Mehr Ausnahmen als Regeln

Mehr Ausnahmen als Regeln

TRIER/LUXEMBURG. Während in Deutschland noch diskutiert wird, ob an Advents-Sonntagen die Kassen der Geschäfte klingen dürfen, werden sie in Luxemburg längst zum Weihnachtseinkauf genutzt.

In Deutschland hat der Vorschlag der Grünen und der FDP, an den Advents-Sonntagen die gesetzlich vorgeschriebenen Ladenöffnungszeiten auszusetzten, für kontroverse Diskussionen gesorgt. Die Politiker wollen so den Verkauf ankurbeln. Besonders Kirchenvertreter sprechen sich jedoch gegen eine weitere Kommerzialisierung der Vorweihnachtszeit aus. In Luxemburg ist die Öffnung der Geschäfte an Advents-Sonntagen längst umgesetzt. "Die verkaufsoffenen Sonntage sind die besten Verkaufstage. Sie sind nicht mehr wegzudenken", sagt Jean-Claude Backes, Vorsitzender des luxemburgischen Einzelhandelsverbands. Im Großherzogtum gibt es laut Albert Frank aus dem Ministerium des Mittelstands an sechs Sonntagen im Jahr die Möglichkeit, die Geschäfte zu öffnen. Darüber hinaus stehen drei Sonntage im Advent zur Verfügung, an denen die Kassen gefüllt werden können. Von 6 bis 20 Uhr ist alles möglich

Grundsätzlich besagt das Gesetz: Die Geschäfte im Großherzogtum dürfen wochentags von sechs bis 20 Uhr öffnen. Allerdings können die Inhaber in diesem Rahmen individuell über die Öffnung der Betriebe entscheiden. So kann es Einkaufswilligen dort beispielsweise passieren, dass sie bis zehn Uhr vor verschlossenen Türen stehen. Zusätzlich zu diesen Öffnungszeiten dürfen die Geschäftsleute an einem frei wählbaren Wochentag bis 21 Uhr verkaufen. Bei dieser Regelung gibt es im Großherzogtum keine einheitliche Handhabe. An Samstagen und vor Feiertagen dürfen lediglich bis 18 Uhr Geschäfte gemacht werden. Allerdings sind Ausnahmen möglich. Im Feiertagsgeschäft macht man davon regen Gebrauch: Die Kunden können schon diesen Samstag, außerdem am 29. November sowie am 20. und 27. Dezember bis 20 Uhr die Regale leer räumen. Die Ausnahme-Genehmigungen für die Öffnung der Geschäfte wird von Mittelstandsminister Fernand Boden erteilt. Wenn Personal in den Geschäften arbeitet, muss die Sonderregelung zudem mit dem Arbeitsministerium abgestimmt werden. "Aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen" können laut Frank solche Genehmigungen erteilt werden. Wochenend-Touristen füllen die Kassen

Davon profitieren die Geschäftsleute zum Beispiel in Echternach. "Bei uns sind die Geschäfte prinzipiell jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr auf", erklärt Henri Gansen, Präsident des Echternacher Geschäftsverbands. So lassen sie sich den Umsatz durch Wochenendtouristen nicht durch die Lappen gehen. An verkaufsoffenen Sonntagen füllen sich die Kassen der Geschäftsleute im Großherzogtum offenbar recht gut. Rund 10 000 Kunden besuchen an diesen Tagen beispielsweise das Einkaufszentrum Auchan auf dem Kirchberg. Zum Vergleich: An Wochentagen kaufen bis zu 14 000 Kunden im Zentrum - allerdings sind die Pforten dann vier Stunden länger offen. Bei deutschen Kunden hat sich die Möglichkeit des sonntäglichen Einkaufs beim Nachbarn noch nicht richtig herumgesprochen: Denn nur "sechs Prozent unserer Klienten an Sonntagen sind Deutsche", sagt Myriam Caps von Auchan. Während hierzulande die Diskussion um verkaufsoffene Sonntage im Advent hohe Wellen geschlagen hat, hat es in Luxemburg übrigens keine großen Debatten gegeben. Hier klingeln einfach die Kassen. Die Einkaufs-Termine: Weihnachtsbummel an Sonntagen sind in Luxemburg am 30. November sowie am 14. und 21. Dezember möglich. Von 14 bis 18 Uhr können dort die Einkaufstüten gefüllt werden. Im Einkaufszentrum Auchan gibt es zusätzlich am Sonntag, 7. Dezember, Einkaufsmöglichkeiten. Dort haben die Pforten sonntags von zehn bis 18 Uhr geöffnet.