Immer mehr Betriebe gehen in Luxemburg pleite. Warum das so ist.

Kostenpflichtiger Inhalt: Konjunktur : Der Pleitegeier kreist über Luxemburg - Warum immer mehr Betriebe Konkurs gehen

Immer mehr Betriebe gehen in Luxemburg pleite. Grund ist die Veränderung der Wirtschaft – aber auch ein fehlendes modernisiertes Insolvenzrecht.

Der Pleitegeier kreist über Luxemburgs Unternehmen: So viele Betriebe sind im Großherzogtum in Konkurs gegangen wie noch nie zuvor (siehe Infografik), das hat die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ermittelt. „Mit einer Steigerung um 5,7 Prozent auf 1263 Firmenpleiten im gesamten vergangenen Jahr besteht der absolute Höchststand der Konkurse in Luxemburg“, sagt Herbert Eberhard, Geschäftsführer (Administrateur délégué) von Creditreform Luxemburg.

Spitzenreiter dabei ist wie in den Jahren zuvor weiterhin die Dienstleistungsbranche mit 884 Fällen (plus 6,25 Prozent) und einem Anteil von 70 Prozent. Trotz guter Konjunktur im Baubereich sind die Firmenpleiten um 9,8 Prozent von 99 auf 124 Unternehmen gestiegen. Mit 253 Firmenzusammenbrüchen und einem Anteil von 20 Prozent ist der Handel nahezu gleichgeblieben (2018: 254). Im produzierenden Gewerbe gab es 2019 in Luxemburg lediglich zwei Firmenpleiten.

„Die trotz guter Konjunktur eingetretenen Höchstwerte bei den Konkursen sind Zeichen des Strukturwandels“, analysiert Herbert Eberhard. Hintergrund dafür sei, dass das Großherzogtum weniger abhängig von klassischen Finanzdienstleistern geworden sei, die Steuervorteile ausnutzen könnten. Hinzukomme die Neuausrichtung der Wirtschaft, unter anderem in der Medizintechnik. Dabei haben jüngere Betriebe durchaus bessere Karten, für Luxemburgs Strukturwandel gewappnet zu sein, liegt der Anteil der jüngeren Betriebe an den Insolvenzen bis zu einem Alter von fünf Jahren bei 24 Prozent, der der älteren Unternehmen bei 76 Prozent.

Insolvenzen in Luxemburg. Foto: TV/Schramm, Johannes

Überwiegend betroffen von Konkursen sind nach Angaben des Creditreform-Chefs kleine Unternehmen. „Ihr Anteil macht seit Jahren mehr als 70 Prozent aus“, sagt Herbert Eberhard. „Hier haben sich die Probleme über die Zeit nicht verändert: Vielen Unternehmen gelingt es einfach nicht, sich an geänderte Marktbedingungen wie das Internet oder die Unternehmensnachfolge anzupassen.“

Doch es gibt weitere Hiobsbotschaften von Creditreform. So schätzt der Chef der Luxemburger Auskunftei, dass aufgrund der wirtschaftlichen Umstrukturierung die Konkursentwicklung „weiterhin auf hohem Niveau bleiben wird“, sagt Eberhard.

Umso dringlicher wird eine Reform des Luxemburger Insolvenzrechts, die seit Jahren im Gespräch ist. Bereits vor sieben Jahren ist 2013 vom damaligen Justizminister François Biltgen (CSV) ein Gesetzentwurf vorgelegt worden; passiert ist bislang nichts – außer, dass 2018 die Luxemburger Handelskammer (Chambre de Commerce) eine Analyse des Gesetzentwurfs vorgelegt hat und der Staatsrat im Dezember 2018 eine Stellungnahme dazu abgegeben hat. Dieses beratende Gremium muss über jedes Gesetzesprojekt in Luxemburg informiert werden.

Dabei hat der Staatsrat den Vorschlag zur Modernisierung des Luxemburger Insolvenzrechts in seinen 150 Gesetzesänderungen scharf kritisiert. Eigentlich sollen die Konkursverfahren stärker vereinheitlicht und vereinfacht werden und die Prävention gefährdeter Betriebe gestärkt werden. Doch der Staatsrat nannte den bisherigen Entwurf „rechtsunsicher“. Außerdem sollte Unternehmern von Rechts wegen eine zweite Chance im Falle eines Konkurses gewährt werden, sofern sie erneut ein Unternehmen gründen wollen, fordert der Rat.

Auch die Handelskammer des Großherzogtums sieht den bisherigen Gesetzentwurf kritisch. So genüge der Text „der Realität des luxemburgischen Wirtschaftsgefüges aus vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht ausreichend“, lautet die Kritik. In der Insolvenzprävention reiche „die einfache Erkennung von Unternehmen in Schwierigkeiten nicht aus“. Außerdem werde die Haftung der Unternehmer erhöht. Eine Abgeordnetenkommission von sechs Parlamentariern hat zwar ihre Arbeit erneut aufgenommen. Allerdings könnte das Gremium nur kurz tagen. Schließlich wird der Chef der Gruppen, Franz Fayot (LSAP), am 4. Februar Luxemburgs neuer Wirtschaftsminister – und das neue Insolvenzrecht lässt weiter auf sich warten.