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Luxemburg startet Pilotprojekt für Behandlung von Longcovid-Patienten

Reha für Corona-Kranke : Pilotprojekt zu Long Covid startet in Luxemburg – So soll es funktionieren

Rund 700 Menschen leiden in Luxemburg unter Langzeitfolgen der Infektion. Diesen soll jetzt eine geeignete Behandlung ermöglicht werden. Wie diese aussehen soll.

Manche leiden unter chronischer Erschöpfung, andere unter Gedächtnisverlust, anhaltendem Husten oder können nichts mehr riechen oder schmecken: Während die meisten an Corona Erkrankten sich von ihrer Infektion erholt haben, leiden manche noch Monate danach am sogenannten Long Covid. Dabei sind die Symptome sehr unterschiedlich, eine einheitliche Behandlung für alle gibt es nicht.

„In diesen Fällen brauchen wir einen interdisziplinären Ansatz, bei dem Experten aus allen Fachgebieten zusammenarbeiten, um den Patienten, die an Long Covid leiden, eine geeignete Behandlung zukommen zu lassen“, meint Luxemburgs Gesundheitsministerin Paulette Lenert. Ab August startet ein sechsmonatiges Pilotprojekt zwischen ihrem Haus, dem Krankenhaus CHL, dem Rehazentrum in Kirchberg und dem Thermalbad in Mondorf.

Wie viele Menschen im Großherzogtum an Corona-Langzeitfolgen leiden, wird nirgendwo verzeichnet. Im Rehazentrum haben sich 140 Leute in Behandlung begeben. Dennoch geht Gaston Schütz vom Rehazentrum davon aus, dass die Zahl viel höher liegt und dass ein Prozent der 700 000 Menschen, die seit Beginn der Pandemie an Corona erkrankten, betroffen sind. Das wären also rund 700 Patienten, die auf eine passende Therapie hoffen. Der ganzheitliche Ansatz soll dabei helfen. Als erstes werden die Patienten von ihrem Hausarzt behandelt. Dieser soll einschätzen, ob die Symp­tome tatsächlich auf die Folgen der Covid-Erkrankung zurückzuführen sind oder ob diese auch andere Ursachen haben könnten.

Wird bei dem Patienten Long Covid diagnostiziert, kommt er ins Krankenhaus CHL für weitere Untersuchungen. Dort wird festgestellt, welche Symptome am schwerwiegendsten sind und welche als erste behandelt werden müssen. Je nachdem, welche Langzeitfolgen diagnostiziert werden, kommen die Erkrankten anschließend entweder ins Rehazentrum oder ins Thermalbad.

Long-Covid-Behandlung: Vor allem Atemtechniken und Steigerung der Lungenfunktion

„Heute spielt die Reha eine große Rolle in der Behandlung der Long-Covid-Patienten. Der Körper muss einiges neu lernen“, sagt Gaston Schütz. „Es kann darum gehen, durch Atemtechniken die Lungenfunktionen wieder zu steigern, aber auch darum, die Geruchswahrnehmung zu trainieren oder zu lernen, den Körper schrittweise wieder belasten zu können“, gibt er Beispiele. Dabei gebe es keine Standardverfahren, jeder Patient bekomme einen individuellen Therapieplan. „Wichtig ist, dass der Weg zur Diagnose für die Long-Covid-Patienten sich nicht ewig hinzieht, insofern sind eine zentrale Anlaufstelle und ein  interdisziplinärer Ansatz sehr sinnvoll“, sagt Gesundheitsministerin Lenert.

Das Pilotprojekt startet am 1. August. Es soll ein halbes Jahr dauern und rund eine Million Euro kosten.  Die Daten werden durch die Projektpartner und das „Luxembourg Institute of Health“ ausgewertet.