Ohne Grenzen arbeiten

Für die 28 000 Pendler aus der Region, die in Luxemburg arbeiten, lohnt sich die tägliche Fahrt ins Großherzogtum. Wegen der niedrigeren Abgaben verdienen Pendler bei gleicher Tätigkeit im "Ländchen" in der Regel deutlich mehr. Wer aber mal hier, mal dort arbeitet, muss in Steuersachen sehr gut aufpassen.

Luxemburg. Für Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Deutschland und Arbeitgeber in Luxemburg, die nicht nur in Luxemburg, sondern auch in Deutschland oder in anderen Staaten arbeiten, gibt es eine ganze Reihe von besonderen Regeln, die zu beachten sind. Dies kann etwa auf Bauhandwerker, Monteure oder auch auf Geschäftsführer mehrerer Firmen mit Sitz in verschiedenen Staaten zutreffen. Auf diese Situation macht die Sprecherin des Finanzamtes Trier, Julia Köster, aufmerksam: "Arbeitet ein Arbeitnehmer für einen luxemburgischen Arbeitgeber in mehreren Staaten, so ist die Besteuerung des Lohnes im Verhältnis der Anwesenheit des Arbeitnehmers in den jeweiligen Staaten aufzuteilen, wobei grundsätzlich der sogenannte Drittlands-anteil dem Wohnsitzstaat zufällt." Für den Teil des Arbeitslohns, der auf Tage entfällt, an denen der Arbeitnehmer ausschließlich in Deutschland beruflich tätig gewesen ist, hat Deutschland das Besteuerungsrecht. Für Tage, an denen er in einem anderen Staat als Deutschland oder Luxemburg (sogenannter Drittstaat) tätig geworden ist, steht diesem dritten Staat das Besteuerungsrecht nur zu, wenn er dort an mehr als 183 Tagen im Kalenderjahr tätig war. Ansonsten hat der Wohnsitzstaat für diesen Teil das Besteuerungsrecht. Ist der Arbeitnehmer an einem Tag in mehreren Staaten tätig, so wird das Besteuerungsrecht anteilig zwischen Deutschland und Luxemburg aufgeteilt. Da der Arbeitgeber nur in Luxemburg Lohnsteuer abführt, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, in Deutschland eine Steuererklärung abzugeben. "Viele Arbeitnehmer wissen das nicht. Aber: Er ist allein Schuldner seiner Einkommenssteuer, nicht der Arbeitgeber", warnt Julia Köster.

Gibt der Arbeitnehmer pflichtwidrig keine Steuererklärung ab, besteht die Gefahr künftiger Nachzahlungen und unter Umständen sogar einer strafrechtlichen Untersuchung.

Hat der luxemburgische Arbeitgeber bei der Zahlung der Lohnsteuer in Luxemburg die Aufteilung auf die Staaten nicht vorgenommen, kann dem Arbeitnehmer unter Umständen ein Erstattungsanspruch für die zu viel gezahlte Lohnsteuer in Luxemburg zustehen. Hierfür muss er der luxemburgischen Steuerbehörde den Nachweis über die in Deutschland und gegebenenfalls auch in anderen Staaten gezahlte Einkommenssteuer bringen. Eventuell ist ein Verständigungsverfahren zwischen Deutschland und Luxemburg einzuleiten.

Achtung:
"In der Praxis ist die Nachweisbarkeit über den Anteil der Arbeitszeit in dem jeweiligen Staat oft sehr schwierig. Der Arbeitnehmer muss grundsätzlich selbst für geeignete Beweismittel vorsorgen, denn er begehrt in Deutschland eine Minderung seiner Steuern", so Köster. Kann der Arbeitnehmer keinen geeigneten Nachweis erbringen, hat das Finanzamt das Recht, diesen Anteil zu schätzen.

Jedem Betroffenen wird daher empfohlen, laufend geeignete Aufzeichnungen zu machen, um Schätzungsunschärfen - besonders zu seinem Nachteil - zu vermeiden.

Besonderheit bei Berufskraftfahrern: Der Arbeitsplatz des Berufskraftfahrers ist sein Fahrzeug. Mit jedem Grenzübertritt zwischen Deutschland und Luxemburg geht daher auch das Besteuerungsrecht auf den Staat über, in dem der Kraftfahrer gerade fährt. Der Fahrtanteil im Drittstaat wird wiederum im Wohnsitzstaat versteuert, soweit er nicht an mehr als 183 Tagen dort unterwegs ist. Um den in diesen Fällen entstehenden Aufwand für den Berufskraftfahrer zu minimieren, sind im Jahr 2005 im Rahmen eines sogenannten Verständigungsverfahrens Vereinfachungsregeln zwischen Deutschland und Luxemburg getroffen worden. Die wesentliche Vereinfachung besteht darin, dass der Berufskraftfahrer nicht die konkret gefahrene Zeit in einem Staat dokumentieren muss, sondern das Besteuerungsrecht für einen Tag anteilsmäßig auf die angefahrenen Staaten aufgeteilt wird. Feiertage, Krankheits- und Urlaubstage werden nach dem gleichen Maßstab aufgeteilt wie die Arbeitstage, obwohl der Kraftfahrer diese Tage in der Regel im Wohnsitzstaat verbringt.

Für Rückfragen steht das Finanzamt zur Verfügung. Info im Internet: www.finanzamt-trier.de.

Mehr von Volksfreund