Luxemburger Unternehmen stöhnen unter Belastung durch Wirtschaftskriminalität

Luxemburger Unternehmen stöhnen unter Belastung durch Wirtschaftskriminalität

Seit dem Jahr 2009 geht die Zahl der Wirtschaftsdelikte weltweit nach oben. Auch in Luxemburg schlagen die Kriminellen im Anzug zu. Oft bestehlen die Täter das eigene Unternehmen.

42 Prozent der befragten luxemburgischen Unternehmen haben im Rahmen einer PwC-Studie (siehe Extra) angegeben, in den vergangenen 24 Monaten Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein. Die Dunkelziffer liegt noch höher. Experten gehen davon aus, dass jedes zehnte Delikt nur durch Zufall entdeckt wird. Auf internationaler Ebene gibt es keinen Industriezweig, der von Wirtschaftskriminalität verschont bleibt. In Luxemburg ist die Finanzindustrie am häufigsten betroffen. Unter den weltweiten Delikten sticht vor allem die Veruntreuung von Vermögenswerten hervor. In zwei Drittel aller bekannten Fälle geht es um solche Angelegenheiten. Auf dem zweiten Platz, mit zunehmendem Trend, liegt die Cyberkriminalität (siehe TV-Schwerpunktseite vom 25. Juli). In 24 Prozent aller Fälle wurden Bestechungs- und Korruptionsfälle aufgedeckt. Der Schaden geht für die betroffenen Unternehmen in die Millionen.

Mitarbeiter machen sich Sorgen

Bei vier Prozent der weltweiten Wirtschaftsdelikte lag die Schadenssumme jeweils zwischen einer und fünf Millionen Dollar. Die Mehrheit, 39 Prozent, beklagte sich über Verluste in Höhe von 50.000 bis einer Million Dollar. Doch die Kriminalität hat nicht nur Auswirkungen auf die Finanzen der Unternehmen, der gesamte Geschäftsbetrieb leidet darunter. 17 Prozent der betroffenen Luxemburger Unternehmen haben angegeben, dass die Geschäftsbeziehungen stark unter den Delikten litten. In 16 Prozent der Fälle hatte dies auch Folgen auf die Motivation der Mitarbeiter. 14 Prozent sorgen sich um das Image des eigenen Unternehmens, wenn bekannt wird, dass Kriminelle zugeschlagen haben.

Meistens sind es interne Akteure, die den Schaden verursachten. Der "innere Feind", wie die Studie von PwC schreibt, sei in 46 Prozent der Fälle der Verursacher des Schadens, verglichen mit 41 Prozent der Verbrechen, die durch Außenstehende ausgeübt werden. Die Studie nennt auch die Maßnahmen, die von den Unternehmen ergriffen werden, wenn sich herausstellt, dass ein Mitarbeiter illegale Handlungen getätigt hatte. In 76 Prozent der Fälle werden die Schuldigen sofort entlassen. In nur 43 Prozent der Fälle werden die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet.

Nicht alle Wirtschaftsdelikte werden aufgedeckt. Laut PwC können Betrüger oft über Jahre hinweg unentdeckt ihre Opfer bestehlen. Luxemburger Unternehmen hätten schon mehrere solcher Fälle erlebt. Ein Beispiel: Bankangestellte unterhielten "eigene" Konten für Kunden. Diesen wiederum sei nicht aufgefallen, dass diese Konten nur fingiert waren.

Firmen trauen Behörden nicht

"Unter diesen Umständen können solche Fälle über Jahre nicht aufgedeckt werden", so die Studie. Luxemburger Unternehmen behandeln interne Kriminelle anders als Firmen in anderen Ländern. Erstaunlich ist, dass 59 Prozent der befragten Betriebe im Großherzogtum angaben, den lokalen Strafverfolgungsbehörden in Sachen Cyberkriminalität nicht zu trauen. Wenn ein möglicher krimineller Akt aufgedeckt wurde, neigen die Firmen in Luxemburg weniger als andere dazu, dies intern aufzuarbeiten. Der Königsweg in Luxemburg laut PwC: die Aufarbeitung einem nichtstaatlichen externen Auditor zu übergeben.

Viele Fälle werden also nicht aufgedeckt. Dies bedeutet, dass es erhebliche Summen gibt, die aus unlauteren Geschäften stammen. Dieses Geld will weißgewaschen werden. PwC zitiert das United Nations Office on Drugs and Crime (Unodc), demzufolge jedes Jahr zwischen zwei und fünf Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung solchermaßen "weißgewaschen" würden. PwC: "Aktuell wird nur ein Prozent der illegalen Geldströme von den Autoritäten sichergestellt." Der Sumpf der illegalen Gelder ist also immer noch nicht trockengelegt.

In jüngster Zeit werden die Anstrengungen massiv erhöht, diesen Wirtschaftskriminellen das Handwerk zu legen. Die Summen, die Staaten in den Kampf gegen die Geldwäscher investieren, steigen angeblich jedes Jahr um fast zehn Prozent. Dies betrifft vor allem auch Luxemburg, das in der Vergangenheit oft mit solchen Aktivitäten in Verbindung gebracht wurde. Da Luxemburg eine sehr offene Wirtschaft hat und hier viele grenzüberschreitende Transaktionen vorgenommen werden, ist es umso schwieriger für das kleine Land, Individuen zur Rechenschaft zu ziehen. So hat fast ein Drittel der Unternehmen aus Luxemburg angegeben, die größte Herausforderung in Sachen Geldwäsche sei die Schlagzahl, mit der neue Anti-Geldwäsche-Gesetze umgesetzt werden müssen.
Der Autor ist Redakteur beim Luxemburger Tageblatt.

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