Immobilien sind die Grundlage des Luxemburger Reichtums

Immobilien sind die Grundlage des Luxemburger Reichtums

Wie kommen die Luxemburger zu ihrem Vermögen? Investitionen in Immobilien sind die größte Anlageklasse der Bewohner des Großherzogtums. Dies geht aus einem Arbeitspapier der luxemburgischen Zentralbank (BCL) hervor.

Luxemburg. Rund 50 Prozent der in Luxemburg ansässigen Haushalte besitzen die Immobilie, in der ihre Mitglieder leben. 21 Prozent der Luxemburger verfügen zusätzlich zum Wohneigentum noch über weiteren Immobilienbesitz. Dieses nicht selbst genutzte Wohneigentum ("Other real estate property" oder OREP) macht rund ein Drittel des Gesamtnettovermögens der Einwohner des Landes aus. Das alles fördert ein Arbeitspapier der luxemburgischen Zentralbank (BCL) zutage.
Vermögen wächst und wächst


Der Wert der klassischen finanziellen Vermögenswerte beträgt demnach nur ein Drittel des Werts der OREP. Ein Drittel der OREP wird laut BCL vermietet. Diese Quote liegt über dem Durchschnitt der Eurozone.
Rund ein weiteres Drittel dieser Immobilien werden privat genutzt, zum Beispiel als Zweitwohnsitz. 13 Prozent bleiben ungenutzt. Dieser Anteil liegt unter dem Eurozonendurchschnitt, ist aber höher als in den Nachbarländern.
Nur zwei Drittel dieser Immobilien befinden sich im Großherzogtum, elf Prozent der OREP von luxemburgischen Haushalten liegen in Portugal und 14 Prozent in den angrenzenden Ländern.
Den Daten der Zentralbank zufolge hat der Wert der Immobilien in Luxemburg zwischen den Jahren 1990 und 2010 um durchschnittlich 6,2 Prozent pro Jahr zugenommen. Das bedeutet, dass sich der Wert eines Objektes rund alle zehn Jahre verdoppelt. Die Tatsache, dass die jährliche Wertzunahme in den angrenzenden Ländern im gleichen Zeitraum nur rund drei Prozent betrug, erklärt laut Arbeitspapier "den substanziellen Unterschied, was den Reichtum der Haushalte diesseits und jenseits der Grenzen angeht".
Genau 13 Prozent der in Luxemburg ansässigen Haushalte erhalten Mieteinnahmen aus Immobilien. In diesen Haushalten betragen die durchschnittlichen Einnahmen hierdurch etwa 2000 Euro pro Monat. Dieser Wert liegt wesentlich über dem Durchschnitt der Euro-Zone.
Der durchschnittliche Wert des Vermögens der Luxemburger liegt mit 710 100 Euro weit über dem der Einwohner der angrenzenden Gebiete. So beträgt der Wert des Reichtums der Menschen in Deutschland mit rund 195 170 Euro nur rund ein Drittel des Wertes hierzulande.
Das Arbeitspapier der BCL geht auch auf Sorgen über eine mögliche Überbewertung der Immobilienpreise im Großherzogtum ein. So seien anhand von Techniken, die auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angewandt würden, die Preise untersucht worden. Das Ergebnis: Zwischen den Jahren 2005 und 2008 sei der Preis von Häusern sehr wohl überbewertet gewesen. Der Preisverfall nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA im Jahr 2008 habe die Preise aber wieder auf ein vertretbares Niveau gesenkt, und heute gebe es keinen empirischen Anhaltspunkt mehr für eine Immobilienblase in Luxemburg.
"Worin soll man investieren, wenn nicht in Immobilien?" Dieses Tamir Sapir, einem New Yorker Geschäftsmann und Investor, zugeschriebene Zitat trifft also perfekt auf das Investitionsverhalten der Luxemburger Haushalte zu.
Der Autor ist Redakteur beim Luxemburger Tageblatt.

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