Hier kommt Luxemburgs Trinkwasser her

Umwelt : Hier kommt Luxemburgs Trinkwasser her

Luxemburgs größter Trinkwasserversorger Sebes („Syndicat des eaux du barrage d’Esch-sur-Sûre“) baut seit Mai 2017 in Eschdorf an einer neuen Anlage zur Aufbereitung von Oberflächenwasser. 2021 soll die erste der beiden Aufbereitungsstraßen erstmals in Betrieb genommen werden.

Das Luxemburger Tageblatt hat sich vor Ort darüber erkundigt, wie die Anlage arbeiten wird und wie der Bau voranschreitet. Wieso eine neue Anlage?

79 von 102 Gemeinden in Luxemburg werden zumindest  teilweise durch das Syndikat Sebes (siehe Extra) mit Trinkwasser versorgt, das überwiegend aus dem Obersauer-Stausee gewonnen wird. Die bestehende Aufbereitungsanlage in Esch/Sauer, die das Seewasser trinkfertig macht, kann pro Tag maximal 72 Millionen Liter Wasser bereitstellen.

Zählt man die 38 Millionen Liter Grundwasser, die aus Reservebohrungen an vier Standorten gefördert werden können, hinzu, kann Sebes insgesamt bis zu 110 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag an die angeschlossenen Gemeinden liefern.

Im Hintergrund ist das Reservebecken der Sebes zu sehen,  vorn eine der Versorgungsleitungen. Foto: Steve Peffer, Luxemburger Tageblatt

Das hört sich erst einmal nach sehr viel an, bei wachsender Bevölkerung wird diese Grenze jedoch bald erreicht sein. So wurden im letzten Jahr an Spitzentagen fast 94 Millionen Liter Sebes-Wasser verbraucht.

Georges Kraus, Sebes-Direktor. Foto: Steve Peffer, Luxemburger Tageblatt

Da es zu riskant wäre, die laufende Anlage zu vergrößern, wurde 2011 beschlossen, in Eschdorf eine neue zu errichten. Am gleichen Standort befindet sich ohnehin der Haupttrinkwasserbehälter der Sebes, dessen Fassungsvermögen im Rahmen des Gesamtprojekts von 35 Millionen auf 50 Millionen Liter erweitert wird.

Zwischen 1953 und 1958 wurde die Talsperre in Esch/Sauer gebaut. Foto: Archiv Luxemburger Tageblatt

Die neue Anlage soll auf ihren vier Stockwerken täglich bis zu 110 Millionen Liter Wasser aufbereiten können. Ihre bemerkenswerteste Eigenschaft ist jedoch die, dass es sich eigentlich um zwei eigenständige und voneinander getrennte Anlagen handelt.

Die Staumauer ist 47 Meter hoch und unten 4,50 Meter dick. Foto: Archiv Luxemburger Tageblatt

Auch das Leitungssystem von der Wasserentnahme bis zum Verteiler in „Schankengraecht“ rund acht Kilometer südlich von Eschdorf wird mit diesem Projekt verdoppelt. Auf diese Weise wird das Risiko eines Totalausfalls bei einem Brand oder Leitungsbruch minimiert.

So sieht die Baustelle der Wasseraufbereitungsanlage zurzeit aus. Foto: Steve Peffer, Luxemburger Tageblatt

Die neue Anlage arbeitet zudem effizienter. Aktuell dauert der Aufbereitungsprozess des Rohwassers etwa acht Stunden und soll auf unter drei Stunden reduziert werden – bei 15 Prozent weniger Stromverbrauch. Sebes bezieht übrigens seinen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien.

Neben der Wasseraufbereitungsanlage wird ein vierstöckiges Verwaltungsgebäude mit 25 Büros für die Angestellten, Sitzungssälen, einem Besucherzentrum und einem Labor errichtet. Ergänzt wird das Gelände durch eine Werkstatt, mehrere Ateliers und zwei Lagerhallen. In Esch/Sauer, 500 Meter unterhalb der Staumauer, entsteht außerdem ein neues Pumpwerk, welches das geschöpfte Seewasser grob reinigt und nach Eschdorf hochpumpt.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 166 Millionen Euro, zusammengesetzt aus Kosten für den Bau bzw. die Erweiterung der Gebäude und Leitungen sowie für den Abriss der alten Anlage, einem Sicherheitsfonds und diversen Nebenkosten. Auf eine Betriebsdauer von 30 Jahren hochgerechnet ist der Neubau trotzdem rund 50 Millionen Euro günstiger, als es der Umbau der bestehenden Anlage gewesen wäre.

Wie aus Stauseewasser Trinkwasser wird, lest ihr hier.

Der Autor ist Redakteur
beim Luxemburger Tageblatt