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Medizinskandal schockt Luxemburg: Frau glaubt wochenlang an Brustkrebs erkrankt zu sein

Medizinskandal schockt Luxemburg: Frau glaubt wochenlang an Brustkrebs erkrankt zu sein

Während sieben endlosen Wochen glaubt eine Frau, an Brustkrebs erkrankt zu sein. Doch es stellt sich heraus, dass ihre Probe im Laboratoire National de Santé vertauscht wurde. Über diesen Medizinskandal im Großherzogtum berichten mehrere Luxemburger Medien.

Wie konnte es im Luxemburger Staatslaboratorium in Düdelingen (Laboratoire National de Santé) zur verhängnisvollen Verwechslung zweier Laboranalysen kommen? Diese Frage stellt sich im Großherzogtum nicht nur die Tageszeitung Luxemburger Wort. Dem Blatt zufolge stehen "viele Fragen im Raum", nachdem eine Patientin eine falsche Brustkrebsdiagnose erhielt und deswegen chirurgisch behandelt wurde. Auch das Luxemburger Tageblatt und der Sender RTL Lëtze-buerg berichteten über den Vorfall. Demnach will die betroffene Frau das Laboratorium verklagen.

Den Hergang schildert das Tageblatt so: Zwei Wochen nach einer Routineuntersuchung bei ihrer Gynäkologin, von der die besagten Proben ins Laboratorium eingeschickt wurden, bekommt die Patientin die niederschmetternde Nachricht: Brustkrebs. Daraufhin entscheidet sich die Frau, die nötige Operation in Belgien durchführen zu lassen, wo ihr aufgrund der Berichte des Laboratoire National de Santé (LNS) die Lymphknoten unter den Armen entfernt werden. Als das von den belgischen Ärzten eingeschickte Gewebe analysiert wird, stellt sich allerdings heraus, dass es sich um einen gutartigen Tumor gehandelt hat. Daraufhin unterzieht sich die Frau auf Anraten des belgischen Arztes einem DNA-Test, der ausschließen soll, dass ihre ersten Proben vertauscht worden sind.

Was sagt das Laboratorium selbst zu diesem Vorfall? Das Luxemburger Wort zitiert dazu Professor Dr. Simone Niclou, die Präsidentin des Verwaltungsrates der staatlichen Einrichtung. Auch sie spricht demnach von einem bedauerlichen Vorfall. Dessen sei man sich voll und ganz bewusst. Professor Niclou laut Luxemburger Wort: "Bei uns werden mehr als 100.000 Proben pro Jahr analysiert, zu 100 Prozent kann man einen solchen Fehler nicht ausschließen. Seit diesem Sommer haben wir jedoch ein neues, hochwertiges Computerprogramm. Dieses nimmt unter anderem die Etikettierung der Probe selbstständig vor. Ein Fehler wie er jetzt passierte, müsste damit eigentlich ausgeschlossen sein."

Auf die Qualitätskontrollen angesprochen, meint Dr. Niclou gegenüber dem Luxemburger Wort, dass diese sehr wohl vorhanden seien und auch funktionieren würden. "Die erste Kontrolle besteht darin, dass ein zweiter Mitarbeiter die Arbeit des Kollegen überprüft. Dies ist in diesem Fall leider nicht geschehen. Leider hat es dann auch zu lange gedauert, bis der Fehler bemerkt worden ist."

Die Patientin hatte sich zudem darüber beklagt, dass das Staatslaboratorium auf Anfragen nicht adäquat reagiert habe. "Das stimmt so wohl nicht", zitiert das Luxemburger Wort Dr. Niclou. Der zuständige Abteilungschef habe sofort reagiert, dafür gebe es Belege. Niclou weiter: "Ich verstehe, dass die Patientin alles andere als glücklich ist, aber hier muss man doch objektiv bleiben." In tageblatt.lu, dem Online-Auftritt des Luxemburger Tageblatts, wurde der Vorgang kontrovers diskutiert. "Fehler sind immer möglich. Ein falsches Etikett geklebt, eine falsche Datei geöffnet - Irren ist menschlich, schlimm, wen es trifft", schreibt etwa ein Leser. Ein weiterer Eintrag, auf Lëtze-buergesch, lautet so: "Ohje do kann ech Madame ganz gud verstoen. Do kann en jo awer vun Schlamperei schwetzen, an do kann een sech wirklech Fro stellen ob daat do net schons öfter virkomm as. An an esou Leid soll en dann Vertrauen hun. Wönschen der Madame, dass se vill Kraft huet, an soll et zu engem Prozess kommen, dass dann déi Schëlleg bestroft gin." Und ein weiterer Leser macht sich Gedanken, wem die positive Probe gehört: "Huet schon een un dei Mme oder M. geduecht? Dei leeft ronnderem an mengt se wier gesonnt!