Artikel verfasst worden waren.

Aus dem Bedürfnis nach Offenheit, Transparenz und Modernität habe er den internen Untersuchungen, die der Premierminister vorgeschlagen habe, zugestimmt, schreibt der Großherzog. Während man die Ergebnisse des Berichts abwarte, seien Artikel erschienen, in denen die Medien seine Frau – eine fünffache Mutter und ganz liebe Großmutter – zu Unrecht beschuldigten – „d’Mamm vun eise fënnef Kanner an eng ganz léif Groussmamm. Meng ganz Famill leit drënner.“ Seine ganze Familie leide darunter, schreibt das Staatsoberhaupt und fragt: Warum eine Frau attackieren? Eine Frau, die sich für Frauen einsetzt? Eine Frau, die sich nicht einmal selbst verteidigen darf?

Hier im luxemburgischen Wortlaut: Der Brief, in dem Henri seine Frau verteidigt. Foto: TV/Katharina de Mos

„Die Großherzogin macht, was sie will“, war kürzlich in der Wochenzeitung „Luxemburger Land“ zu lesen. Ein Artikel, dessen Inhalte auch das „Tageblatt“ und andere Zeitungen verbreiteten: Zitiert wurden anonyme Zeugen, die dem Hof nahe stehen. Maria Teresa halte die Zügel fest in der Hand, bestimme die Geschäfte und den Rhythmus am Hof. Angestellten betrachte sie letztlich als „Leibeigene“.

Worte, gegen die sich der Großherzog nun wehrt. Seit seiner Thronbesteigung sei es ihnen ein gemeinsames Anliegen gewesen, die konstitutionelle Monarchie zu modernisieren und diesen Weg wolle man fortsetzen. Das, wofür seine Frau kämpfe, sei wichtig: der Kampf gegen Lese-und Rechtschreibschwäche, sexuelle Gewalt oder die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, die in afrikanischen Gefängnissen sitzen ... Er sei stolz auf das Engagement, die Intelligenz und die Energie seiner Frau.

Auch eine der brisantesten Fragen, die Presseberichte zuletzt aufwarfen, scheint der Brief zu beantworten: Steht der Großherzog wegen des Waringo-Berichts womöglich kurz davor, abzudanken? „We will continue to serve you“, steht da auf Englisch. „à être là pour vous et pour le Luxembourg“, auf Französisch. Die nicht vorhandene deutsche Variante würde in etwa lauten: „Wir werden Ihnen weiter dienen, für Sie da sein und für Luxemburg.“

Die „Bunte“ bezeichnet Henris Reaktion als „starkes Statement“, erklärt aber sicherheitshalber doch, wie es nach einem Rücktritt des Großherzogs weitergehen würde: Dann könnte Erbgroßherzog Guillaume von Luxemburg (38) Henris Nachfolge antreten.