Luxemburg startet Alarmsystem "Amber Alert" - Vermisste Kinder sollen schneller gefunden werden

Luxemburg startet Alarmsystem "Amber Alert" - Vermisste Kinder sollen schneller gefunden werden

"Amber Alert" soll helfen verschwundene Minderjährige schneller wiederzufinden. Wenn Kinder oder Jugendliche vermisst werden, sind die ersten Stunden von vitaler Bedeutung, so der Luxemburger Justizminister Félix Braz am Donnerstag beim Start des Systems in Luxemburg.

Laut Statistiken seien die Überlebenschancen von vermissten Minderjährigen nach dieser Frist nämlich schwindend gering. Eine schnelle Reaktion könne Leben retten, betonte der Minister.

Wieso heißt das System "Amber Alert"? "Amber" war der Vorname der neun-jährigen Amber Hagerman. Das Mädchen aus Texas (USA) wurde 1996 entführt und ermordet. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt worden. Er war aber in den USA der Startschuss für ein Alarmsystem, das helfen sollte vermisste Minderjährige so schnell wie möglich ausfindig zu machen. Amber ist in den USA außerdem das Kürzel für "America's missing: Broadcast Emergency Response".

Diese Regel gilt auch bei verschwundenen Kindern im Ausland. Die Niederlande reagierten und führten im Jahre 2008 Amber Alert ein. Hinter dem Projekt standen damals das Sozialunternehmen "Netpresenter" und die niederländische Polizei. Amber Alert soll die Behörden bei der Suche nach verschwundenen Minderjährigen unterstützen. Zu diesem Zweck wird die Vermisstennachricht so schnell wie möglich publik gemacht, um so viele Leute wie möglich zu erreichen. Sie inspirierten sich bei "Amber Alert" an dem Alarmsystem, das in den USA eingeführt wurde.

Export nach Erfolg

In den Niederlanden ist "Amber Alert" ein großer Erfolg. Drei Viertel der gesuchten Kinder konnten gesund und munter wiedergefunden werden. Durch diesen durchschlagenden Erfolg wurde Amber Alert dann exportiert. 2013 wurde Amber Alert Europe gegründet. 14 Länder machen inzwischen mit, darunter auch das Großherzogtum. Zirka 500 Kinder werden vom Netzwerk erfasst.

Seit Donnerstagmorgen ist Amber Alert in Luxemburg in Betrieb. Justizminister Félix Braz und Staatssekretärin Francine Closener gaben den Startschuss in der Polizeizentrale auf dem Findel. Ein vermisster Minderjähriger wird im Regelfall der Polizei gemeldet, entweder im Kommissariat oder auf der Rufnummer 113. Die zentrale Leitstelle (RIFO) übermittelt die Informationen über das Kind an den Jugendschutz und die Staatsanwaltschaft, die dann entscheiden, ob eine "Amber Alert" ausgelöst wird oder nicht.

Wo ein solcher Alarm beschlossen wird, richtet die Polizei eine spezielle Telefonnummer ein, bei der Hinweise eingehen können. Informationen können auch über die sozialen Netzwerke oder via SMS abgegeben werden. Parallel zu der Amber Alert nimmt die Polizei ihre Ermittlungen auf. Die "Amber Alert" wird außerdem auf öffentlichen Anzeigen, in Bussen und Zügen, in Firmen, auf dem Flughafen, auf den CITA-Anzeigen auf der Autobahn, in den Kinos sowie via die Presse publik gemacht.

Diese höchste Alarmstufe werde aber nur in Ausnahmefällen ausgerufen, erklärte Félix Braz am Donnerstag noch einmal. Man müsse zwischen einer "normalen" Vermisstenmeldung (Stufe Eins) und einer "Amber Alert" (Stufe Zwei) unterscheiden. "Wenn wir dieses Instrument zu oft einsetzen, verliert es seine Effizienz", so der Justizminister. Der verschwundene Minderjährige müsse in akuter Lebensgefahr schweben. Vorsicht müsse man bei einer Entführung walten lassen, erklärte Francine Closener. Eine Amber Alert könne unnötigen Druck auf die Kidnapper ausüben, mit fatalen Folgen für das Opfer.

Jedes Jahr werden in Luxemburg ungefähr drei bis fünf Vermisstenmeldungen herausgegeben, die Minderjährige betreffen. Eine Amber Alert könnte durchschnittlich aber nur alle fünf Jahre ausgelöst, wurde am Donnerstag betont. Die 200 bis 300 Ausreißer jährlich werden nicht vom System erfasst.

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