Verkehr: Nun werden Knöllchen verteilt

Verkehr : Nun werden Knöllchen verteilt

Anwohnerparken in Wasserbillig sorgt für zufriedene Anwohner und genervte Pendler.

Entspannt können Wasserbilliger seit dem 1. Januar in ihrer Gemeinde ihre Autos parken, wo sie möchten. Vor der Haustür ist ab nun immer genügend Platz, und auch die Hauptstraße, an der jetzt nur noch vereinzelt Autos stehen, stellt keine Herausforderung mehr dar.

Das liegt daran, dass seit Jahresbeginn ein Bewohnerparkausweis nötig ist, um dort unbegrenzt parken zu können (der TV berichtete). „Es ist viel mehr Platz in den Straßen, vor allem den Wohngegenden merkt man die neue Reform an“, sagt Bürgermeister Jérôme Laurent. „Die Anwohner sind sehr erfreut über die neue Situation.“

Während die Wasserbilliger sich freuen, werden Pendler nervös: Nur noch im Bereich des Bahnhofs und unweit der Tankstellen dürfen sie unbegrenzt parken, ohne ein ­Knöllchen zu kassieren. Gerade für Arbeitnehmer ist die Situation problematisch. Das gilt nicht nur für Pendler aus Deutschland, sondern auch für Luxemburger, die nicht in Wasserbillig  wohnen.

Zur Übergangsphase wurden in den ersten Wochen nur Verwarnungen an Falschparker verteilt. Laut Bürgermeister Jérôme Laurent werden ab nächster Woche, wenn das Wetter besser ist, die ersten Knöllchen verteilt: „Bei diesem Wetter macht es diese Woche noch keinen Sinn kostenpflichtige Verwarnungen zu verteilen.“ Ab Montag werden dann 24 Euro fällig.

Der TV hat via Facebook-Portal die User nach ihrer Meinung zur neuen Parksituation befragt. Userin Mara Myr hat Verständnis dafür, dass es die Anwohner stört, wenn Pendler in Wasserbillig parken, um den Zug zu nehmen. Trotzdem sei es für Menschen, die in Wasserbillig zur Arbeit gehen, eine schwierige Situation. Denn die Parkplätze im Bereich des Bahnhofs und unweit der Tankstellen seien häufig belegt. Dazu schreibt Regie Schroeder: „Endlich können dann mal die Einwohner parken. Es nervt, ihr parkt überall hin!“

Auch Userin Nikki Neumann erklärt, weshalb es für sie wichtig ist, mit dem Auto unterwegs zu sein: „Ich bin alleinerziehend und auf mein Auto angewiesen, ich muss flexibel sein. Leider wird mir das genommen, ab dem 1. Februar fahre ich mit dem Zug, tanke weniger in der Gemeinde, und meine Kinder bleiben auf der Strecke“.

Das neue Parkkonzept bringt für Pendler viele Nachteile mit sich, auf die Facebook-Userin Mara Myr aufmerksam macht: „Meine Kollegen und ich haben seit mehreren Monaten auch nur Probleme, morgens zwischen halb 8 und 9 Uhr einen Parkplatz zu finden.“

Dass die Pendler sich einer neuen Herausforderung stellen müssen, ist dem Bürgermeister klar. Allerdings „muss man ja sagen, dass unsere Gemeinde genauso funktioniert wie andere Gemeinden in Luxemburg und in Deutschland auch. In vielen Gemeinden sind Einwohnerparkplätze Bestandteil des Parkkonzepts“, sagt Jérôme Laurent. „Wir müssen vor allem den Anwohnern zuhören, und die stört es, dass sie nicht mehr vor der Haustür parken können.“

Offen bleibt, wie sich die Lage entwickelt, wenn 2020 der öffentliche Transport in Luxemburg kostenfrei wird. An Lösungen wird jedenfalls gearbeitet. In Planung ist der Ausbau der Parkkapazitäten unweit der Grenztankstellen. Außerdem soll 2023 ein Park-and-Ride-Parkplatz auf dem Gelände vor dem Bahnhof entstehen. Eine Übergangslösung gibt es jedoch bis dahin nicht.