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Nach fünf Jahren als Honorarkonsul gibt Klaus Jensen den Staffelstab weiter

Luxemburg : Neuer Honorarkonsul von Luxemburg in Trier

Fünf Jahre lang hat Triers Oberbürgermeister a.D., Klaus Jensen, die Belange des Großherzogtums als Honorarkonsul in der Region Trier vertreten. Nun gib er das Ehrenamt ab. Sein Nachfolger ist in der Region beileibe kein Unbekannter.

Fünf Jahre haben Honorarkonsul Klaus Jensen und sein Nachfolger ihr Büro in unmittelbarer Nähe gehabt. Und wenn es um die deutsch-luxemburgische Zusammenarbeit und Verständigung ging, haben sie auch schon viele Projekte gemeinsam diskutiert, angestoßen und umgesetzt. Der Nachfolger von Klaus Jensen als luxemburgischer Honorarkonsul ist der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier (IHK), Jan Glockauer. Räumliche und inhaltliche Nähe bei diesem Übergang sind also offensichtlich.

Dass Glockauer auf Jensen folgt, hat allerdings einen ziemlichen Verwaltungsaufwand vorausgesetzt. Nach fünf Jahren in diesem Ehrenamt möchte sich Klaus Jensen in seiner Lebensplanung wieder vermehrt anderen Aktivitäten widmen. „Es gab keinen sachlichen oder inhaltlichen Grund, das Amt aufzugeben. Die Luxemburger hätten sich gefreut, wenn ich nach den ersten fünf Jahren weitergemacht hätte, und es hat mir auch große Freude bereitet“, erklärt der ausgeschiedene Honorarkonsul. Doch Jensen möchte sich verstärkt wieder der gemeinsamen „Klaus-Jensen-Stiftung“ widmen, mit der er und seine Frau, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, eine Kultur der Gewaltprävention, ziviler Konfliktbehandlung und Versöhnung von Konfliktparteien fördern wollen. Zudem sei er als „First Gentleman“ von Rheinland-Pfalz auch gefordert. Dass die lebendige Zusammenarbeit in der Großregion aber erfolgreich weitergeführt werde, sei ihm ein wichtiges Ziel. Deshalb habe er vorgeschlagen, dass IHK-Chef Jan Glockauer ihm als Honorarkonsul folge. Das Auswärtige Amt in Berlin und natürlich das Großherzogtum Luxemburg hätten diesen Vorschlag wohlwollend aufgenommen. Durch das großherzogliche Dekret vom 9. Oktober wurde Dr. Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier, zum neuen Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg in Trier ernannt. Nach der Erteilung des Exequaturs („Der Konsul möge sein Amt beginnen“) durch die Bundesregierung am 5. November kann Jan Glockauer seine Tätigkeit ab sofort offiziell ausüben.

Während solche Wechsel in der Vergangenheit mit einem offiziellen Festakt begangen wurden, ist dies in Corona-Zeiten ein recht bescheidener Akt. Doch für den Honorarkonsul a.D. und seinen Nachfolger ist die Aufgabe auch weiterhin eine Herzenssache, wie sie im Gespräch mit dem TV erklärten.

Die fünf Jahre hatten für Klaus Jensen „viele wunderbare Begegnungen“, die ihm die Verbundenheit der Menschen in der Region immer wieder zeigten. Die Grenzschließung vor einigen Monaten sei ein prägender Moment gewesen. Die Empörung auf beiden Seiten war groß. „Es war eigentlich ein trauriger und bedrückender Augenblick, gemeinsam mit unseren luxemburgischen Freunden an der Grenze zu stehen und zu sehen, wie dort deutsche Grenzschützer mit Waffen den Übergang bewachten. Dass das in Luxemburg keine nachhaltige Wirkung auf unser freundschaftliches Verhältnis hat, hat mich positiv berührt. Das zeigt, wie tief der Zusammenhalt hier geht.“ Auch die Gedenkfeier im Konzentrationslager Hinzert im vergangenen Jahr, an der Überlebende des Lagers, Großherzog Henri, der luxemburgische Premier Xavier Bettel und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer teilgenommen hätten, sei für ihn als Honorarkonsul ein prägendes und berührendes Erlebnis gewesen.

Doch für einen Honorarkonsul gehört auch viel Alltagsgeschäft zu den Aufgaben, wie Klaus Jensen verrät. Auf fünf Jahre ernannt, kümmert sich der Honorarkonsul um die Sorgen der rund 8000 Luxemburger, die in dem Konsularbezirk leben. Das sind die ehemaligen Regierungsbezirke Trier und Koblenz, also der heutige Zuständigkeitsbereich der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Für diese Menschen muss der Honorarkonsul in Notsituationen da sein. Das können Unternehmen sein, luxemburgische Strafgefangene in Deutschland, die Beistand und Hilfe bei der Resozialisation brauchen, oder auch Ratsuchende in Einbürgerungsfragen. Ein weiteres Feld ist die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Kooperationen und der kulturellen und sonstigen Zusammenarbeit, etwa bei den Hochschulen. Und zudem gehöre auch Lobbyarbeit für Luxemburg dazu, beispielsweise für den Ausbau der Bahnlinien oder bei einer Frage wie der Grenzschließung in der Pandemie.

Gerade was die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region angeht, hat Klaus Jensen mit Jan Glockauer in den vergangenen Jahren schon einen eifrigen Mitstreiter gehabt. Für den IHK-Chef auch ein Grund, das Amt anzutreten. „Es ist für mich eine große Ehre, und ich habe mir den Schritt reiflich überlegt. Ich bin seit achteinhalb Jahren in Trier und bin genau wegen der Grenznähe und den Möglichkeiten der Zusammenarbeit in die Region gekommen“, erklärt Glockauer. Zuvor war er im IHK-Bereich am Bodensee aktiv, und auch dort gab es mit der Schweiz, Liechtenstein und Österreich zahlreiche Verbindungen. „Mit Klaus Jensen habe ich mich beispielsweise seit Jahren für die grenzüberschreitende Berufsausbildung eingesetzt. Es gibt erste Erfolge, doch auch noch einiges zu tun.“ Der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Wirtschaft in der deutsch-luxemburgischen Region ist Glockauer wichtig. Ein neues Feld wird aber die Kooperation in kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen sein. Der IHK-Hauptgeschäftsführer freut sich ohne Einschränkungen darauf. „Ich habe gerade die Eintrittsgelder für die wegen Corona ausgefallenen Konzerte in der Philharmonie in Luxemburg zurückbekommen. Das tut meinem Konto gut, meinem Herzen aber gar nicht“, erzählt Glockauer.

Von offizieller Seite gibt es Beifall für den Honorarkonsul a.D.. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn: „Die fortführenden Bemühungen von Klaus Jensen zu einer verstärkten Zusammenarbeit haben mit dazu geführt, dass Luxemburg und Trier heutzutage zu einer beispielhaften europäischen Modellregion zusammengewachsen sind.“ Gleichzeitig freut sich Minister Asselborn auf die Zusammenarbeit mit seinem neuen Honorarkonsul: „Dank seiner guten Vernetzung, sowohl in Luxemburg wie in Rheinland-Pfalz, wird Dr. Glockauer dazu beitragen, die nachbarschaftlichen Beziehungen Luxemburgs mit Trier und mit Rheinland-Pfalz weiter zu vertiefen, indem er Kontakte auf der wirtschaftlichen sowie kulturellen Ebene erleichtern wird. Dis ist umso wichtiger in Zeiten der Corona-Pandemie.“