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Tradition: Petition: Pfingstdienstag soll Feiertag in Luxemburg werden

Tradition : Petition: Pfingstdienstag soll Feiertag in Luxemburg werden

Mit einer Petition wollen die Unterzeichner erreichen, dass der Pfingstdienstag, der Tag der Echternacher Springprozession zum Feiertag wird. Der Clou: Auch Grenzgänger dürfen dafür bis zum 17. Juli noch abstimmen.

Sie gehört neben der Muttergottesoktav im Mai zu DEN gelebten Zeichen Luxemburger Volksfrömmigkeit: die Echternacher Springprozession. Vom Kindergarten bis zum Seniorenheim besucht ein Großteil der Bevölkerung das Traditionsereignis an Pfingstdienstag. Und seit Jahrzehnten gibt es im Ländchen eine Regel, nach der der Pfingstdienstag schulfrei ist, sofern der Tag nicht in die Pfingstferien fällt. Dies kam in den vergangenen 43 Jahren neunmal vor, so dass dann zusätzlich schulfrei war.

Diese Regelung hat jedoch im vergangenen Jahr die Regierung unter Premier Xavier Bettel auf den Plan gerufen, die konsequente Trennung von Kirche und Staat und die religiöse Neutralität der Schulen weiter zu forcieren und den Pfingstdienstag als normalen Schultag zu erklären. Bereits zum Schuljahr 2016/17 hatte die Regierung den Religionsunterricht abgeschafft und durchs Fach „Leben und Gesellschaft“ ersetzt. Nun also der Pfingstdienstag, der sogleich die Kirche und den Echternacher Willibrordus-Bauverein als Organisator der Springprozession auf den Plan gerufen hat. Erzbischof Jean-Claude Hollerich sprach sogar von „einer „Sauerei“ und einem klaren Verstoß gegen das Menschenrecht der Religionsfreiheit“.

Dabei haben sich die Regierung und der liberale Bildungsminister Claude Meisch eines Tricks bedient: Schüler aus Echternach sollen demnach am Tag der Springprozession frei haben, aus dem Rest des Landes nicht. Wer dennoch dabei sein möchte, kann sich von der Schule befreien lassen und eine Entschuldigung vorlegen. „Jeder Schüler, der mitspringen will, kann an der Springprozession teilnehmen“, heißt es folglich aus dem Bildungsministerium. Und auch Minister Meisch fragt unbedarft per Internet: „Wou ass de Problem?“ (Wo ist das Problem?)

Doch in Echternach sieht man das Traditions-Event in Gefahr: „Die Springprozession hat neben ihrer religiösen Tradition auch eine ausgeprägte kulturelle Dimension. Es gibt Teilnehmer, die kaum Kirchgänger sind, aber an der Prozession teilnehmen“, stellt Pierre Kauthen, Verwaltungsrat des Willibrordus-Bauvereins, fest. Doch die Echternacher geben sich noch nicht geschlagen: So hat der Ex-Abgeordnete und ehemalige sozialistische Bürgermeister der Sauer-Stadt, Jos Scheuer, bei der Abgeordnetenkammer eine Petition hinterlegt, die die Luxemburger Regierung auffordert, ihre Haltung zu überdenken. „Der Akt mutet wie eine politische Kraftmeierei an“, schreibt Scheuer dieser Tage im „Journal“. Außerdem verstoße die Luxemburger Regierung damit gegen die Unesco-Konvention und die Verpflichtung, „alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, die Erhaltung und Verbesserung des immateriellen und materiellen Unesco-Kulturerbes zu fördern“. Im November 2010 war die Springprozession nämlich zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden. Scheuer fordert in seiner Petition einen „Tag des Luxemburgischen Kulturerbes“ unter Einbeziehung der Springprozession sowie der Altstadt Luxemburgs, der Ausstellung „Fami­liy of Men“ in Clerf und der womöglich neuen Denkmäler Müllerthal und der Industriebrachen im Süden des Großherzogtums.

Und hier kommen die gut 30 000 Grenzgänger aus der Region Trier ins Spiel: Denn die Petition kann bis zum 17. Juli auch derjenige unterschreiben, der in Luxemburg arbeitet und im Nationalregister über eine Matrikel-Nummer wie etwa für die Luxemburger Krankenkassen eingetragen ist. Immerhin gibt es auch zahlreiche Schulen in der Region Trier, die die Springprozession besuchen oder den Tag zur Teilnahme schulfrei geben – sowie Pilgergruppen, die aus Prüm, Waxweiler oder Trier anreisen. 4500 Unterschriften werden benötigt, gut 1000 stehen noch aus, damit das Anliegen im Parlament diskutiert wird. „Es wäre für uns eine Hilfe, wenn wir aus der Eifel Unterstützung bekämen“, sagt Pierre Kauthen.

www.sprangpressioun.lu