Lexikon zu Märchen auf Luxemburgisch.

Lexikon : A well se net gestuerwe sinn

Et wor emol, es war einmal – so beginnen alle Märchen, auch im Luxemburgischen, und hier heißen die Märchen Märecher. Wie die einzelnen, im Deutschen bekannten Geschichten, auf Lëtzebuergesch heißen, werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt verraten.

Zunächst geht es um den Wortschatz rund um die magesch Welt (magische Welt). Denn da gibt es houfreg Keeseren (eingebildete oder stolze Kaiser), schéi Prinzessinnen (schöne Prinzessinnen), gutt Feeën (gute Feen) und eegenaarteg Déiere (eigenartige Tiere). Hinzukommen Prënz (Prinz), Wiichtelcher (Wichtel) und Draach (Drache). Auch dräi Wënsch (drei Wünsche dürfen die Figuren äußern, Gefahr droht vom Ris (Riesen).

Viele Märecher wurden von den Bridder Grimm (Gebrüder Grimm) verfasst, gelten sie doch als die berühmteste Märchensammlung der Welt und nach der Lutherbibel als das weltweit erfolgreichste Buch der deutschen Kulturgeschichte. Viele dieser Märchen wurden einfach ins Luxemburgische übersetzt, es gibt aber auch originär luxemburgische Geschichten.

Und so heißen die Märchen teils wie im Deutschen auch, nämlich Schneewittchen oder Dornröschen, teils wurden sie ins Luxemburgische übertragen wie etwa das Rout- oder Rootkäppchen, Hänsel a Gréidel (Hänsel und Gretel), Äschepuddel (Aschenputtel), De Wollef an déi siwwe Bëtschelcher (Der Wolf und die sieben Geißlein) oder auch Den dichtege Schneiderchen (Das tapfere Schneiderlein).

Aber auch Sergej Prokofiews Peter und der Wolf hat eine luxemburgische Version, nämlich De Pierchen an de Wollef, ebenso wie Hans Christian Andersens Märchen D’Schnéikinnegin (Die Schneekönigin) oder D’Meedche mat de Fixspéisn (Das Mädchen mit den Schwefelhölzern).

Eine Luxemburger Besonderheit ist allerdings die Version der Bremer Stadtmusikanten. Die heißen D’Musikante vu Stadbriedemës, also wörtlich: Die Musikanten von Stadtbredimus, ein Ort an der Luxemburger Obermosel.

Und weil jedes Märchen mit den Worten „Und wenn sie nicht gestorben sind ...“ endet, tun sie dies auch auf Luxemburgisch: „A well se net gestuerwe sinn ...“

Sabine Schwadorf

Mehr aus dem Lëtzebuergeschen im Buch „Luxemburger Allerlei“ von Sabine Schwadorf, Verlag Michael Weyand, 14,80 Euro

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