Ons Schueberfouer: Ausstellung im Lëtzebuerg City Museum zu dem Jahrmarkt der Großregion.

Luxemburg : Ausstellung zur Schueberfouer: Wollhandel, Striptease, Familien-Treffen

Mehr als zwei Millionen Besucher: So viele Menschen besuchen jedes Jahr in drei Wochen im August die Schueberfouer, den größten Jahrmarkt der Großregion. Nun hat das Lëtzebuerg City Museum der Messe eine eigene Ausstellung gewidmet.

Wer in Luxemburg geboren und aufgewachsen ist und dort lebt, für den ist die Schueberfouer nicht nur der größte Jahrmarkt der Großregion mit jährlich 250 Schaustellergeschäften, sondern „ein Kulturgut, mit dem jeder vertraut ist“, sagt Gilles Genot, Konservator am Lëtzebuerg City Museum (LCM) und Kurator der neuen Ausstellung „Ons Schueberfouer“. Dass das LCM der Fouer nun sogar eine eigene Ausstellung widmet, liegt für die Macher klar auf der Hand: „Die Schueberfouer oder Schobermesse ist kein gewöhnlicher Jahrmarkt, sondern zunächst einmal einer mit einer fast 700-jährigen Geschichte“, stellt Museumssprecher Boris Fuge klar.

Denn bereits 1340 hat Johann der Blinde als Graf von Luxemburg und König von Böhmen der Stadt Luxemburg das Recht erteilt, jährlich eine achttägige Handelsmesse abzuhalten. In unmittelbarer Nähe zu einer wichtigen Handelsstraße zwischen Oberitalien, Straßburg, Brabant und Flandern gelegen, wächst im Großherzogtum der Erfolg der Messe. Auch heute noch befindet sich die Messe mitten in der Stadt auf dem Glacis und nicht auf der grünen Wiese. „Das macht die Fouer so einmalig“, sagt der Historiker. So etabliert sich neben dem Handel mit Wolle auch ein Viehmarkt. Und alte Traditionen wie der Hämmelsmarsch werden noch heute in Erinnerung daran gewahrt.

Allerdings: „Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Veranstaltung zu einem Vergnügungsevent. Heute erinnern lediglich einige ,fliegende Händler’ mit Wunder-Putzmitteln und Pfannen an den ursprünglichen Markt, die Hauptsache sind die Fahrgeschäfte und die Gastronomie“, sagt der LCM-Sprecher.

Doch auch damit fahren die Organisatoren prächtig. Ob Fouerfësch, Schapp Nougat, Gromperekichelcher oder Kiermesham: Weil Schausteller und Gastronome aus Frankreich, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg kommen, zeigen sich unterschiedliche kulinarische Traditionen und Esskulturen. „Dieser internationale Charakter ist außergewöhnlich“, sagen die Ausstellungsmacher. Und auch die aktuell gefragtesten Fahrgeschäfte werden auf einer der wichtigsten Jahrmärkte in Europa vorgestellt.

Historische Fotos, Postkarten, Plakate und Filmaufnahmen geben bei der Ausstellung „Ons Schueberfouer“ einen Einblick in Vergnügungen vergangener Jahrzehnte, als Moritatensänger, Cinematographen und exotische Tier- und „Eingeborenen“-Schauen noch zu den Attraktionen gehörten. So waren der Ende des 19. Jahrhunderts  stärkste Mann der Welt John Grün sowie Buffalo Bill aus den USA mit seiner „Wild West Show“ ebenfalls Gast auf der Fouer in Luxemburg. „Die Fouer war in einem kleinen, beschaulichen Land sicher über viele Jahre eine Riesenattraktion. Auch für die Landbevölkerung war es eine willkommene Gelegenheit, neben der religiösen Muttergottes-Oktav ,an d`Stad’ zu fahren“, sagt Sprecher Fuge. Dabei seien die Attraktionen noch in den 1960er Jahren „von durchaus derber Natur gewesen, mit Striptease und Boxkämpfen. Das war alljährlich eine andere, entgrenzte Welt“.

Einen tieferen Einblick in das Leben der Messe gewähren Fotoausstellungen dreier Luxemburger Fotografen, die den Besuchern Eindrücke der Messe bei Nacht, von hinter den Kulissen und die Technik der Fahrgeschäfte zeigen. Hinzu kommen Interviews mit Schaustellern, deren Familien teils seit Generationen auf der Schueberfouer aktiv sind. Diese Tradition spiegelt sich auch heute in der Tatsache wider, dass aus der Schueberfouer längst eine nationale Familienmesse geworden ist. Denn wo sollte man sonst Freunde, Verwandte und Bekannte treffen, wenn nicht auf der Fouer, auf der jeder Luxemburger jährlich einmal gewesen sein sollte? Kurator Genot: „Über drei Wochen belebt die Schueberfouer die Stadt Luxemburg und wird somit mehr als alles andere ein Treffpunkt für Familie und Freunde.“

Exponate aus vergangenen Fouer-Zeiten: Nostalgische Karusselltiere, Schiff­schaukeln oder Achterbahn-Kabinen runden die Ausstellung ab. Foto: Letzebuerg City Museum

Die Ausstellung „Ons Schueberfouer“ im Lëtzebuerg City Museum ist bis zum 29. März 2020 zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen.www.citymuseum.lu