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Luxemburg bietet Frankreich Geld für Cattenom-Abschaltung

Luxemburg bietet Frankreich Geld für Cattenom-Abschaltung

Das französische AKW Cattenom nahe der Grenze zu Deutschland und Luxemburg gilt als sehr störanfällig. Luxemburgs Premier Bettel bringt nun eine Finanzhilfe für den Fall der Abschaltung ins Spiel. Saarbrücken und Mainz sehen den Vorschlag als wenig realistisch an.

Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel hat Frankreich Geld im Fall einer Abschaltung des grenznahen Atomkraftwerks Cattenom angeboten. Ein möglicher Betrag sei bei einem Treffen mit dem französischen Premierminister Manuel Valls am Montag in Luxemburg nicht genannt worden, sagte ein Sprecher Bettels am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Er bestätigte einen Bericht der Zeitung "Luxemburger Wort". Das Saarland und Rheinland-Pfalz halten nichts davon, die Franzosen finanziell zu entschädigen.

Zwar begrüßte Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) am Dienstag grundsätzlich den Vorschlag, der die Forderung der Anrainer nach einem Abschalten der Meiler unterstreiche. Aber: "Wir können nicht alle schrottreifen und Pannen anfälligen Meiler, die uns von belgischer oder französischer Seite bedrohen können, aufkaufen, um sie dann abzuschalten", erklärte Jost. Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).

Ihre rheinland-pfälzische Amtskollegin Eveline Lemke (Grüne) erklärte: "Es darf nicht sein, dass Staaten anderen Staaten politische Entscheidungen abkaufen." Frankreich müsse endlich seiner Verantwortung für die Sicherheit der Menschen - auch der in den Anrainerstaaten - gerecht werden.

"Wenn in Cattenom etwas Schreckliches passieren würde, wäre Luxemburg von der Landkarte gelöscht", sagte Bettel dem Sprecher zufolge. Der Premier habe deutlich gemacht, dass Luxemburg es mit der Forderung nach einer Abschaltung ernst meine, aber auch Hilfe anbiete.

Luxemburg sei bereit, sich finanziell an der Umwandlung des Standorts Cattenom hin zu einer umweltfreundlicheren Energieerzeugung oder zu einem andersgearteten Industriestandort zu beteiligen. Valls habe geantwortet: "Botschaft angekommen". Gleichzeitig habe Valls einen intensiveren Austausch zwischen beiden Ländern zu Cattenom in Aussicht gestellt, ein Abschalten derzeit aber ausgeschlossen.

Luxemburg, das Saarland und Rheinland-Pfalz fordern seit Langem ein Aus für das Kraftwerk, in dem es schon Hunderte Störungen gab. Der Betreiber EDF will das Kraftwerk noch bis 2045 weiterbetreiben. Experten schätzen, dass durch ein vorzeitiges Abschalten dem Konzern Erlöse in dreistelliger Milliarden-Höhe entgehen würden.